Fußball-Nationalmannschaft DFB-Team fährt nach Torparty zur WM

Deutschland bucht das WM-Ticket: In Leipzig lässt das Team von Trainer Nagelsmann der Slowakei keine Chance – und zeigt etwas, was der Bundestrainer vom Team gefordert hatte.

Leroy Sané ist einer der Gewinner der beiden entscheidenden Qualifikationsspiele für die Fußball-WM im kommenden Jahr. Auf eine gute Leistung im zweiten Abschnitt am Freitag in Luxemburg ließ er am Dienstagabend gegen die Slowakei zwei Tore folgen. Foto: Robert Michael/dpa

Als Julian Nagelsmann am Freitagabend in Luxemburg den 2:0-Sieg seines Teams bewerten sollte, sprach der deutsche Bundestrainer Worte, die beinahe eine ausführlichere Diskussion zur Folge hatten als der farblose Erfolg beim höchstens zweit-, wenn nicht gar drittklassigen Gegner: Sein Team vertrage es derzeit nicht, wenn man auf es draufhaue, sagte der DFB-Coach – und stellte damit eben jene Resilienz infrage, über die neuerdings oft im Sport die Rede ist. Man muss auch mal mit Rückschlägen umgehen können – so die versteckte Forderung in Nagelsmanns Zitat.

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Nagelsmann griff damit gewissermaßen auch die Anmerkung von Joshua Kimmich auf, dass das DFB-Team nicht die Souveränität besitzen würde, die ein Spitzenteam ausmacht. Und so war das Länderspiel am Montagabend in der Leipziger Arena auch ein Test auf die deutsche Widerstandsfähigkeit: Würde die Nationalmannschaft dem Gegenwind, der gegen die Slowakei drohen würde, standhalten.

Die Antwort lautete nach dem Party-Abend in Sachsen ganz klar: Ja, sie kann es. Das Nationalteam siegte letztlich hochverdient mit 6:0 (4:0) – und buchte damit das Ticket für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in den USA, Kanada und Mexiko. Souverän – genauso, wie es Jonathan Tah vor dem Spiel erhofft hatte.

Hingegen müssen die Slowaken den Umweg über die Playoffs gehen, die im Falle einer Niederlage auch der deutschen Mannschaft gedroht hätten.

Woltemade trifft – mal wieder

Aber die gute Nachricht bei der Beantwortung der Frage nach der deutschen Widerstandskraft gab es bereits vor Spielbeginn, als Kapitän Kimmich sich wieder fit meldete – und von Beginn an spielen konnte. Damit waren gleich zwei Fliegen mit einer Klappen geschlagen: Die rechte Seite im deutschen Spiel war – so sollte sich im Spiel einmal mehr beweisen – wieder auf höchstem Niveau besetzt, zudem verkörpert Kimmich wie kein anderer deutscher Spieler diese Resilienz. Den Münchner haut so schnell nichts mehr um.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der Kapitän auch die Tür zur WM im letzten Gruppenspiel öffnete, nachdem sich seine Mitspieler zuvor gegen sehr tiefstehende Gäste noch schwer taten. Erst ein eher harmloser Eckball brachte das deutsche Team in Führung: Den Abpraller legte Leroy Sané für Kimmich auf, der mehr Präzision in seine Flanke gab als alle bisherigen davor. Wer anderes als Nick Woltemade war zur Stelle – und köpfte aus fünf Meter unbedrängt zur deutschen Führung ein (18.).

Deutschland findet die Lücken

Der Führungstreffer wirkte befreiend, denn obwohl das DFB-Team schon in der Phase zuvor das Geschehen dominierte, war eine gewisse Unsicherheit unverkennbar – auf dem Rasen und auf den Rängen. Diese wich dann aber mit jeder Minute in die Gewissheit, dass an diesem Abend schon die Flugtickets zur WM rausgesucht werden können. Denn schon der deutsche Führungstreffer offenbarte, dass die Slowaken mit ihrem defensiven Auftreten das falsche Rezept an diesem Abend gewählt hatte- oder ihr Plan damit über den Haufen geworfen war: War ein schnelles Umschaltspiel noch im Hinspiel (2:0) das Rezept zum Überraschungserfolg, reichte diesmal dem deutschen Team eine solider Auftritt mit spielerischen Glanzpunkten, um den klaren Sieg herauszuschießen.

