Frankenderby HSC schafft die Sensation

Bot eine überragende Leistung im Trikot des HSC 2000 Coburg: Spielmacher Tobias Varvne (Mitte). Foto: Frank Wunderatsch

Die Coburger gewinnen das Handball-Frankenderby gegen den HC Erlangen mit 27:26 (15:18). Eine Leistungssteigerung in Hälfte zwei beschert den Sieg.

Coburg - Der HSC 2000 Coburg hat am Donnerstag für eine Sensation gesorgt. Das Team von Alois Mraz bezwang den haushohen Favoriten HC Erlangen im Frankenderby der 1. Handball-Bundesliga mit 27:26 (15:18). Schlüssel zum Prestigeerfolg war eine tolle Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit.

Der HSC begann mit Kulhanek im Tor sowie seinen Stammkräften Schröder, Varvne, Zeman, Zetterman, Billek und Grozdanic. Die Anfangsphase verlief ausgeglichen und für ein Derby fast zu ruhig. Beide Mannschaften ließen es sehr langsam angehen, spielten ihre Angriffe geduldig aus und kamen zu teils schönen Toren.

Bis zum 5:5 in der 8. Minute ging es gemütlich zu, ehe Erlangen technische Fehler des HSC nutzen konnte, um mit drei Toren in Front zu gehen (5:8/11.). Coburgs Trainer Alois Mraz wechselte den Torwart, brachte Poltrum für den glücklosen Routinier Kulhanek. Der HSC präsentierte sich in der Folge noch immer zu passiv in der Abwehr und rannte weiterhin einem Rückstand hinterher (9:12/20.). Nenadic kassierte kurz hintereinander zudem zwei unnötige Zeitstrafen.

Beim Stand vom 11:14 nahm Mraz die erste Auszeit, stellte sein Team neu ein. Neuhold erzielte mit seinem bereits dritten Treffer das 12:14, doch nutzten die konzentriert zu Werke gehenden Gäste um Spielmacher Büdel, den Ex-Coburger, anschließend technische Fehler des HSC, um fünf Minuten vor der Pause auf 16:12 davonzuziehen.

Vor allem die wurfgewaltigen Erlangener Jeppsson und Metzner zeigten sich treffsicher, allerdings war HSC-Torhüter Poltrum nicht auf Betriebstemperatur. Bei Coburg überzeugte Geburtstagskind Milos Grozdanic, der am Donnerstag 26 Jahre alt wurde, mit bis dahin fünf Toren. In die Halbzeit ging es aus HSC-Sicht mit 15:18 und der Erkenntnis, dass in allen Bereichen nach Luft nach oben war.

Doch der Start in Hälfte zwei war nicht gerade optimal. Schröder verfehlte das HC-Gehäuse und die Mittelfranken konnten vier Tore zwischen sich und die Hausherren legen, bei denen wieder Kulhanek zwischen den Pfosten stand. Die Coburger stabilisierten jetzt ihre Abwehr, hatten mehr Zugriff und bliesen zur Aufholjagd. Varvne, Billek per Gegenstoßtor und Zeman brachten den HSC auf 18:19 nach 36 Minuten heran.

HCE-Coach Michael Haaß nahm eine Auszeit und appellierte an seine Spieler, nicht zu überhastet abzuschließen. Coburg war jetzt im Spiel, Erlangen schien dagegen von der Rolle. Grozdanic erzielte den 19:19-Ausgleich. Schröder gelang der 20:19-Führungstreffer für die nun sichtlich selbstbewusster auftretenden Vestestädter. Varvne schloss einen langen Angriff zum 21:19 ab.

Erst Jeppsson konnte den 6:0-Lauf der Gastgeber und eine neunminütige Erlangener Torflaute beenden. Haaß brachte nun auch den früheren Coburger Kellner. Doch der HSC ließ nicht locker, hatte sich reingebissen ins Derby. Zudem lief Kulhanek im Tor zur Höchstform auf. Dennoch verpassten es der stark spielende Varvne und seine Kollegen, ein durchaus mögliches Tore-Polster aufzubauen.

