Friedhof Seidmannsdorf Ein Zaun als Geburtstagsgeschenk

Helmut Mechtold und Pfarrer Michael Herzer präsentieren den neuen Zaun am Seidmannsdorfer Friedhof. Foto: /Schäfer

Rehe können eine echte Plage sein. Daher hat sich Helmut Mechthold zum 90. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gewünscht

Tagsüber verstecken sich Rehe im Wald und kommen nur selten zum Vorschein. Sie sind eher scheu und meiden Menschen. Dafür bahnen sich die Tiere in der Nacht immer häufiger ihren Weg in private Vorgärten oder öffentliche Grünanlagen. Auch Grabbepflanzungen auf städtischen Friedhöfen werden regelmäßig von den Waldtieren verwüstet. „Knabbernde Rehe sind in Coburg vielerorts ein Thema“, bestätigt Louay Yassin, Pressesprecher der Stadt Coburg. „Rehe sind sehr mobil und gehen in der Nacht einige Kilometer. Gerne kommen sie aus den Waldgebieten nahe der Stadt in die Stadt hinein, weil sie wissen, dass ihnen hier keine Gefahr droht, außer dem Autoverkehr. Dafür winken aber wunderbare Leckerbissen.“

Die Anwohner in Seidmannsdorf haben nun auf dieses Problem reagiert. „Viele Nutzer unseres Friedhofes litten in den letzten Monaten darunter, dass Rehe ihre Anpflanzungen verwüsteten“, schildert Pfarrer Michael Herzer. Um die Grabbepflanzungen vor Verwüstung zu schützen, wurde im Juni ein Zaun um das gesamte Friedhofsgelände errichtet. Ermöglicht hat die neue Schutzvorkehrung Helmut Mechtold, der anlässlich seines 90. Geburtstags zu Spenden dafür aufrief. „Ich wollte den Leuten eine Freude machen. In letzter Zeit haben sich viele über verwüstete Grabbepflanzungen beschwert. Daher habe ich gesagt, dass ich mir statt Geschenken lieber Spenden für einen Zaun wünsche“, erklärt Mechtold. Insgesamt konnten so 1000 Euro gesammelt werden. Innerhalb von wenigen Wochen wurde der über 200 Meter lange Schutzzaun um das Friedhofsgelände errichtet. Er ist 1,70 Meter hoch und wird von den Anwohnern gut aufgenommen. „Bislang haben wir sehr positive Rückmeldungen bekommen. Die Leute freuen sich über den Schutzzaun“, berichtet Pfarrer Herzer. Allerdings ermöglichen Zäune laut Louay Yassin nur bedingt Abhilfe: „Zäune an Friedhöfen geben, selbst wenn sie hoch genug gemacht werden, nur bedingte Sicherheit, da die Tore der Friedhöfe oft von Besuchern offengelassen werden.“ Und auch sonstige Warnmechanismen seien nur sehr bedingt tauglich. „Die Tiere sind schlau und gewöhnen sich schnell an Abwehrmechanismen“, so Yassin.

Das bestätigt Klaus Zetzmann vom Bayerischen Jagdverband, Kreisgruppe Coburg. Aufgrund zahlreicher Beschwerden bejagt er mit einer städtischen Sondergenehmigung die nächtlichen Besucher auf den städtischen Grünflächen. Dazu zählt auch der Friedhof am Glockenberg. „Die Leute beschweren sich, weil die Rehe frische Buketts von den Gräbern abfressen. Im Jahr werden auf dem Friedhof am Glockenberg ungefähr fünf bis sechs Rehe geschossen“, sagt Zetzmann. Allerdings kommt es eher selten zu einem Abschuss, denn Sicherheit hat für ihn oberste Priorität: „Selbst mit modernster Ausrüstung: Man muss auch in der Dunkelheit immer damit rechnen, Passanten auf öffentlichen Flächen oder Friedhöfen anzutreffen. Bei zehn Sichtungen kann neunmal nicht geschossen werden. Und Wildtiere in der Stadt wird es immer mal geben.“

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