Aus EU-Kreisen hieß es nach dem Treffen Johnsons mit Tusk, das Thema sei von der britischen Seite nicht angesprochen worden. Zudem wurde betont, dass die von Johnson genannte Summe von 39 Milliarden Pfund (43 Mrd. Euro) keine EU-Zahl sei. Den Angaben zufolge könnte die Abschlussrechnung niedriger ausfallen. Sie werde bekanntgegeben, wenn feststehe, wann Großbritannien die EU verlasse, hieß es.
Der scheidende EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger warnte den britischen Regierungschef unterdessen vor einer Konfrontation. "Johnson (...) muss wissen, dass er mit uns sicherlich keine erfreulichen Abmachungen über die Zukunft bekommen würde, sollte er wider alle Vernunft die Zahlung verweigern", sagte der CDU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). "Wer Rechnungen nicht begleicht, hat die Glaubwürdigkeit bei Verhandlungen verloren."
Zugleich räumte Oettinger ein, dass auch die EU ein Problem hätte, wenn Johnson seine Drohungen wahrmachen sollte. "Unsere Schwierigkeit besteht darin, dass wir die EU-Forderungen vor keinem Gericht der Welt durchsetzen könnten", sagte er.
Erwartet wird, dass sich Johnson am Montagnachmittag zum Abschluss des G7-Gipfels noch einmal der Presse stellen wird.