Gefängnis wird zum Biergarten Herzog, Bier & Wein

Dort, wo einst die Gefangenen darben mussten, fühlen sich nun die Besucher gut verköstigt. Das einstige Gefängnis in Ebern hat sich zu einem schmucken, gemütlichen Biergarten gemausert.

Ebern - Bernd Ziegler ist gelernter Hotelfachmann. Seit mehr als einem halben Jahr renoviert er das Schlimmbachhaus in Ebern, baut es um zu einem Hotel. Als sich die Gelegenheit bot, das ehemalige Gefängnis in der Rittergasse zu pachten und den lang verwaisten Biergarten mit neuem Leben zu erfüllen, griff er zu. Am Freitag der vergangenen Woche traf endlich die lang erwartete Betriebserlaubnis ein, bereits am Samstag kamen die ersten Gäste.

Ein schlichter klassizistischer Bau aus dem Jahre 1811. Das einzige öffentliche Gebäude, das in Ebern errichtet wurde, als die Stadt zum Großherzogtum Würzburg gehörte, unter der Regentschaft des Großherzogs Ferdinand von Toskana. Sein Wappen ziert noch heute das Portal des Gebäudes, sein Adelstitel wurde in verkürzter Form Namensgeber des nach jahrelangem juristisch bedingtem Dornröschenschlaf endlich wieder eröffneten Biergartens im ehemaligen Gefängnishof.

Pünktlich zum Kirchweihwochenende, deutlich später als geplant, konnte der Biergartenbetrieb neu aufgenommen werden. Petrus hatte ein Einsehen und schickte einige zumindest regenfreie Gutwettertage, der Andrang war stellenweise so groß, dass die Biergläser nicht ausreichten.

Für die nur noch kurze Saison Personal zu finden und einzustellen erwies sich als unmöglich. Im Moment ist das Ganze ein „Familienbiergarten“, so Bernd Ziegler, „mit Unterstützung von vielen Freunden und Bekannten.“ Trotzdem ist einiges geboten, das Motto ist nicht die coronagerechte Formel 3G, sondern 3A, und das steht für „anders als Andere“.

Das fängt schon mit dem Logo des Betriebs an. Ein Kreis mit fünf Strichen, in seiner Einfachheit eher ein Antilogo, aber mit vielerlei Bedeutung: die Gitter des Gefängnisses, die Silhouette des Diebsturms, ein stilisiertes H wie in „Herzog“, die Buchführung eines feucht-fröhlichen Aufenthaltes und vielleicht noch anderes mehr.

Das Angebot an Speisen und Getränken ist anspruchsvoller und vielseitiger geworden. Verschiedene Biere und Weine und weitere Getränke, Wurstspezialitäten von Metzgern aus der Region, Biohähnchen vom Geflügelhof, frisch gegrillt, Belgische Waffeln mit diversen Füllungen - für jeden Geschmack ist etwas dabei. „Wegen der Waffeln sind schon Schüler der umliegenden Lehranstalten zu Stammkunden geworden“, schmunzelt der Wirt.

Bernd Ziegler hat viele Ideen und Pläne. Er möchte nach Möglichkeit die Saison bis in die Weihnachtszeit ausdehnen, „mit heißer Suppe, Glühwein und Feuerzangenbowle“. Eine Eisstockbahn von zwölf Metern Länge wird Gelegenheit für körperliche Betätigung geben, es entsteht eine „Eventlocation“, wie sie es so in Ebern noch nicht gegeben hat. „Wir schauen, dass wir die Leute glücklich machen“ gibt der 49-jährige Neuwirt die Richtung vor. Der Anfang ist gemacht und irgendwann wird dann auch noch das momentan leer stehende Gebäude soweit umgebaut und eingerichtet sein, dass der Gastbetrieb auch bei schlechtem Wetter weiterlaufen kann.

 

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