An Trainer bis zum Ende festgehalten
So bitter der Abstieg für Trainer Blessin, die Mannschaft und die Fans war, überraschend kam er nicht. Zwar waren die Hamburger in dem Abstiegstriell mit dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Heidenheim nach Punkten gleichauf, doch die Tordifferenz und der Trend sprach gegen sie. Mit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg blieben sie zum zehnten Mal nacheinander ohne Sieg. Schon in der Hinrunde hatten die Kiezkicker eine Serie von neun Niederlagen erlebt.
Dass die Verantwortlichen des Clubs um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann an Trainer Blessin festhielten, war angesichts des sonst üblichen Aktionismus von Bundesliga-Vereinen in vergleichbaren Lagen bemerkenswert.
Blessin in der Vorsaison noch Garant für den Klassenverbleib
Blessin war es in der Vorsaison immerhin gelungen, mit bescheidenen finanziellen Mitteln den Verein nach dem Aufstieg in der Bundesliga zu halten - erstmals seit 1996. Doch in dieser Saison lief vieles nicht mehr.
Mit 29 Toren stellte der FC St. Pauli die harmloseste Offensive der Liga. Zwar hatte der Club viele schnelle Spieler für das Umschaltspiel geholt, ein Torjäger war nicht darunter. Im Transferfenster im Winter wurde nicht reagiert.
Auch war die Abwehr nicht mehr der Garant wie in der Saison 2024/2025. Damals hatten die Hamburger die zweitwenigsten Tore (41) kassiert, diesmal waren es 18 mehr. Dazu kam in der Saison noch Verletzungspech. Zahlreiche Leistungsträger wie Kapitän Irvine fehlten über mehrere Wochen.
Kiezclub vor dem Umbruch
Klar ist, der FC St. Pauli steht nach dem Abstieg vor einem Umbruch. Der Weggang von Blessin wird erwartet. Auch wenn Göttlich vor dem Spiel noch abwiegelte. "Wir haben überhaupt keinerlei andere Signale erhalten und gesendet", hatte er bei Sky gesagt. "Es werden Gespräche geführt", meinte Blessin nach dem Spiel. Aber das sei für ihn in diesem Moment kein Thema.
Auch im Kader wird es einen Aderlass geben. Kiez-Helden wie Torwart Vasilj, Abwehrchef Wahl oder der gegen Wolfsburg erkrankt fehlende Defensiv-Allrounder Eric Smith werden von anderen Clubs begehrt. Vasilj kündigte bereits an, dass das Spiel gegen den VfL nach "fünf wunderbaren Jahren" sein letztes für den FC St. Pauli gewesen sei. Kapitän Irvine will hingegen weiter vorangehen.