Frankenwald „Jeder Baum zählt“

Heike Schülein
Um den Wald im Landkreisnorden steht es schlecht. Foto: dpa /Daniel Vogl

Dass es um den Wald im Landkreis Kronach nicht gut bestellt ist, ist bekannt. Doch wie dramatisch ist es genau? Und wo? Ein Gutachten macht wenig Hoffnung.

Steinbach am Wald – In der Steinbacher Gemeinderatssitzung am Mittwoch haben Andreas Sommerer und Till Abt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach das Forstbetriebsgutachten vom Dezember 2020 vorgestellt. Es blickt voraus bis ins Jahr 2040.

„Die Herausforderungen sind gewaltig und werden die Waldbesitzer über viele Jahre beschäftigen“, verinnerlichte Andreas Sommerer, Abteilungsleiter für den Landkreis Kronach, dass der Frankenwald ein Problem-Schwerpunkt bleibe. Die Kahlflächen seien deutlich zu sehen, wobei im Landkreis Kronach der Norden am schlimmsten betroffen sei. 120 Hektar umfasse in der Gemeinde Steinbach am Wald die größte zusammenhängende Kahlfläche. „Nährboden für die Käferentwicklung war das Trockenjahr 2018“, verdeutlichte er. Dies belege auch die Menge an Schadholz, die 2021 aus dem Frankenwald geholt wurde: 800 000 Festmeter und damit rund 200 000 Festmeter mehr als im Vorjahr. Die Forstwissenschaftler seien sich einig, dass der Frankenwald künftig trockenheitsresistente Baumarten brauche und artenreicher werden müsse. Nur so könne der Wald in Zukunft dem Klimawandel trotzen. „Die Eigendynamik ist extrem“, bedauerte er, dass auch im Steinbacher Gemeindewald viele Altholzbestände dem Käfer zum Opfer gefallen seien.

Dokumentation

Unter den 22 neuen im Amt eingestellten Fachkräften befindet sich auch Till Abt, der derzeit Steinbachs Revierleiter Martin Körlin vertritt. Abt berichtete vom aktuellen Sachstand bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes, der 2021 gemäß der Waldzustandsaufnahme eine Waldfläche von 28,72 Hektar umfasste. Das nur alle 20 Jahre erstellte Forstbetriebsgutachten mit einer Art Inventur des Gemeindewaldes stelle ein wichtiges Steuerelement dar. Die kontinuierlich fortgeführte Dokumentation diene als Nachweisung für vorbildliche nachhaltige Forstwirtschaft und biete eine Chance der Entwicklung des Gemeindewaldes zum Vorzeigeobjekt.

„Das Fortgutachten belegt eine starke Veränderung des Gemeindewaldes in den vergangenen 20 Jahren“, so der Förster. Der gute allgemeine Zustand des Steinbacher Gemeindewalds sei dem persönlichen Engagement des bisherigen Revierleiters zu verdanken. Die Waldungen sind absolut Fichten dominiert, zeigten aber bereits erste Erfolge aus den bisherigen Umbaubemühungen. Die Tanne komme im Forstbetrieb erfreulicherweise auch in nennenswerten Bestandteilen innerhalb der Endnutzungsbestände vor. Das sich hieraus ergebende Naturverjüngungspotenzial sollte weiterhin intensiv genutzt werden.

Umbau

Um den Umbau vormals nadeldominierter Bestände fortzuführen, müssten regelmäßige Pflegen und Durchforstungen auch in den kommenden Jahrzehnten die bisherigen Bemühungen absichern. Die Einbringung von Tanne, Buche und Eiche in derzeit noch führende, teils überalterte Nadelhölzer müsse fortgesetzt werden. Durch die notwendige Pflege der vorhandenen Buchen und Edellaubhölzer könnten wertvolle und klimatolerante, zukunftsfähige Bestände für die nachfolgenden Generationen gefördert werden.

„Jeder Baum zählt“, sagte Bürgermeister Thomas Löffler (CSU), der den Wald auf einem guten Weg sah. Sein Parteikollege Markus Löffler bedauerte, dass durch den Borkenkäfer bedingte Rodungen und Fällungen das Landschafbild nachteilig verändert hätten. Sehr am Herzen lag ihm eine zeitnahe Wiederaufforstung der Kahlflächen mit klimaorientierten Baumarten. Gleichzeit erbat er einen sorgsamen Umgang mit dem noch vorhandenen Bestand. Beides sagte Andreas Sommerer zu. hs

 

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