Für neuen Brunnen Küps „vergräbt“ eine halbe Million Euro

  Foto: /Gemeinde Küps

Seit mehr als 70 Jahren sorgt der Tiefbrunnen für sauberes Wasser. Damit das so bleibt, wird dieAnlage jetzt saniert. Die meiste Arbeit findet dabei im Untergrund statt.

Küps - Seit mehr als 70 Jahren liefert der nach Ende des Zweiten Weltkrieges geschaffene Tiefbrunnen zuverlässig Trinkwasser. Um die Versorgungssicherheit auch weiter zu gewährleisten, werden in den nächsten Monaten umfassende Arbeiten am Brunnen und der Wassergewinnungsanlage vorgenommen, für die der Markt Küps jetzt die Ausschreibung auf den Weg gebracht hat. Die Arbeiten mit einem Kostenumfang von rund einer halben Million Euro werden vom Freistaat Bayern über das Wasserwirtschaftsamt Kronach bezuschusst.

Chroniken berichtet von einer ersten Wasserleitung um 1626, die jedoch früh zerstört wurde. Über Jahrhunderte standen dann „vierzehn Zieh- bzw. Pumpbrunnen und zwei mit laufendem Strahl sowie eine Anzahl geschlagene Hausbrunnen zur Verfügung“. Insgesamt jedoch blieb die Wasserversorgung unzureichend. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden daher Pläne für den Wasserleitungsbau geschmiedet.

Erste Wasserleitung kam 1925

Erst 1925 kam es zum Bau einer Wasserleitung durch die Firma Oltsch & Co. in Zweibrücken, unter Oberaufsicht des Landesamtes für Wasserversorgung München. Ein sieben Kilometer langer Leitungsweg von der Gypsmühlquelle bei Theisenort zu dem 150 Kubikmeter fassenden damaligen Hochbehälter am oberen Melanger verursachte einen Kostenaufwand von 144 000 Reichsmark. Technische Mängel an der Leitung führten dazu, dass in Trockenperioden nur die unmittelbar an der Einzugshauptleitung angeschlossenen Bewohner genügend Wasser hatten. Die höher gelegenen Ortsteile saßen zeitweise auf dem Trockenen. Der Wunsch nach einer besseren Versorgung wurde immer stärker.

Bereits 1935 war zur Verbesserung der Wasserversorgung ein Tiefbrunnenbau vorgeschlagen worden. Aber trotz vorhandener Geldmittel wurde er in der Folge nicht verwirklicht. Erst im Jahre 1948 wurde dann das Tiefbrunnenprojekt aufgegriffen, das zum Durchbruch führte. Ein Geologe legte den Bohrpunkt an der Straße nach Au fest.

Bohrung bis zu einer Tiefe von 52 Metern

Am 1. Juni 1949 begann dort schließlich eine bis auf 52 Meter Tiefe vorgetriebene Probebohrung, die erfolgreich verlief. Die später durchgeführte Hauptbohrung erbrachte dann bei einem 100-stündigen Pumpversuch eine Quellschüttung von 14 Litern pro Sekunde. Der Tiefbrunnen wurde sofort provisorisch an das bisherige Leitungssystem angeschlossen.

Die eigentlichen von der Firma Riepl (Regensburg) durchgeführten Bauarbeiten begannen am 15. April 1950 mit der Verlegung der Rohrleitung, der Errichtung eines 300-Kubikmeter-Hochbehälters auf dem Schlottenberg und der Erbauung eines Pumphauses mit Wasseraufbereitungsanlage beim Tiefbrunnen. Die nach einem Entwurf und unter Leitung des Landesamtes für Wasserversorgung in München in sechsmonatiger Bauzeit erfolgreich vollendete Anlage kostete rund 150 000 Mark. Durch die Indienststellung der neuen Anlage war die Wasserversorgung mit chemisch und bakteriologisch einwandfreiem Trinkwasser sichergestellt.

Seit dieser Zeit wird aus einer Tiefe von 14 Metern Wasser zum Hochbehälter am Schlottenberg (340 Meter über NN) gepumpt. Auch die Enteisenung und Entsäuerung des Grundwassers, die mittlerweile mit moderner Technik erfolgt, wurde damals schon durchgeführt.

Neuer Hochbehälter kam 2016

Über die Jahre hinweg hat sich der Tiefbrunnen bewährt. Der Versorgungsbereich umfasst seit Ende der 1970er-Jahre auch den Gemeindeteil Au. Die alten Quellfassungen und Speicher wurden damals geschlossen und der Ort über eine neue Zubringerleitung vom Schlottenberg aus versorgt. Das Küpser Wasserwerk selbst konnte 1989 mit einer erhöhten Förderleistung durch einen in unmittelbarer Nähe geschaffenen zweiten Tiefbrunnen und einer völlig neuen Maschinenanlage ertüchtigt werden. Das Konzept hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Anschluss von Burkersdorf vorgesehen, weil auch hier die Keimbelastung im eigenen Trinkwasser in den Sommermonaten zu hoch war. 1995 errichtete die Marktgemeinde dann einen neuen Hochbehälter oberhalb von Burkersdorf, der von Küps aus vom Zwischenpumpwerk „Langer Weg“ gespeist wird. Der Küpser Hochbehälter auf dem Schlottenberg wurde schließlich 2016 neu errichtet mit einem deutlich größeren Volumen von 1000 Kubikmetern. Über neue Versorgungsleitungen band die Marktgemeinde auch die Ortsteile Hain und Tiefenklein an, die ehemals von der Eichenbühler Gruppe mit dem kostbaren Nass versorgt wurden.

Die Brunnensanierung ist nunmehr nötig, weil sich die in der Tiefe eingesetzten Filterrohre über die Jahre zusetzten und auch brüchig wurden. Der Brunnen wurde 2013 mittels geophysikalischer Messungen sowie durch eine Kamerabefahrung untersucht. Auf eine Reinigung des Brunnens wurde aufgrund des schlechten baulichen Zustandes der Verrohrung verzichtet.

Zuschüsse dank Härtefallregelung

Nach intensiven Abstimmungen mit den Planungsbüros Piewak und Partner (Bayreuth) und SRP (Kronach) konnte nun ein umfassendes Sanierungskonzept erarbeitet werden, das vom Wasserwirtschaftsamt Kronach geprüft wurde. Vorhandene Rohre und Filterkies müssen dabei herausgeholt und ausgetauscht werden. Dazu soll die jetzige Brunnenfassung „überbohrt“ werden, um alles alte Material im Inneren herauszuholen und zu erneuern. Anschließend werde eine Edelstahlverrohrung und neuer Filterkies eingebracht. Es entsteht so praktisch ein neuer Brunnen. Als Brunnenkopf soll ein kleines Gebäude dienen. Um die Baumaßnahme durchführen zu können, müssen Zufahrt und Umfeld der Bohrung befestigt werden.

Insgesamt wird mit Gesamtkosten von 447 000 Euro für die Ertüchtigung gerechnet. Auf die Brunnensanierung entfallen davon rund 158 000 Euro. Da die Marktgemeinde durch die vielen Investitionen der letzten Jahre die Härtefallschwelle der RZWas (Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben) erreicht hat, profitieren Kommune und die Gebührenzahler von der Förderung durch den Freistaat Bayern.

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