Getreideernte im Coburger Land Selbst den Bauern war’s zu nass

Besorgte Minen: Martin Florschütz (rechts) und Carsten Meyer prüfen auf dessen Feld bei Rottenbach das Getreide. Nässe hat den Ähren arg zugesetzt. Foto: Frank Wunderatsch

Nach einem feuchten Sommer ziehen Landwirte eine eher durchwachsene Bilanz bei der Getreideernte. Fast alle Sorten hatten mit nässebedingten Krankheiten zu kämpfen.

Coburg - Es bleibt nach derzeitigem Stand eine durchschnittliche Ernte: Martin Flohrschütz, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, blickt auf die zurückliegenden Dreschtage und zieht für die Getreideerträge im Coburger Land eine eher durchwachsene Bilanz. Denn eigentlich stand das Korn gut auf dem Feld. Deshalb meint der Kreisobmann: „Da hat man sich ja was davon versprochen, und wir gingen von einer überdurchschnittlichen Ernte aus, von einem Plus von zehn oder 20 Prozent.“ Dann aber hätten sich fast in allen Sorten nässebedingte Abreifekrankheiten breitgemacht und zu Mindererträgen geführt.

Katastrophal sei das vor allem für die Landwirte, die das Getreide als Futter für ihre Schweine eingeplant hatten. „Sie müssen nun teuer zukaufen“, bedauert Martin Flohrschütz und fügt hinzu: „Für diejenigen Landwirte, die Getreide verkaufen wollen, ist das gar nicht so schlecht, weil sie so gute Weizenpreise erzielen können.“ Weizen sei dabei das Leitgetreide, also das Getreide, das am meisten verkauft werde in Europa. Weil der weltweite Bestand relativ niedrig sei, komme es gar zu einer Kursrallye. „Das spiegelt sich auch in den Preisen wieder“, meint Martin Flohschütz. „Wäre die Ernte, wie erwartet, eher überdurchschnittlich gewesen, wäre das nicht zum Tragen gekommen.“ So seien die Märkte jedoch weltweit nervös.

Die Wintergerste, die erste Frucht die im Rahmen der Getreideernte eingefahren werde, sei im Coburger Landkreis ebenfalls eher unterdurchschnittlich ausgefallen. „Die Körner waren auf Grund der Nässe teilweise von Krankheiten befallen, es haben sich Pilzkrankheiten breitgemacht. Wenn das alles so nass und feucht ist, dann reift das Getreide auch nicht sauber ab“, erläutert der Kreisobmann bedauernd. Auch die Rapsernte sei heuer viel schlechter ausgefallen als ursprünglich erwartet; auch hier hatten die Landwirte in der Region mit Abreifekrankheiten zu kämpfen.

Schlecht sehe es auch im Hinblick auf den Roggen aus. „Eine ganz empfindliche Kultur“, wie Martin Flohrschütz betont. Für das laufende Erntejahr zieht er daher ebenfalls eine düstere Bilanz: „Für Roggenbrot sieht es heuer eher schlecht aus.“ Lediglich der Dinkel – eine alte Getreidesorte, die derzeit gut im Kommen sei – habe in der Region teilweise rechtzeitig geerntet werden können. „Die Gefahr besteht darin, dass das Korn in der Ähre keimt – und dann ist die Backqualität hinüber“, erläutert der Fachmann. Insgesamt sieht der Kreisobmann für die Getreidesaison „Licht und Schatten“. Eine Katastrophe sei es nicht, aber: „Die Landwirte haben mindestens 20 oder 25 Prozent mehr Diesel verbraucht. Eher 30 Prozent mehr. Und der Diesel ist teuer, das ist ein riesiges Problem.“ In der Folge seien die Erntekosten pro Hektar um bis zu 15 Euro höher gewesen als in den Jahren zuvor. Problematisch sei auch die Kapazität der Maschinen gewesen. Zwar gebe es größere Landwirte, die einen Mähdrescher selbst auslasten könnten; vielfach werden die großen und teuren Maschinen jedoch gemeinschaftlich genutzt.

Gedroschen werden könne jedes Jahr allerdings nur in einem bestimmten Zeitfenster – und die Nachfrage nach den Mähdreschern konzentriert sich dann automatisch auf diese wenigen Tage im Erntejahr. „Normal sind das 20 oder 25 Tage, in einem guten Jahr auch mal 27 Druschtage. Heuer waren es jedoch nur 15 Druschtage – abhängig von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit“, erläutert Martin Flohrschütz und macht damit die Kapazitätsengpässe deutlich. Erläuternd fügt er hinzu: „Normalerweise fangen die Druschtage um den 5. Juli herum an, in diesem Jahr waren wir aber bestimmt zehn Tage später dran, mit Pausen dazwischen.“

Je weiter sich die Druschtage in den August hinein verlagern, umso weniger Zeit stehe zudem pro Tag für die Erntearbeiten zur Verfügung, denn: „Nach der Sommersonnwende am 21. Juni werden die Tage wieder kürzer. Da fehlt früh und abends je eine Stunde.“

Die Hoffnung der Landwirte sei nun, dass der Rest der Getreideernte noch gut eingebracht werden könne. „Das ist ganz wichtig. Eine Woche schönes Wetter bei 25 Grad, das würde sicher nicht nur bei den Landwirten auf breite Zustimmung stoßen“, meint der Kreisobmann. Denn auch die Rapsaussaat für das nächste Jahr stehe unmittelbar bevor. Diese müsse spätestens in der letzten August- beziehungsweise der ersten Septemberwoche ausgebracht werden.

Gut sei das eher feuchte Wetter in diesem Jahr allerdings für die Futterbaubetriebe in der Region gewesen. „Sie haben heuer richtig gut Futter machen können“, bilanziert der Kreisobmann. Allerdings befänden sich die Tierhalter in der Region stetig auf dem Rückzug, vor allem im Bereich der Schweinehaltung. „Der Trend geht zum Wirtschaften ohne Vieh, die Stimmung ist gedrückt“, so Martin Flohrschütz.

Anteil daran habe auch die Kritik, der die Betriebe im Rahmen der Tierwohldiskussion immer wieder ausgesetzt seien. Sei dann auch die Generationenfolge nicht geklärt, stehe oft das Aus bevor. „Diese Betriebe sterben leise“, erklärt der Coburger Kreisobmann.

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