Fotovoltaik in Rentweinsdorf Mehr Vorteile als Nachteile

Günther Geiling

Der Bürgerentscheid im Hinblick auf mehr Solaranlagen in Rentweinsdorf sorgt ungebrochen für großes Interesse. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung präsentierte Bürgermeister Steffen Kropp nun einen Fakten-Check.

In Rentweinsdorf hofft man auf eine Aufhebung der Begrenzung für Freiflächen-Fotovoltaikanlagen. Foto: Archiv NP

Die Marktgemeinde Rentweinsdorf zählte vor über zehn Jahren zu den ersten Gemeinden im Landkreis, in der eine große Freiflächen-Fotovoltaik-Anlage mit 45 Hektar errichtet wurde. Bauanträge für solche Fotovoltaikanlagen stehen derzeit nahezu wöchentlich auf der Sitzung von Ratsgremien. In Rentweinsdorf kommt es aber nun am 4. Dezember zu zwei Bürgerbegehren, mit denen einerseits eine Flächenbegrenzung aufgehoben werden und zum anderen der Wunsch nach einer weiteren großen Fotovoltaikfläche von rund 42 Hektar in Erfüllung gehen soll. In einer Bürgerinformationsversammlung wurden die unterschiedlichen Meinungen dazu noch einmal deutlich und sichtbar, aber sachlich erörtert.

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Das Thema schwelt schon seit nahezu zwei Jahren und der Marktgemeinderat setzte mit seinem Beschluss vom August 2021 eine Zäsur, dass er die Fläche für PV-Freiflächenanlagen auf höchstens 5,7 Prozent der Gemeindefläche begrenzen wolle. Diese Fläche wäre dann mit rund 60 Hektar erreicht. Für das „Großprojekt von Rotenhan“ in Hebendorf waren damit schon rund 45 Hektar aufgebraucht. In den vergangenen Monaten wurden aber noch weitere Projekte in die Waagschale geworfen.

Diese weiteren Projekte unter Federführung von Maximilian von Rotenhan auf der Hasenleite zwischen Salmsdorf und Rentweinsdorf mit 42 Hektar sowie die Sonnenfarm Renate mit 9,54 Hektar in Salmsdorf und der Kutschenberg mit vier Hektar in Treinfeld überschreiten aber mit dem schon bestehenden Projekt in Hebendorf mit insgesamt rund 100 Hektar die gesetzte Grenze aus dem Marktgemeinderat. Diese liegen bei 60 Hektar. Was also tun?

Bürgermeister Steffen Kropp hatte deswegen in den Ortsteilen zu Bürger-Informationsveranstaltungen eingeladen. Dabei gab es unterschiedliche Meinungen, die aber meist sehr sachlich gegeneinander abgewogen wurden. Es gab zahlreiche Befürworter solcher Fotovoltaikanlagen, denen größtenteils nur die Gegenargumente von Landwirten gegenüberstanden, unter anderem jenes, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen aus der Nahrungsmittelproduktion herausgenommen würden.

Auch im Marktgemeinderat waren in den Sitzungen mit diesem Thema die unterschiedlichen Meinungen zu spüren und es stellte sich die Frage, wie man mit dem Thema umgehen sollte. Um allen Wünschen gerecht zu werden, hätte das Ratsgremium damit seinen Beschluss zur Flächenbegrenzung rückgängig machen oder die weiteren Projekte teilweise stoppen müssen.

Die Bürgerinitiative mit dem Namen Rückenwind hat mit ihren 361 Unterschriften die Voraussetzung dafür geschaffen, dass am 4. Dezember zwei Fragen in einem Bürgerentscheid behandelt werden. Dabei können die Bürger die entscheidenden Weichen für ihre Gemeinde stellen.

Keine leichte Entscheidung und deswegen wollte Bürgermeister Steffen Kropp es nicht versäumen, die Bürger vor diesem Entscheid noch einmal mit ausführlichen Informationen zu versorgen. Die Bürger nahmen dieses Angebot gerne an und rund 150 Teilnehmer hatten sich dazu im Marktsaal eingefunden. Einige Tage vor dieser Veranstaltung flatterte ihnen aber auch noch ein Flyer in den Briefkasten, auf dem von acht Gemeinderäten aus den verschiedenen Fraktionen die Namen standen. In diesem Flyer sprachen sie sich für den Erhalt der Landschaft aus, denn die für die Hasenleite vorgesehene Fläche von 43 Hektar könne statistisch 6000 Menschen jährlich ernähren. Daraus erwuchs ihre Frage der Initiatoren des Flyers: „Was ist ihnen wichtiger – Nahrungsquelle oder Energiequelle?“ Sie bezweifelten auch die Vorteile mit einer höheren Gewerbesteuer, die Alfred Neugebauer ansprach, und wiesen darauf hin, dass die geplante Fotovoltaikanlage den Stromtarif in Rentweinsdorf nicht reduziere.

Bürgermeister Steffen Kropp hatte sich auf diese Argumente bestens vorbereitet und ging auf die Auflistungen der negativen wie auch positiven Argumente mit seinem eigenen Faktencheck ein. Dass das Landschaftsbild durch die Anlage verändert werde, sei natürlich klar. Aber die Fläche sei nur teilweise einsehbar und von bebauten Grundstücken in Rentweinsdorf sei die Anlage nicht zu erkennen. Außerdem würden bauliche Anlagen um die Fotovoltaik-Fläche den Eingriff ins Landschaftsbild erträglich gestalten.

Dem Argument, dass die Fotovoltaik-Fläche den Landwirten die Fläche wegnehme, sah er nicht gegeben. Dabei verwies er auch auf die Herausnahme von Flächen durch Stilllegungen aus der Nahrungsmittel- und Futtermittelproduktion. Jürgen Eller sah von seiner Seite keine Alternative zu regenerativen Energiequellen. Auch die Forderung und Alternative von Fotovoltaikanlagen auf den Dächern bewertete Bürgermeister Kropp mit dem Hinweis, dass Anlagen auf dem Dach teurer wären und Fotovoltaikstrom vom Dach höhere Kosten verursache. Eine Kombinationslösung wäre sicherlich die anzustrebende Lösung.

Dass man bei einer steigenden Gewerbesteuer weniger Schlüsselzuweisungen bekomme, wollte er nicht weiter entkräften, „aber auch, wenn die Schlüsselzuweisungen sinken, steigen die Gesamteinnahmen und wir sind unabhängiger von staatlichen Geldern.“ Dies unterstrich er mit den neuesten Zahlen von der großen Fotovoltaikanlage in Hebendorf, „wo die Gemeinde im Jahr 2022 mit knapp 200 000 Euro an Gewerbesteuern profitierte“. Zudem sei die Gemeinde mit 0,2 Cent pro Kilowattstunden am Betrieb beteiligt, was noch einmal 80 000 Euro ausmache.

Kropp war erfreut über den ruhigen und sachlichen Informationsaustausch. „Es hat bei mir zwar viele Körner gekostet, es hat aber im Rückblick viel Spaß gemacht, dass alles so ruhig ablief.“ Es wäre nun die Hausaufgabe für die Bürger, sich zu fragen: „Was wird sein, wenn eine solche Anlage kommt? Was wird sein, wenn sie nicht kommt?“