Sind höhere Preise gerechtfertigt?
Allein vom Produkt und den Inhaltsstoffen her seien Produkte wie das Duschgel bei Männern und Frauen oft ähnlich. Nach außen hin liege der Unterschied laut Dr. Hans-Georg Häusel jedoch in der „gesamten Produktaufmachung, sodass Mann und Frau nicht sehen, dass es in der Kernfunktion das gleiche oder ähnliche Produkt ist. Auch in der Werbung ist die Argumentation und Emotionalisierung unterschiedlich“.
Der wahre Wert eines Produkts hingegen basiere meist laut Häusel nur zu einem kleinen Teil auf den Herstellungskosten. Wichtig sei vielmehr die emotionale Bedeutung für die Käuferinnen und Käufer. Genau daher investierten Unternehmen je nach Produkt mehr, „von der Werbung bis zur Verpackung wird in das weibliche Duschgel mehr Geld reingesteckt, dieser Preis muss bezahlt werden. Zudem wird die dadurch erzeugte Illusion auch bezahlt. Ich schätze 20-30 Prozent des Preisunterschieds sind gerechtfertigt, 70-80 Prozent entstehen durch den emotionalen Mehrwert und die Illusion“, erklärt Wirtschaftspsychologe Häusel.
Sensibilisierung für das Thema
Über die Jahre wurde das Thema Gender Pricing immer präsenter. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt seit 2015 daher Marktchecks durch und untersucht betroffene Produkte auf geschlechtsspezifische Preisunterschiede. Ein erster Erfolg: Die Preise für Einwegrasierer haben sich 2024 im Vergleich zu 2015 mittlerweile angeglichen. Beim Rasierschaum hingegen zahlen Frauen nach wie vor rund 80 Prozent mehr als Männer.
Um die Problematik von Gender Pricing bekannter zu machen, gibt es mittlerweile verschiedene Organisationen, die sich gegen die Woman Tax stark machen. So auch beispielsweise „Pinkstinks“, eine Initiative, die sich gegen starre Geschlechterrollen in Medien und Werbung einsetzt. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg ruft dazu auf, Fälle von Gender Pricing zu melden.
Goldener Zaunpfahl als Mittel gegen dreistes Gendermarketing
Ein weiteres medienwirksames Mittel, um auf besondere Fälle des Gender Pricings und Gendermarketings aufmerksam zu machen ist der „Goldene Zaunpfahl“, ein Award für absurdes Gendermarketing. Diesen Award hat im Jahr 2024 ein ganz besonders dreistes Produkt gewonnen, das auf den ersten Blick nicht von Gendermarketing betroffen zu sein scheint.
So brachte der Pharmakonzern Sanofi im Sommer 2024 ein zunächst neu erscheinendes Produkt auf den Markt: „Buscopan Plus Pink“. Das Medikament sollte gegen Periodenschmerzen helfen und erschien in knallpinker Verpackung – der Inhalt und die Inhaltsstoffe waren jedoch identisch wie bei normalen „Buscopan Plus“ Tabletten. Nur der Preis machte einen Unterschied, weshalb die scheinbar neuen Tabletten mit 82 Cent pro Tablette 12 Cent teurer waren als die gewöhnlichen Buscopan-Tabletten. Auf Social Media teilten zahlreiche Nutzer den absurden Fall. Die erhöhte Aufmerksamkeit führte schließlich dazu, dass der Hersteller Sanofi die Preise letztendlich auf Grund der großen Kritik und Konfrontation anpasste.
Was kann man gegen Gender-Pricing tun?
Rein rechtlich sind geschlechtsspezifische Preisunterschiede bei ähnlichen Produkten nicht verboten. Gerichtlich vorgehen können Frauen gegen diese Ungerechtigkeit also nicht. Trotzdem können Frauen mit ihrer Kaufentscheidung einen Beitrag gegen das Gender Pricing leisten, indem sie Produkte genauer vergleichen und bei sehr ähnlichen Produkten einfach zum Männerprodukt greifen. Denn nur solange Unternehmen eine erhöhte Zahlungsbereitschaft bei bestimmten Produkten realisieren, werden die geschlechtsspezifischen Preisunterschiede auch aufrechterhalten.
Auch andere dafür zu sensibilisieren und über das Thema zu sprechen, kann gegen die Pink Tax helfen. Wirtschaftspsychologe Häusel ist jedoch wenig optimistisch, dass sich mit zunehmendem Bewusstsein etwas an der Problematik Gender Pricing ändern wird, „weil Konsumenten und Konsumentinnen in der Masse kaufen, was ihnen gefällt und der Verstand fast immer der Sklave der Emotionen ist.“