FTE/Valeo in Ebern Kleine Chance für die Zukunft

Schon im vergangenen März kämpften die Beschäftigten bei Valeo in Ebern um ihre Arbeitsplätze. 80 weitere Stellen wollte der Konzern danach streichen, nun geht es aktuell um 50 Arbeitsplätze – und eine „Zukunftsvereinbarung“.       Foto:  

Noch immer wird bei Valeo in Ebern über den Abbau von Stellen diskutiert. Nun konnten die Arbeitnehmervertreter aber einen kleinen Sieg erringen.

Im Jahr 2016 hat der französische Großkonzern Valeo den Automobilzulieferer FTE automotive mit Sitz in Ebern übernommen – für geschätzt 819 Millionen Euro. Nach Zeiten der Unsicherheit und wechselnden Großinvestoren hatte man sich davon ruhigere Zeiten und Sicherheit gewünscht. Ein Wunsch, dem bald Ernüchterung folgte. Zu Spitzenzeiten waren bei FTE in Ebern bis zu 2800 Menschen beschäftigt, auf seiner Homepage spricht der Konzern von derzeit 1340 Beschäftigten am Standort.

Wie Arbeitnehmervertreter berichten, sind in den vergangenen fünf Jahren am Standort 450 Arbeitsplätze verloren gegangen; erst Anfang dieses Jahres waren erneut 67 Stellen abgebaut worden. Ein „Sterben auf Raten“, wie Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister befürchtet. Im Juli 2021 hatte der Konzern bekannt gegeben, dass er weitere 80 Arbeitsplätze streichen wolle. Ein Teil davon auch im Bereich Forschung und Entwicklung, auf der bislang die Hoffnung der Belegschaft lag. Das Produktportfolio des Unternehmens hängt mit der Produktion von Kupplungs- und Getriebetechnik stark am Verbrennungsmotor; ein Auslaufmodell angesichts der Transformation im Automobilbereich. Längst setzt der Mutterkonzern auf Elektromobilität und Technologie für autonomes Fahren, eine Wettbewerbsfähigkeit, die man in Ebern auch gerne hätte. Eine Perspektive forderten Betriebsrat und Gewerkschaft, „Zukunftsmusik statt Streichkonzert“ und Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, und brachten eine „Zukunftsvereinbarung“ in die Verhandlungen ein. Anstelle von millionenschweren Abfindungen solle man damit lieber in die Zukunft investieren, hieß es.

Beim Stellenabbau in den Jahren 2019/2020 sei sei durch Abfindungsgelder ein Übergang in die Rente ermöglicht worden, sagt Thomas Werner, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Vertrauensköperleiter: „Das geht nun in dieser zweiten Welle nicht mehr.“ Insbesondere angesichts der Tatsache, dass womöglich auch noch eine dritte oder vierte Welle droht, müsse man auf eine Zukunftsvereinbarung setzen. Teil eins dieser Vereinbarung sieht vor, dass ein Team von Mitarbeitern, die von den Entlassungen betroffen wären, noch Projekte vorantreiben kann, um eventuell neue Produkte für den Eberner Standort zu entwickeln. Über den heißt es auf der Homepage des Unternehmens schließlich: „Hier werden richtungsweisende Lösungen für die mobile Welt von morgen entwickelt und produziert.“ Um die Probleme der Automobilzulieferer weiß auch Thomas Werner. „In den nächsten Jahren werden noch viele Betriebe über die Wupper gehen“, fürchtet er. Aufträge, die aktuell noch für die in Ebern produzierten Teile laufen, laufen in den nächsten Jahren aus. Umso wichtiger sind Entwicklungen, die den Standort wettbewerbsfähig halten.

Nach knapp einem Jahr Verhandlung können die Arbeitnehmervertreter nun erste Erfolge vermelden. Wie es in einer Betriebsversammlung vor rund zwei Wochen hieß, sollen die Mitarbeiter mit einer Frist bis Ende 2023 versuchen dürfen, neue Projekte ans Land zu ziehen oder zu generieren. „Ob das gelingt, kann keiner sagen“, so Thomas Werner – doch wenigstens besteht eine Chance. Gleichzeitig wird ein verminderter Stellenabbau von rund 50 Arbeitsplätzen bis Ende des Jahres durchgesetzt.

Dabei hoffen die Betriebsräte auf möglichst viele Fälle über das Freiwilligenprogramm. Dabei wird zunächst versucht, mit Abfindungen und Sprinterprämien Aufhebungsverträge zu erreichen. Die Konditionen dafür sind in Betriebsvereinbarungen festgeschrieben. Dieses Verfahren hat bei der „ersten Welle“ gut funktioniert, sodass ein Sozialplan gar nicht erst zur Anwendung kommen musste. Ob es diesmal gelingt, steht allerdings in den Sternen. Die Frist läuft nun bis zum 15. Juli.

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