⚽ Fußball-EM Eine friedliche Party zum EM-Start

und Frederick Mersi
  Foto: dpa/Christian Charisius

Die Fußball-Europameisterschaft ist eröffnet. Vor dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft am Freitagabend gegen Schottland feierten in München die Fans beider Fanlager – in einer tollen Atmosphäre. In der Arena folgte ein ganz besonderer Moment.

 
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Als am Freitagnachmittag die Sonnenstrahlen am dann doch blauen Münchner Sommerhimmel auftauchten, hätte man sich leicht an das Sommermärchen des Jahres 2006 zurückerinnern können. Damals feierte Deutschland sich selbst und seine Fußball-Nationalmannschaft – bei traumhaftem Wetter über die gesamten vier Turnierwochen. Es passte damals alles.

Und so meinte es das Wetter mit den Fans am Freitag auch ganz gut, als am Abend die Europameisterschaft feierlich eröffnet wurde. Vom Wetter völlig unbeeindruckt hatten schon vor dem Freitagabend die 10  000 mitgereisten Fans der schottischen Nationalmannschaft gefeiert. Sie hatten die Münchner Innenstadt bereits in den Tagen vor dem Turnierstart in eine Fanzone verwandelt. Das deutsche Bier hatte es ihnen offenbar besonders angetan – und so war das Hofbräuhaus fest in schottischer Hand.

Die gute Stimmung, die die Gäste von der Insel mitbrachten, steckte an. Denn: Selbst in der Münchner Arena feierten beide Fanlager zusammen. Eine strikte Trennung der Fanlager wäre wohl völlig überflüssig gewesen – beide Seiten feierten lieber gemeinsam: vor und im Stadion. „Was für eine entspannte Atmosphäre“ – so lautete die Bilanz vieler Fans.

Auch die deutschen Fans waren trotz aller Zurückhaltung im Vorfeld der EM plötzlich im EM-Fieber. Das zeigten allein die Zahlen auf den Fanfesten. Wegen des großen Andrangs von Fußballfans vor dem EM-Eröffnungsspiel in München hatte die Polizei die Fanzone am Olympiastadion bereits am Nachmittag abgesperrt. „Die Fanzone ist geschlossen. Bitte fahrt aktuell nicht mehr in den Olympiapark!“, schrieben die Polizei und die Stadt München drei Stunden vor Anpfiff bei X. Die Fanzone im Olympiapark bietet etwa 30 000 Menschen Platz. „Trotz der gut gefüllten Fanzone ist die Stimmung bei den Besuchern prächtig“, teilte die Polizei wenig später mit. Am Nachmittag hatte die Polizei bereits keine Menschen mehr auf den Marienplatz gelassen. Kurzzeitig hatten dort auch keine U-Bahnen halten können.

Sangesfreudige Schotten

In der seit Wochen ausverkauften Münchner Arena betraten beide Mannschaften um 20.14 Uhr den Rasen – und es kam zu einem ersten Stimmungstest der Fanlager. Schon als Manuel Neuer kurz zuvor als erste deutscher Nationalspieler auf den Platz gegangen war, mischte sich in den eher verhaltenen Jubel der deutschen Fans eine Pfeifkonzert der Schotten.

Das sollte sich eben dann beim Warm-up der Teams beweisen: In Sachen Sangesfreudigkeit ging der Titel schon vor dem Spiel an die Schotten. Insgesamt nahmen sich beide Seiten vom Lärmpegel her nicht viel. Unentschieden – zumindest vor dem Spiel.

Kurz vor 20.30 Uhr ertönte erstmals bei der EM die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft – und dann war das Stadion fest in der Hand der DFB-Fans. Die Sympathien der deutschen Fans war klar verteilt: Bei Manuel Neuer und Toni Kroos riefen sie am lautesten die Nachnamen der Spieler. Der schottische Fanblock, der die Nordkurve in der Arena in München einnahm, feierte sein Team ebenfalls lautstark – und feierten Sir Alex Ferguson, der den Schotten als Grußbotschaft übermittelte: „Tut vor allem eins: Genießt es!“

Ein besonderer Moment

Dann war es auch soweit: Gut eine Viertelstunde vor dem Anpfiff der EM begann die Eröffnungsfeier – mit einer Choreografie auf dem Rasen und auf den Rängen. Eine Show – an deren Ende ein überdimensionaler Pokal in der Mitte des Rasens aufgeblasen wurde.

Der Moment des Abends war aber, als die drei Kapitäne der deutschen Europameister-Mannschaften den Pokal auf das Spielfeld brachten: Bernhard Dietz, Jürgen Klinsmann und Heidi Beckenbauer für ihren verstorbenen Mann Franz Beckenbauer. Der Kaiser wurde anschließend auch noch mit einem Applaus des gesamten Stadions für seine Leistungen für den deutschen Fußball geehrt. Deutsche und schottische Fans klatschten gemeinsam – und sorgten damit für einen bemerkenswerten Moment.

Dieser Respekt übertrag sich dann auch aufs Feld, als die Mannschaften für die Hymnen den Platz betraten: Zuerst ertönte die schottische Nationalhymne – ohne einen Pfiff von den deutschen Fans. Auch die Schotten lauschten nach ihrer lautstarken Performance den gut geölten Kehlen der deutschen Fans. Alle deutschen Spieler sangen unter den Augen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit und auch der deutsche Teil des Stadions. Die EM war mit dieser würdigen Feier eröffnet. Mit zwei Minuten Verspätung ertönte der Anpfiff. Vier Wochen dominiert nun König Fußball das Land.

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