Und was ist mit allen anderen?
Ganz spurlos gehen die Auswirkungen an den wenigsten Menschen vorbei. Sebastian Karl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim betont: "Wahrscheinlich hat jeder schon mal am eigenen Leib erlebt, wie sich Hitze auf die psychische Gesundheit auswirken kann: Wir können uns schlechter konzentrieren, schlafen schlechter oder werden reizbarer oder sogar aggressiv." Man könne Hitze als zusätzlichen Stressfaktor begreifen, mit dem unser Gehirn umgehen müsse. Auch steige das Risiko für psychische Erkrankungen.
Als besonders belastend gelten tropische Nächte – also Nächte, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Auch dies kann die psychische Verfassung oder auch die Leistungsfähigkeit am folgenden Tag beeinträchtigen.
Hans Knoblauch von der Psychiatrie am Universitätsklinikum Ulm ergänzt: "Bei Hitze reagieren Menschen potenziell schneller gereizt, was sich unter anderem in einer Zunahme von häuslicher Gewalt, Fouls beim Sport und aggressiverem Fahrverhalten im Verkehr niederschlagen kann." Das könnte auch bei der laufenden WM eine Rolle spielen: Die erwartete Hitzebelastung an den Spielorten des Turniers gilt Forschern zufolge als außergewöhnlich hoch.
Wie heftig wird es in Deutschland in diesem Sommer?
Hitzewellen werden durch den Klimawandel zwar generell häufiger und intensiver, doch konkrete Hitzewellen lassen sich erst kurzfristig vorhersagen. Aber: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht mit leichter Tendenz von einem Sommer aus, der wärmer sein wird als der Durchschnitt der Sommer im Zeitraum von 1991 bis 2020.
Amelie Hoff aus dem Klimavorhersage-Team des DWD sagte der dpa kürzlich: "Unsere aktuelle saisonale Klimavorhersage zeigt eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent für mehr heiße Tage, also Tage mit einer Maximumtemperatur über 30 Grad, im Vergleich zum Durchschnitt von 1991 bis 2020." Dies bezieht sich auf den Zeitraum Juni bis August. Das ist wenig überraschend – denn durch den Klimawandel hat sich Deutschland bereits um rund 2,5 Grad erwärmt, deutlich stärker als der globale Durchschnitt.
Wie kann man sich schützen?
- Viel trinken - und zwar deutlich mehr als sonst, da sind sich Experten einig. "Bei hohen Umgebungstemperaturen kann der Körper selbst in Ruhe pro Stunde etwa 500 bis 700 Milliliter Flüssigkeit über Schweiß verlieren – oft unbemerkt. Daher sollten etwa alle 20 bis 30 Minuten circa 200 Milliliter getrunken werden", erklärt Hanns-Christian Gunga von der Charité. Als Check helfe es, sich zu wiegen. "Ein Gewichtsverlust von zwei bis drei Kilogramm an einem heißen Tag spricht für deutlichen Flüssigkeitsmangel."
- Die Wohnung möglichst kühl halten, etwa durch Verdunklung durch Rollläden oder Markisen außen. "Nächtliches Lüften kühlt die Wohnung und bringt Frischluft", rät Experte Rapp. "Wenn möglich, sollten kühlere Räumlichkeiten zumindest vorübergehend aufgesucht werden, um dem Organismus etwas Erholung zukommen zu lassen."
- Nicht nur jeder Einzelne ist gefragt, sondern auch die Politik muss die Bevölkerung schützen: Kommunen sind etwa aufgerufen, Hitzeaktionspläne – etwa mit Blick auf Stadtgestaltung und Schutzangebote – vorzulegen. Dabei gibt es laut Experten noch großen Nachholbedarf.