Gemeinsamer Appell Zum Vogelschutz: Bitte Hunde an die Leine!

Untere Naturschutzbehörde, Vogelschützer und der Bauernverband appellieren gemeinsam an Hundebesitzer, Hunde nicht frei über geschützte Wiesenfläche laufen zu lassen. Für andere Tierarten kann dies nämlich lebensgefährlich sein.

Hier sind wertvolle Lebensräume: Frank Reißenweber und Christian Fischer (links) mit den Infotafeln, die an vielen geschützten Flächen im Coburger Land stehen. Foto: LRA /Berthold Köhler

Christian Fischer kennt die Ausreden. Er hört sie immer wieder. „Mein Hund macht so was nicht.“ Oder: „Normalerweise habe ich ihn immer an Leine. Nur gerade mal nicht.“ Und so weiter. Dabei könne die vermeintliche Lappalie, dass ein Hund frei über eine geschützte Wiesenfläche saust, dramatische Folgen für seltene Wiesenbrüter wie Braunkehlchen, Bekassine oder Kiebitz haben, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt in Coburg. Denn würden die Vögel in der jetzt beginnenden Brutzeit aufgeschreckt, geben sie im schlimmsten Fall ihr Nest auf. Ohne Schutz sind Eier oder später Jungvögel bei einer Störung auf jeden Fall.

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Treffpunkt: Meederer Rieth. Dort, in den feuchten Wiesen unweit von Wiesenfeld, leben zum Beispiel Braunkehlchen. Zwei bis drei Brutpaare werden es sein. Eines weiß Frank Reißenweber von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Coburg sicher: „Hier befindet sich eines der letzten Braunkehlchen-Vorkommen im Coburger Land.“ 15 Brutpaare wird es vielleicht noch insgesamt geben, vor 40 oder 50 Jahren werden es zwanzig Mal so viel gewesen sein. Deshalb steht das Braunkehlchen auf der Roten Liste der stark gefährdeten Tierarten. „Wenn es da keine Bruterfolge mehr gibt, dann wäre das ein sehr drastischer Verlust“, sagt Christian Fischer, der als Gebietsbetreuer der Coburger Kreisgruppe im Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) die Bestände der Wiesenbrüter in der Region seit Jahren verfolgt.

Bald beginnt die sensibelste Zeit. Weil Braunkehlchen den Winter weit weg südlich der Sahara verbringen, kehren sie erst zwischen April und Mitte Mai in ihre Brutgebiete zurück. Dort fühlen sie sich auf Flächen wie dem Meederer Rieth wohl, weil diese ganz spät, am besten erst Ende Juli, gemäht werden und Jungvögel deshalb ungestört aufwachsen können. Im Meederer Rieth, einem ausgewiesenen Vogelschutzgebiet, ist das möglich, weil dort Ausgleichsflächen für die A 73 besonders naturnah bewirtschaftet werden. Wege durchs Rieth gibt es dennoch, auch Schilder mit Hinweisen auf seltene Vogelarten und das richtige Verhalten. Ganz wichtig dabei: Bitte auf den Wegen bleiben! „Wenn das alle machen würden, wäre schon viel geschafft“, heißt es aus der Behörde.

Schließlich gebe es ohnehin schon genug Risikofaktoren für Wiesenbrüter. „Es gibt 1000 Gründe, warum ein Gelege kaputt gehen kann“, sagt Christian Fischer und nennt Fuchs, Marder oder schlechte Witterung. Da müsse doch der Mensch mit seiner Gedankenlosigkeit nicht auch noch Teil des Problems werden. Ohne einen Anspruch auf eine repräsentative Einschätzung erheben zu wollen, glaubt Christian Fischer: Nur jeder zweite Hund sei an der Leine, jeder mehr wäre ein guter Dienst an der Natur. Es sei ja nicht so, als würde der Schutz von Wiesenbrüter-Flächen jeglichen Auslauf verhindern, ergänzt Frank Reißenweber. Ausgewiesene Naturschutzgebiete mit Wege- und Leinengebot machen gerade mal zwei Prozent des Landkreisgebiets aus. „Da gibt es also genug geeignetere Flächen“, sagt der Diplom-Biologe.

Die Vogel- und Naturschützer sind nicht alleine mit ihrem Wunsch, dass Hundebesitzer mit Tieren grundsätzlich Grünlandflächen meiden sollen. Auch der Bayerische Bauernverband (BBV) hat bereits mehrfach ähnliche Aufrufe veröffentlicht. Gerade im Itzgrund, wo Landwirtschaft auf und neben geschützten Flächen stattfindet, ist Hundekot im Grünfutter zum echten Problem für Landwirte geworden. Gabriel Lieb, Geschäftsführer im BBV-Kreisverband Coburg, weiß von Todesfällen bei Kühen, die nachweislich auf Hundekot im Futter zurückzuführen waren. Deshalb ist sich Lieb mit dem LBV einig: „Wer auf den Wegen bleibt und seinen Hund an der Leine führt, zeigt richtiges Verantwortungsbewusstsein.“

Im Coburger Land gibt es Wiesenbrütergebiete im Itzgrund, den Glender Wiesen, dem Offenland bei Meeder/Wiesenfeld/Sulzdorf/Beuerfeld, den Schafswiesen südlich von Wiesenfeld und in der Rodach. Genaue Beschreibungen der Flächen gibt es im Flyer „Wiesenbrüter im Coburger Land“. Diesen gibt es im Landratsamt Coburg sowie zum Download auf der Homepage unter www.landkreis-coburg.de.