Gerresheimer Tettau Von der Glashütte auf die Bergwiese

Heike Schülein

20 Azubis der Firma Gerresheimer legten sich mit ihren Lehrern mächtig ins Zeug bei der Biotoppflege.

Nahe des Naturschutzgebietes Röthen-grund – genauer gesagt in einem Seitental des Langebachs – waren kürzlich schon von Weitem Motorsensen und Mähmaschinen zu hören gewesen: Der Endspurt in der heurigen Bergwiesenmahd bei der Kreisjägerschaft Sonneberg stand an. Bereits Anfang März lief dort eine Entbuschungsaktion durch die hiesige Jagdhornbläsergruppe. Einmal mehr nahmen sich nunmehr die Waidmänner des Landkreises – diesmal im Auftrag der Stadt Sonneberg – einer verwilderten Bergwiese an, um dort der Natur zukünftig eine Chance zu geben, den üppigen Artenreichtum solcher Areale zu entfalten.

„Der Thüringer Wald wie auch der Frankenwald, wie wir ihn kennen, befindet sich derzeit durch Klimawandel und Borkenkäfer-Kalamitäten in einem Wandlungsprozess. Eine neue Waldgeneration wird entstehen. Trotzdem und gerade auch deshalb brauchen unsere Bergwiesenbiotope umso mehr unser Augenmerk. Würden unsere aktiven Naturschutzvereine und Jäger nicht dafür Sorge tragen, wäre ein massiver Artenschwund auf derartigen Flächen die Folge“, erklärt Andreas Müller, Sprecher der Kreisjägerschaft Sonneberg.

Ohne regelmäßige Pflege geht es nicht

Der Lebensraum Bergwiese ist in der Regel ab 500 Höhenmetern in den kühl-feuchten Lagen unserer Mittelgebirge vertreten. Über Jahre wurden den Wiesen hier durch eine traditionelle Nutzung Nährstoffe entzogen, denn nur so konnten sie entstehen. Für den Schutz dieses Lebensraumes ist deshalb eine kontinuierliche Mahd unabdingbar. Bleiben jedoch regelmäßige menschliche Pflegemaßnahmen aus, setzt schnell wieder eine Veränderung ein. In kurzer Zeit entsteht ein völlig anderer Lebensraum. Konkurrenzstärkere Arten verdrängen andere Pflanzenarten wieder und der Wald holt sich die Flächen Stück für Stück zurück.

Gerade im Sonneberger Röthengrund ist der Verein „Jungdohütte“ unbestrittener Vorreiter in Sachen Pflegemaßnahmen an Bergwiesen. Aber alle zusammen eint ein und dasselbe Ziel: deren Erhalt. Durch ihren pflanzlichen Artenreichtum sind Bergwiesen Lebensraum für zahlreiche Tierarten wie Insekten und Lurche. Doch Bergwiesen zählen inzwischen auch zu den seltenen Wiesentypen, die in den vergangenen Jahren rein flächenmäßig zurückgegangen sind. In voller Blüte zeigen sie sich von Mai bis Juni. Vielerorts, aber auch oft den ganzen Sommer, mit einem mehr oder weniger farbenprächtigen Bild.

Schutz der Kleinode

Bereits Ende August hatte auch emsiges Treiben im Hasenthaler „Pfmersgrund“ geherrscht. Die Anzahl der Geländewagen verriet es: Auch hier hatte sich die Jägerschaft zur traditionellen Bergwiesenmahd versammelt. Seit über zehn Jahren sind die Männer und Frauen der grünen Zunft auch dort bestrebt, dass solche Kleinode und wichtigen Naturbausteine der Mittelgebirgsregion nicht aussterben. Die diesbezüglich nahezu 30-jährigen Aktivitäten der Kreisjägerschaft Sonneberg, die Biotop-Pflege und die Naturschutzarbeit des Vereins im Allgemeinen haben sich in den letzten Jahrzehnten natürlich in den bayerischen Nachbarlandkreisen herumgesprochen. Auf diesem Wege wurde auch das in Tettau ansässige Unternehmen Gerresheimer aufmerksam; verfolgt man doch hier im Unternehmen seit geraumer Zeit eine besondere Nachhaltigkeitsstrategie. Die im Unternehmen verankerte Fürsorgepflicht für junge Auszubildende und deren Entwicklungslenkung zu stabilen Pfeilern unserer Gesellschaft stellt ebenfalls einen Teil dieser Strategie dar. Kurzentschlossen ließ man die Thüringer Jäger zu ihrem letzten Mäh-Einsatz der Saison deshalb auch nicht allein. Mit rund 20 Auszubildenden und ihren dazugehörigen Lehrausbildern bekam die Jägerschaft Unterstützung durch eine schlagkräftige Truppe bei ihrem Bergwiesenprojekt nahe des Naturschutzgebietes Röthengrund.

Ökologisch nachhaltig

„Wir als Glashütte verursachen natürlich Immissionen, wie jedes produzierende Unternehmen. Dadurch sehen wir uns auch in der Verantwortung, insbesondere für die ökologische Nachhaltigkeit etwas zu tun“, so Lars Holocher, Personalleiter der Firma Gerresheimer, der ebenfalls mit vor Ort war. Mit jedem Ausbildungsvertrag, der mit jungen Menschen abgeschlossen wird, geht der Betrieb eine Ausbildungsverpflichtung ein. Neben der fachlichen Ausbildung und durch Mitwirken an solchen Naturschutzeinsätzen ist es dem Unternehmen generell wichtig, seine jungen Auszubildenden für ihre weitere Entwicklung zu prägen sowie soziale und auch kulturelle Aspekte zu vermitteln. „Gerade in den letzten Jahren fällt jedem auf, wie sich der Thüringer Wald und nun auch der Frankenwald verändert hat. Zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie gehört deshalb unter anderem auch die Beteiligung an Wiederaufforstungsaktionen oder hier diese Bergwiesenmahd mit der Kreisjägerschaft Sonneberg“, betont Holocher.

Der Firma Gerresheimer sei es wichtig, ihren Teil dazu beizutragen, die Natur in der fränkisch-thüringischen Region in einem intakten Zustand zu halten – und zwar für alle Lebewesen. Die Kreisjägerschaft Sonneberg bedankte sich bei ihren vielen fleißigen Helfern mit einem zünftigen Imbiss – natürlich mit echten „Sumbarchä“ Rostbratwürsten.

 

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