Gemeinderat Lautertal setzt auf erneuerbare Energie

Andreas Herzog

In Unterlauter soll eine neue Photovoltaikanlage entstehen. An dem Projekt sollten sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen können.

In Unterlauter soll eine Photovoltaikanlage entstehen, an der sich Lautertaler Bürger beteiligen können. Foto: picture alliance/dpa/Patrick Pleul

Energie ist ein großes Thema dieser Zeit. Es stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von Lautertal. Den Schwerpunkt bildete der „Bürger-Solarpark Lautertal“, der an der Autobahn A 73 in Unterlauter geplant ist.

Nach der Werbung weiterlesen

Hier soll auf einer rund 5,5 Hektar großen Fläche eine Photovoltaikanlage mit einer Jahresleistung von sechs Millionen Kilowattstunden und einem Investitionsvolumen von circa vier Millionen Euro entstehen. „Es ist unser bisher größtes Projekt im Landkreis, und wir wollen eine hundertprozentige Bürgerbeteiligung ermöglichen“, betonte Christian Gunsenheimer, Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergie-Genossenschaft Coburger Land, bei der Vorstellung des Solarparks. Er soll im Juni 2023 in Betrieb gehen. Das sei nur machbar, weil die Kondensatoren bereits vor längerer Zeit geordert wurden. Bei der Planung des Netzanschlusses, der über das Umspannwerk Neuses erfolgen könnte, habe es eine sehr gute Vorarbeit mit den Städtischen Werken Coburg (SÜC) gegeben. „Wir verdrängen durch die Leistung dieser Anlage eine große Menge teuren Stroms aus dem Netz und erreichen eine CO2-Einsparung von 2000 Tonnen pro Jahr“, sagte Gunsenheimer. „Dabei wollen wir jeden Lautertaler Bürger beteiligen, der es möchte“, machte er deutlich.

Das Finanzierungskonzept beruht auf drei Säulen: Genossenschaftsanteile in Höhe von je 500 Euro bis zu einer Maximalsumme von 5000 Euro, projektbezogene Genossenschaftsdarlehensbeteiligung mit einem Mindestbetrag von 50 000 Euro, wobei der Darlehensgeber mindestens einen Genossenschaftsanteil erwerben muss, und Bankdarlehen über 20 Jahre Laufzeit, bevorzugt mit regionalen Finanzinstituten.

Erstzugriffsrecht für Lautertaler

Wichtig seien der Genossenschaft die Vergabeprioritäten: An erster Stelle stünden Lautertaler Bürgerinnen und Bürger, dahinter rangierten Altgenossenschaftsmitglieder und Bürgerinnen und Bürger der Region, erläuterte Gunsenheimer. Dazu soll es im Oktober eine Bürgerinformation geben. Fragen werden bereits jetzt vom Büro der Bürgerenergie-Genossenschaft beim Landratsamt, Telefon 09561/514 9144, beantwortet. Auf Nachfrage von Norbert Seitz teilte Christian Gunsenheimer mit, dass die Gemeinde vom Gewerbesteueranteil profitiere und auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 0,2 Cent pro Kilowattstunde erhalte, also 12 000 Euro jährlich über einen Zeitraum von 20 Jahren. Gemeindegeschäftsführer Cedric Lindner ergänzte, dass die Unterlagen zeitnah ausgelegt werden und über die Bauleitplanung schon in der Novembersitzung entschieden werden könnte.

Die Gemeinde wird auch zukünftig großes Augenmerk auf die Energieeinsparung und auf sich daraus ergebende Folgemaßnahmen für die kommunalen Einrichtungen legen. Dazu lagen ein Antrag der CSU sowie Vorschläge aus den anderen Fraktionen vor. Kurzfristig sollen die Abschaltzeiten der Straßenbeleuchtung deutlich verlängert werden: Montag bis Samstag von 23 bis 4.30 Uhr und in der Nacht von Samstag auf Sonntag von 23 bis 7 Uhr. Bei der Änderung müssten 24 Schaltstellen umprogrammiert werden. Zug um Zug soll die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik umgestellt werden. Von den 771 Straßenlaternen sind noch 634 konventionell ausgestattet, bei einem Drittel davon sei eine Umrüstung nur mit deutlich höherem Aufwand und Kosten verbunden. Das sei auch technisch nicht immer so ohne Weiteres machbar, erklärte Bauamtsleiter Peter Welz, werde aber geprüft.

Übereinstimmung besteht darin, alle gemeindlichen Gebäude auf technisch mögliche und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung von Photovoltaikanlagen zu untersuchen. Den höchsten Energiebedarf hat die Mittelschule Am Lauterberg mit Kosten von bisher rund 100 000 Euro. Hier soll geprüft werden, inwieweit dort die Installation einer Hackschnitzelanlage unter Einbeziehung der benachbarten Kindertagesstätte sinnvoll erscheint. Der finanzielle Aufwand für die Wirtschaftlichkeitsberechnung liegt bei etwa 20 000 Euro. Darüber soll in der Beratung des Haushaltes 2023 entschieden werden.

Tiny-Häuser in Tremersdorf?

Nachhaltigkeit steht auch im Fokus des Vorhabens zur Errichtung einer Tiny-House-Siedlung in Tremersdorf auf dem Grundstück Weihers 5. Architektin Eva Otte und Architekt Marcel Ebert stellten den Entwurf vor. Otte fungiert nicht als Bauträger, sondern als Ideengeber und Koordinator des Vorhabens mit zehn bis zwölf Häusern. Die Umsetzung soll in Kooperation mit Eichhorn + Partner Architekten, der Firma Tiny Allgäu, Diplom-Designer Markus Rink sowie Gerd Wunner, Finanzierungsexperte und Sachverständiger für Immobilienbewertung aus Coburg, erfolgen. Wie Marcel Ebert verdeutlichte, sollen die Häuser eine Modulgröße von 40 bis 60 Quadratmeter haben. Bürgermeister Karl Kolb sprach von einem interessanten Projekt für Lautertal. Nächster Schritt sei die Einreichung der Unterlagen für die Vorbereitung der Flächennutzungsplanänderung und die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Als Nachfolger von Bernd Wicklein im Amt des Beauftragten für Integration in Lautertal wurde Gemeinderat Martin Flohrschütz bestellt. Bürgermeister Karl Kolb bedankte sich bei Wicklein für sein langjähriges Engagement als wichtiger Verbindungsmann zwischen Flüchtlingen und der Gemeindeverwaltung Lautertal.

Landratsamt muss entscheiden

Mit zwei gegen elf Stimmen abgelehnt wurde der Antrag zur Errichtung einer Halle zur Lagerung von Land- und Forstwirtschaftsgütern in der Gemarkung Neukirchen. Die weitere Entscheidung liegt nun bei der Baubehörde des Landratsamtes. Der Beschluss des Lautertaler Gemeinderats enthält zugleich die Empfehlung, im weiteren Verfahren besonderes Augenmerk auf den Nachbarschaftsschutz zu legen.