Streeting machte in seinem Rücktrittschreiben deutlich, dass er dem Premier bei der Gelegenheit das Vertrauen entzogen hatte. "Wo wir eine Vision bräuchten, haben wir ein Vakuum. Wo wir eine klare Richtung bräuchten, dümpeln wir vor uns hin", schrieb Streeting.
Eigentlich gilt der ehrgeizige Streeting nur als B-Kandidat für die Führungswahl. Im linken Lager der Partei ist er verhasst. Zudem hatte er ein enges Verhältnis zum Labour-Veteranen Peter Mandelson, der wegen seiner Nähe zu Jeffrey Epstein in den Sog des Missbrauchsskandals um den verstorbenen US-Multimillionär und Sexualstraftäter geriet. Streeting hatte bereits vor Wochen vorsorglich seine gesamte Korrespondenz mit Mandelson veröffentlicht.
Abgeordneter macht Weg für Burnham frei
Dem Bürgermeister von Manchester, Andrew "Andy" Burnham, würden größere Chancen eingeräumt - und der Weg dorthin wurde ihm zumindest in einem ersten Schritt freigemacht. Ein britischer Abgeordneter legte wenige Stunden nach Streetings Abgang sein Mandat nieder, um dem Favoriten auf die Nachfolge Starmers den Weg zu ebnen.
Burnham sei die richtige Person, um die notwendigen Reformen im Land anzustoßen, schrieb der Labour-Abgeordnete von Makerfield, Josh Simons, auf X. Deswegen habe er sich entschieden, sein Mandat niederzulegen, um ihm die Rückkehr ins Parlament und damit den Sprung in den Regierungssitz zu ermöglichen. Der Bürgermeister hatte Anfang des Jahres schon einmal versucht, sich um ein Mandat zu bewerben. Doch das Exekutivkomitee der Partei, zu dem auch Starmer gehört, hatte ihm den Weg versperrt.
Er werde sich nun erneut für eine Labour-Kandidatur in Makersfield bewerben, teilte Burnham mit. Zur Frage, ob er den Premierminister herausfordern will, äußerte er sich nicht. Ob Burnham den Sprung ins Parlament schaffen wird, gilt nicht als ausgemacht. In Makerfield schnitt bei der vergangenen Wahl 2024 auch die rechtspopulistische Partei Reform UK von Brexit-Befürworter Nigel Farage stark ab.
Kurz vor Streetings Rücktritt brachte sich überraschend auch Ex-Vizepremierministerin Angela Rayner als Kandidatin ins Spiel. Die 46-Jährige aus dem linken Parteiflügel war im September vergangenen Jahres wegen einer zu gering entrichteten Grunderwerbsteuer von ihrem Posten als Wohnungsbauministerin und stellvertretende Regierungschefin zurückgetreten.
Nun sei die Steuer entrichtet und sie vom Verdacht der Steuerhinterziehung entlastet, berichtete der "Guardian". Rayner hatte stets beteuert, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Dem "Guardian" gegenüber deutete sie nun an, bei einer Wahl um den Parteivorsitz antreten zu wollen.