Kritik gibt es auch daran, dass es weniger verpflichtende Sonderfahrten geben soll. Nuthmann: "Simulatoren können unterstützen, aber sie ersetzen keine reale Autobahnfahrt bei 120 km/h, keine Dunkelheit, keine Witterungseinflüsse und keine echten Verkehrsdynamiken."
Sinken die Preise wirklich?
Es sei nicht ansatzweise belegt, dass die Preise sinken würden, sagte Boßlet. Auch Bartels hat starke Zweifel, ob die Preise durch eine Reform überhaupt sinken würden. "Wenn eine Fahrschule sich künftig einen Simulator kaufen muss, in dem ein Teil der Fahrausbildung erfolgen soll, dann muss sie dafür 30.000 bis 40.000 Euro ausgeben." Um Geld zu sparen, könnten sich Fahrschulen nicht verkleinern und in ein kleineres Büro umziehen. Schnieder sagte in der ARD, er schreibe den Fahrschulen nicht vor, was sie zu tun und zu lassen hätten - sondern schaffe Möglichkeiten, die den Führerschein günstiger machen würden.
Wirtschaftliche Folgen
"Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer verlieren ihre Arbeitsplätze oder sehen sich gezwungen, ihre bisherigen Fahrschulen zu verlassen und in andere Betriebe zu wechseln, die noch über ausreichende Auslastung verfügen", so Nuthmann vom Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt. "Viele Fahrschulen arbeiten derzeit weit unterhalb ihrer wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Fixkosten wie Fahrzeuge, Versicherungen, Personal, Energie und Mieten laufen unverändert weiter, während die Einnahmen drastisch sinken. Besonders kleinere Betriebe im ländlichen Raum verfügen oft nicht über ausreichende finanzielle Reserven, um solche Einbrüche über längere Zeit abzufedern."
Boßlet berichtete, dass er bereits von angestellten Fahrlehrern kontaktiert worden sei, denen aufgrund der Krise gekündigt werden musste.
Beim Landesverband der hessischen Fahrlehrer heißt es, aufgrund ausbleibender Anmeldungen sähen sich einige Fahrschulen gezwungen, Personal einzusparen, Arbeitszeiten zu reduzieren oder den Fuhrpark zu verkleinern. Der Verband aus Thüringen berichtete, vereinzelt gingen ältere Fahrlehrer früher in den Ruhestand, weil nicht genügend Schüler vorhanden sind.
Das Warten auf die Änderungen führe zu zusätzlichen Umsatzeinbußen und perspektivisch steigenden Preisen, so Nuthmann. Damit würde genau das Gegenteil dessen erreicht, was die Reform eigentlich verspricht: Statt Entlastung drohten höhere Kosten und weniger Ausbildungsangebote.
Kostentreiber beim Führerschein
Fahrlehrerverbände nennen als Kostentreiber auf Seite der Fahrschulen steigende Personal-, Fahrzeug- und Betriebskosten - und auf Seite der Fahrschüler eine sehr lange Ausbildungsdauer mit Unterbrechungen sowie eine gestiegene Anzahl der benötigten Fahrstunden.
Jugendliche, die sich beim Mitfahren im Auto mehr mit dem Smartphone als mit der Verkehrsumgebung beschäftigten, und die außerdem von den Eltern überall hingefahren werden, anstatt zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein, brächten heutzutage sehr wenig Vorerfahrung mit, sagte Klima. Sie benötigten deshalb deutlich mehr Fahrstunden als noch vor zehn oder 15 Jahren. Dazu komme, dass viele Terminkalender der Jugendlichen vollgestopft seien. Neben Schule, Sport, Musikunterricht und weiteren Hobbys bleibe häufig sehr wenig Zeit für den Erwerb des Führerscheins.
Die Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Christin Knochenhauer, sagte: "Am wenigsten zahlen die Fahrschüler, die motiviert und konsequent in 3 bis 6 Monaten ihre komplette Ausbildung absolvieren und am besten bereits während der theoretischen Ausbildung mit der praktischen Ausbildung beginnen."