Frankenwaldklinik Tarifstreit geht in dritte Runde

red

Die Forderungen von Gewerkschaft und Geschäftsführung liegen noch weit auseinander.

Konstruktiv, aber ohne Ergebnis: Auch die zweite Tarifrunde im Streit um höhere Löhne für Angestellte der Helios-Frankenwald brachte keine Einigung. Foto: Archiv Anja Barthen

Anfang Februar endete die zweite Verhandlung in der Tarifrunde der Helios Frankenwaldklinik 2022/23 ohne Ergebnis. Wie ver.di Oberfranken-West mitteilte, bestehen die Gewerkschaftsvertreter weiterhin auf ihre Kernforderung von elf Prozent (mindestens aber 450 Euro) Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das vorgelegte Arbeitgeberangebot bedeutet einen realen Einkommensverlust für die Beschäftigten der Frankenwaldklinik, da dies bereits jetzt von der Inflation aufgefressen wäre.

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Bei sachlichen und konstruktiven Verhandlungen kamen die Tarifparteien laut ver.di zu keinem für die Gewerkschafter annehmbaren Ergebnis. Die Inflation betrug im Jahr 2022 durchschnittlich 7,8 Prozent und ist auch im Januar dieses Jahres mit 8,7 Prozent weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Das Angebot der Arbeitgeberseite bestehe im Kern aus Festbeträgen, die im Schnitt 7,5 Prozent tabellarische Entgelterhöhung abbildeten – dies aber bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Das bedeute eine Entgelterhöhung von weniger als vier Prozent pro Jahr.

Konstruktive Atmosphäre

Auch Sophie Will, Referentin Unternehmenskommunikation und Marketing an der Helios Frankenwaldklinik, sprach in einer Pressemitteilung am Freitag von Gesprächen „in konstruktiver Atmosphäre“. Eine Einigung sei erwartungsgemäß in dieser Verhandlungsrunde noch nicht möglich gewesen. Helios habe eine Entgeltsteigerung von 300 Euro als Festbetrag auf die Tabellenentgelte auf den Tisch gelegt. Die Erhöhung bedeute zum Beispiel für die unteren Einkommensgruppen einen Zuwachs von rund 12 Prozent über eine Laufzeit von zwei Jahren. Zusätzlich biete man eine Verbesserung diverser weiterer tariflicher Leistungen an, zum Beispiel im Bereich der Bereitschaftsdienste und verschiedener Zulagen sowie in der Aufwertung diverser Qualifikationen. Auch für die Auszubildenden habe man nochmals eine Erhöhung angeboten.

Wirtschaftlichkeit im Auge behalten

„Wir wollen einerseits einen guten Abschluss für unsere Mitarbeitenden. Andererseits müssen auch wir als Klinik mit staatlich reglementierter Vergütung mit den gestiegenen Kosten in nahezu allen Bereichen umgehen“, so Will. Kostensteigerungen bei Energie, medizinischen Gütern oder Dienstleistungen könnten Kliniken nicht einfach weiterreichen. Deshalb müsste Helios die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Für den kommenden Verhandlungsverlauf werde entscheidend sein, dass beide Parteien konstruktiv und gemeinsam an einem zukunftsfähigen Gesamtangebot arbeiteten. „Unsere Gesprächsbereitschaft haben wir heute wiederholt signalisiert und erwarten von der Tarifkommission ein Entgegenkommen, um eine tragfähige Lösung für beide Seiten zu erreichen“, teilte Will mit.

Kämpferisch

Die Gewerkschaft gab sich jedoch kämpferisch: „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden es nicht zulassen, dass ihnen neben Personalmangel und ständiger Überlastung jetzt zusätzlich noch die Inflation ihren Lohn raubt“, so Frank Wagner, Betriebsrat und ver.di-Tarifkommissionsmitglied. Er stellte fest: „Wir sind bereit, zur Durchsetzung unserer Forderungen in den Konflikt zu gehen.“ „Es handelt sich um keine gewöhnliche Tarifrunde, da es bei vielen Kollegen sprichwörtlich ans Eingemachte geht“, sagte Jennifer Vetter, Auszubildende, Tarifkommissionsmitglied fest: „Ich mache mir bei den aktuellen Krisen und der gleichbleibend hohen Inflation existenzielle Sorgen.“

Die nächste Verhandlungsrunde soll am 17. März stattfinden.