So konnten die favorisierten Erlangen dran bleiben (23:22/47.). In dieser Phase ging es nun auch körperlich mehr zur Sache. Als Varvne an HC-Keeper Ziemer scheiterte, kam der HC durch Firnhaber zum 23:23. Ein einfacher Treffer von Billek brachte den HSC in Front. Grozdanic legte das 25:23 nach, Coburg lag achteinhalb Minuten vor Ende wieder mit zwei Toren vorn.

Die Crunchtime lief. Die Mittelfranken nutzten Fehler des HSC konsequent und zogen durch Jeppsson und Metzner zum 25:25 gleich. Die Spannung nahm zu. Von Gruchalla gelang das 25:26, als Coburg nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Zeman in Unterzahl agieren musste. „Wir schaffen das“, munterte Alois Mraz seinen Mannen in der folgenden Auszeit auf. Auf der Uhr standen noch 5:04 Minuten. Und der diesmal überragende Tobias Varvne glich zum 26:26 aus.

Nun zeigten beide Teams Nerven. Erst verwarf Metzner für den HCE und dann Schröder für den HSC. Erlangen war in Ballbesitz, zwei Minuten waren noch zu spielen. Als Metzner erneut übers das Tor zielte, vollstreckte Varvne zum 27:26. 22 Sekunden hatte Erlangen noch, um zumindest ein Unentschieden zu retten, als HC-Trainer Haaß die Auszeit nahm. Doch der letzte Angriff des Favoriten war nicht von Erfolg gekrönt, Jeppsson zielte zu hoch.

Nun brach der Jubel los: Der HSC 2000 Coburg hatte das Frankenderby gewonnen und feierte damit den ersten Heimsieg in dieser Saison überhaupt.

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (4 Paraden), Konstantin Poltrum (2) – Felix Sproß (n.e.), Dominic Kelm, Drasko Nenadic, Florian Billek 5/1), Dino Mustafic (n.e.), Pontus Zetterman (1), Tobias Varvne (7), Paul Schikora (n.e.), Felix Dettenthaler (n.e.), Stepan Zeman (3), Milos Grozdanic (7/2), Andreas Schröder (1), Christoph Neuhold (3). – Trainer: Alois Mraz.

HC Erlangen: Martin Ziemer (3), Klemen Ferlin (3) – Johannes Sellin, Petter Øverby, Steffen Fäth, Benedikt Kellner, Sebastian Firnhaber (5), Sime Ivic (2), Nico Büdel (1), Christopher Bissel (3), Jan Schäffer, Antonio Metzner (7), Nikolai Link, Florian von Gruchalla (1), Simon Jeppsson (7), Hampus Olsson. – Trainer: Michael Haaß.

SR: Stefan Schneider (Metzingen) / Colin Hartmann (Reutlingen).

Zeitstrafen: 3 (Nenadic 2, Zeman) – 4 (Firnhaber, Bissel, Ivic, Link).

Siebenmeter: 3/4 – 1/1.

Spielfilm: 0:1, 0:2, 1:2, 2:2 (3.), 3:2, 3:3 (5.), 4:4 (7.), 4:5, 5:5, 5:6 (10.), 5:8, 6:8, 6:9, 7:9 (15.), 7:10, 9:10 (18.), 9:11, Auszeit HCE, 9:12 (21.), 10:13, 11:13, 11:14 (23.), Auszeit HSC, 12:14, 12:16 (25.), 13:16, 13:17, 14:17, 14:18 (28.), 15:18, Halbzeit, 15:19 (33.), 16:19 (34.), 17:19, 18:19 (36.), Auszeit HCE, 19:19 (38.), 20:19 (39.), 21:19 (41.) 21:20, 22:20, 22:21 (43.), 23:21 (45.), 23:22, 23:23 (50.), 24:23, 25:23 (52.), 25:24, 25:25 (53.), 25:26 (55.), Auszeit HSC, 26:26, 27:26 (60.), Auszeit HCE, (Ende).

 

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