Gelagertes Holz in den Wäldern Kriminelle haben das Nachsehen

Wolfgang Aull
Holzernte in Zeiten des Klimawandels. Der Totholzanteil ist in den vergangenen drei Jahren von 15 auf über 90 Prozent gestiegen. Vieles wird, wegen des Käferbefalls, schnell abtransportiert. Schlechte Bedingungen für Diebe. Foto: Wolfgang Aull

Gasmangel und steigende Preise haben gegen Ende des vergangenen Jahres dafür gesorgt, dass Diebe in ganz Deutschland auf „Holz-Beutezug“ in den Wäldern gingen. Im Landkreis Haßberge kamen zwar auch vereinzelte Diebstähle vor – ein größeres Problem sehen allerdings weder Forstleute noch Polizei. Ein Grund könnte auch der Käfer sein.

„Millionenschäden durch Holzdiebstahl“ – diese Überschrift in der Tagesschau Ende des vergangenen Jahres ließ Waldbesitzer aufhorchen: „Die Angst vor einem Gasmangel im Winter“, berichtete die ARD, „und drastisch steigende Holzpreise sorgen offenbar für immer mehr Diebstähle von Holz in deutschen Wäldern.“ Auch im Landkreis Hassberge? Eine Polizeimeldung der Polizei Hassfurt, bereits aus dem März des vergangenen Jahres, ging in diese Richtung: 40 Festmeter Langholz aus dem Staatsforst von Zeil verschwunden. Hier müssten Profis am Werk gewesen sein, hieß es, die mit größeren Fahrzeugen in kurzer Zeit zuschlagen konnten. Und im August wurde der Diebstahl von sieben Holzstämmen aus einem Waldstück bei Hofheim zur Anzeige gebracht. Wie ist die Einschätzung der Fachleute? Wir haben nachgefragt.

Forstmeister Hans Stark leitet das Forstamt in Sailershausen. Er beobachtet, dass der Holzabtransport sehr diszipliniert und wohl organisiert abläuft: „Der professionelle Holzhandel setzt auf den Einsatz von GPS-Geräten, die jede Bewegung der Stämme melden und Information über den aktuellen Standort geben.“ Ihr Abschreckungseffekt sei durchschlagend, so Stark. Was den Verkauf von Brennholz an den privaten Endkunden betrifft, so habe er in den letzten Monaten auch noch keine Unauffälligkeit bemerkt. Er bediene ausschließlich Stammkundschaft, für diese laufe der Holzhandel in bewährten Bahnen. Wer meint, er müsse seinen Kofferraum mit Schnittholz füllen, dem sei geraten, zuvor um Erlaubnis zu bitten, die Kosten hierfür seien durchaus überschaubar, wie Stark betont.

Am günstigsten kommt an sein Holz, wer selbst zur Säge greift. Doch er muss über die entsprechende Ausbildung verfügen, was Stark auch kontrolliert, wie er sagt. In ausgewiesenen Gebieten dürfe der Käufer tätig werden, zum eigenen Wohl und, wie er betont, zum Nutzen des Waldes in Zeiten von Klimawandel und Käferplagen. Erfahrungsgemäß nähmen diese Kunden ihre Ware auch gleich mit nach Hause, sodass auch bei dieser Handelsart kein „interessierter Dritter“ in Versuchung gebracht werde.

Die Nachfrage nach Brennholz sei allerdings tatsächlich so groß, wie lange nicht mehr. Sie käme zwar nicht „an die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg heran, als kein Zweiglein auf dem Waldboden verharren durfte“, doch neben dem stets nachgefragten Hartholz wie Buche und Eiche sei auch das Interesse an Weichholz, in erster Linie Fichte und Kiefer, kräftig gestiegen.

Ihm sei daran gelegen, so Stark, den Wald behutsam in eine wohlgeordnete Zukunft zu führen. Kiefer und Fichte spielten keine Rolle mehr, Elsbeere und Ahorn würden in ihrem Wachstum und Gedeihen gefördert. Eine Holzernte sei möglich, doch auch das Verbleiben von Totholz im Wald unabdingbar. „Es kommt zu Zielkonflikten, doch mit Augenmaß, Verständnis und Weitsicht kann man einen guten Weg finden“, erläutert der Forstmeister.

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Förster Christian Bartsch ist Betriebsleiter in den Städten Eltmann und Königsberg und weiterhin Revierleiter in Eltmann. Er begründet, warum der Klimawandel Langfingern das Leben erschwert: „5600 Kubikmeter Holz schlagen wir jährlich. Üblicherweise lag der Totholzanteil bei circa 15 Prozent, in den vergangenen drei Jahren ist er auf über 90 Prozent gestiegen. Dieser ist oftmals klimabedingt mit Käfern befallen, muss daher nach der Fällung den Wald umgehend verlassen.“ Das habe er mit seinen Kunden besprochen. „Und was nicht daliegt, wird auch nicht gestohlen.“

Er nennt einen weiteren Faktor, der den Diebstahl erschwert: „Früher wurde die Holzernte in den Wintermonaten vollzogen, bei Frost, und möglichst großflächig.“ Jedoch in der heutigen Zeit erfolge die Fällung ganzjährig. Woher sollte der Interessierte wissen, wo gerade Brennholz gemacht wurde und zum Abtransport bereitliegt?

Bartsch beugt jedoch auch vor: „Jeder Stamm wird an seinen Schnittstellen besprüht, jedes Los nummeriert.“ Das potenzielle Diebesgut leuchte weithin, ließe sich daher leicht erkennen, die abschreckende Wirkung sei beachtlich. Und die Nummerierung zeige ebenfalls Wirkung. Er habe erst kürzlich einen Transporteur gestellt, der den Wald mit einer vollen Holzladung verlassen wollte. Doch dieser, wurde ihm glaubhaft versichert, „hatte sich nur in der Nummerierung vertan“, ein Zahlendreher sei ihm zum Verhängnis geworden. Bartsch beließ es dabei.„Brennholzdiebstahl ist kein wirkliches Thema“, resümiert der Förster.

Anders sähe es aus im Profibereich, und er thematisiert sein Holzlager im Industriegebiet von Eltmann: Weit genug vom Wald entfernt, um die Käferausbreitung zu vereiteln, doch mit schweren Fahrzeugen leicht zu erreichen. Dort wurden ihm im vergangenen Sommer 80 Kubikmeter Stammholz entwendet, eine erfolgreiche Recherche hält er für aussichtslos, wie Bartsch berichtet.

Die Dienststelle der Bayerischen Staatsforsten in Ebrach war zum Zeitpunkt der Umfrage nicht erreichbar, doch ihre Leiterin Barbara Ernwein hatte bereits im Frühjahr 2022 erklärt, dass „Holzklau“ in ihren Revieren „erfahrungsgemäß kein größeres Problem“ sei.

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Was die Polizei in Ebern und Hassfurt auch in Bezug auf die letzten Monate bestätigen: Während in der Dienststelle Ebern in den vergangenen zwei Jahren keine einzige einschlägige Anzeige einging, bewegen sie sich bei dem Haßfurter Kollegium im normalen Bereich – drei bis vier Anzeigen jährlich, berichtet ihr erster Polizeihauptkommissar Kurt Etzel und erklärt, dass es sich zumeist um Holz handele, das über längere Zeit zur Abholung am Straßenrand bereitliegt. Doch dass die Diebstahl-Fälle in den letzten Monaten zugenommen hätten, wie es im Sommer 2022 befürchtet worden war, hätte sich im weiteren Verlauf des vergangenen Jahres in dieser Form nicht bestätigt.

 

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