Er entschied auf Selbstanklage. "Wenn man die vier Spiele übereinanderlegt, haben wir gegen keinen Top-Gegner gespielt. Wir hatten dreimal Probleme gegen keine Weltklasse-Teams, das ist Fakt." Auch er hat kein gutes Turnier gespielt. Aber er hat sich wieder in den Dienst der Mannschaft gestellt, die vom Bundestrainer zugewiesene Rolle als Rechtsverteidiger angenommen. Obwohl sich im letzten WM-Spiel nach Julian Nagelsmanns Umstellung in der Endphase zeigte, wo der Kapitän von Anfang hingehört hätte: ins zentrale Mittelfeld.
Neuers Fazit: Ich habe alles gegeben
Auch für Manuel Neuer war es die dritte Frust-WM nacheinander. Aber der 40-Jährige, dessen viel diskutiertes DFB-Comeback nach zwei Jahren abrupt endete, als er gerade drauf und dran schien, womöglich doch noch ein Erfolgs-Faktor werden zu können, hat im Gegensatz zu Kimmich auch zwei tolle WM-Turniere erlebt. Kimmich ist ein Unvollendeter, Neuer aber ist 2014 Weltmeister geworden. "Ich habe alles gegeben", resümierte der ewige Neuer.
Als er Elfmeter Nummer zehn von Fabian Balbuena parieren konnte, blitzte für einen Moment die "Aura" auf, die ihm immer wieder zugeschrieben worden war und auf die alle so lange warten mussten. Kurz darauf war es vorbei. Nach 128 Länderspielen war's das jetzt dann wohl endgültig für den WM-Rekordtorhüter.
"Enttäuschend ist das richtige Wort", sagte Neuer zu seiner Gemütslage. "Jeder ist traurig. Jeder muss mit der Situation klarkommen." Auch er.
Auch sein Fazit fiel eindeutig aus. "Wir hatten nicht den Punch. Du musst so eine Mannschaft schlagen. Das ist Fakt, wenn du dich messen willst mit Mannschaften wie Frankreich", sagte Neuer. Das war sein Ziel, dieses doch programmierte Achtelfinale. "Es ist extrem bitter, so aufzuhören." Das galt für den früheren Kapitän Neuer - aber auch für den aktuellen Kapitän Kimmich.