Klopp hat sich mit seinen Beratern für den Neuanfang positioniert. Es geht - auch als Signal - wohl nicht nur um einen Vertrag bis zur EM 2028, sondern gleich bis zur WM 2030. Es geht um Posten und um Macht. Wen will er über seine bewährten Co-Trainer aus Vereinszeiten, Peter Krawietz und Pepijn Lijnders, mitbringen? Wie viel Einfluss beansprucht er?
Es geht auch um Völlers Zukunft
Passt Rudi Völler als DFB-Sportdirektor noch ins Konzept? Der 66-Jährige, so ist zu hören, will im direkten Gespräch mit Klopp ausloten, ob es eine Basis gibt. Ansonsten würde der Pragmatiker Völler Konsequenzen ziehen.
"Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen", sagte Klopp. Er will sich nicht in einen Messias-Status pushen lassen. Er sprach "das Kopfkino" an, das bei Fans, Medien und auch im Verband einsetzen könnte.
Kloppo kommt - und die DFB-Elf spielt automatisch wieder um Titel mit. Nein, entgegnet Klopp energisch: "Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern."
Wie sähe ein Klopp-Kosmos aus? Er sprach von "absoluter Leidenschaft". Das würde für alle, angefangen bei den Spielern um Kapitän Joshua Kimmich, das Leitbild einer vom Menschenfänger Klopp angeführten Neuausrichtung sein.
Dass er zwei Jahre nach seinem Abschied vom FC Liverpool die WM-Spiele in Amerika teilweise live im Stadion miterlebt, hat in ihm aber auch neue Lust auf die Rückkehr an die Seitenlinie entfacht. "Es ist wie eine Fortbildung. Also wie auch immer es für mich weitergeht, blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein. Ich werde einiges dazugelernt haben. Und das ist natürlich auch notwendig", sagte Klopp.
Dass er - noch! - einen persönlichen Werbevertrag mit Nike-Konkurrent Adidas hat, wird DFB-intern nicht als Problem gesehen. Die 2020 langfristig vereinbarte Zusammenarbeit soll Ende des Jahres auslaufen.
Mertesacker hebt den Finger für einen DFB-Job
Hinter der großen Personalie Klopp rücken allen anderen Köpfe gerade in den Hintergrund. Bezeichnend war, dass Per Mertesacker (41), Spieler im letzten deutschen Weltmeister-Team von 2014 und über viele Jahre Leiter der Nachwuchsakademie beim FC Arsenal, gerade jetzt sein Interesse bekundet, womöglich Teil des Neubeginns zu sein.
"Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist - dafür stehe ich natürlich zur Verfügung", sagte Mertesacker als TV-Experte für das ZDF. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig verlässt den DFB zum Jahresende. Und Sondierungsgespräche mit Mertesacker gab es dem Vernehmen nach schon - freilich vor der Nagelsmann-Klopp-Wende.