Deutschland fährt zum WM. Foto: Jan Woitas/dpa

Die deutsche Führung hatte zur Folge, dass die Slowakei offensiver spielen mussten – verloren damit aber komplett die defensive Ordnung. Zwar hätten vier Abschlüsse innerhalb weniger Sekunden nochmals dem Spiel eine andere Richtung geben können, als die deutsche Defensive das einzige Mal im ersten Abschnitt nicht konsequent genug agierte, aber ansonsten war von den Gästen kaum etwas zu sehen. Sie wirkten von der Dominanz des deutschen Teams überwältigt.

Und so hatten das deutsche Team nun ein leichtes Spiel, mit ihrer individuellen Klasse die Gäste schon zur Pause abzuschießen. Serge Gnabry nutzte bei einem Steckpass von Leon Goretzka die Lücke im slowakischen Zentrum (29.), Leroy Sané lief den Slowaken bei einem fein getimten Steilpass von Florian Wirtz davon und machte damit eigentlich schon alles klar (36.).

Das Sahnehäubchen setzte sich die DFB-Elf fünf Minuten später auf: Wieder war Wirtz der Ausgangspunkt. Eine Balleroberung von Woltemade beförderte Wirtz in Richtung langes Eck. Sané war zur Stelle – und schlenzte den Ball mit dem Außenrist über die Linie auf 4:0 (41.). Drei Tore durch das slowakische Zentrum – und mitten ins Herz der deutschen Fans.

Schon im ersten Abschnitt schwappte die Laola durch das Stadion in Leipzig. „Oh, wie ist das schön“ sangen die deutschen Fans unter den 40.120 Zuschauern – etwas, das es schon einige Zeit nicht mehr bei Länderspielen gegeben hatte.

Fast schon ein Auslaufen zum Sieg

Die Aufgabe für das deutsche Team im zweiten Abschnitt war, die Partie seriös zu Ende zu bringen. Und für einige Spieler war es schon der Beginn des Bewerbungsprozesses: Denn bis zum WM-Start am 11. Juni 2026 bleibt nicht viel – und vor allem nicht viele Länderspiele, bis der WM-Kader feststeht.

Auffällig war neben Sané, dem Gewinner der beiden Länderspiele im November, der wohl auch davon profitiert, dass mit Kimmich ein Weltklasse-Außenverteidiger hinter ihm spielt, aber keiner der eingewechselten deutschen Spieler.

Ridle Baku trifft nach Einwechslung

Was vom ersten Abschnitt blieb, war vor allem die Dominanz der Gastgeber, aber bei weitem nicht mehr das Tempo und die genialen Momente der ersten Hälfte. Die Slowaken kehrte zu einer gewissen Ordnung zurück, betrieben Schadensbegrenzung. Der Raum, der sich dem deutschen Team noch vor der Pause bot, fehlte nun, sodass sich das Spektakel nach der Pause nicht fortsetzen konnte.

Das deutsche Team schnürte die Gäste zwar in deren Hälfte ein, fand aber nur noch selten den Weg zu Abschlüssen: Als die deutsche Elf es mal schnell machte, Woltemade sich gleich gegen zwei Slowaken durchsetzte und auf Gnabry ablegte, kam anschließend Ridle Baku frei zum Abschluss – 5:0 (67.).

Assan Ouédraogo (Mitte) bejubelt sein Länderspiel-Debüt mit Tor. Foto: Jan Woitas/dpa

Die schönste Randgeschichte des Abends schrieb Assan Ouedraogo: Der Leipziger machte zwei Minuten nach seiner Einwechslung das halbe Dutzend voll. Und das in seinem Länderspiel-Debüt. Es passte also alles an diesem Abend.

Rest war fast schon ein Auslaufen, der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können. Dennoch hatte die deutsche Elf den Resilienz-Test bestanden. Die nächsten Prüfungen warten deshalb nicht schon im März, sondern erst im Juni 2026.