Gründerzentrum in Rödental Wohlfühlort für Gründer

Yannick Seiler

Von der Idee bis zur Eröffnung der Digitalen Manufaktur in Rödental hat es fünf Jahre gedauert. Nun arbeiten Nachwuchsunternehmer in den Räumen. Förderer, Ideengeber und Start-Up-Gründer erklären Chancen, die sie ihnen bieten.

Rödental - Die Einweihung der Digitalen Manufaktur in Rödental war kürzlich Anlass genug, darauf zurückzublicken, wie die Einrichtung entstanden ist und wer ihre Möglichkeiten künftig nutzt. Sie soll Jungunternehmern dabei helfen, Firma und Produkte zu entwickeln und am Markt zu etablieren. Die Manufaktur sei ein Meilenstein für die digitale Transformation im Raum Coburg, sagte Jochen Flohrschütz, Geschäftsführer von Zukunft Coburg Digital, dem Gründerzentrum von Stadt und Landkreis Coburg. Er und seine Kollegen hatten die Räume und deren Ausstattung mit erdacht und betreiben sie nun. „Hier kennt das Denken keine Grenzen“, sagte Flohrschütz bei einer Gesprächsrunde vor der Einweihung.

In der Digitalen Manufaktur gehe es hoch hinaus, ergänzte er und meinte damit nicht nur, dass angehende Unternehmer dort die Möglichkeit haben, in einem Büro im sechsten Stock zu arbeiten – Vesteblick inbegriffen. Ein Jahr habe man – pandemiebedingt – darauf gewartet, das Areal eröffnen zu dürfen, sagte er. Nun waren alle gekommen, die sich dafür eingesetzt hatten, dass in der einstigen Kantine des Goebel-Geländes junge Menschen ihre Ideen verwirklichen. Die Manufaktur sei ein Ort für mutige Menschen, die nicht den einfachen Weg gehen, sagte er. Die angehenden Unternehmer überlegten hier, wie sie durch digitale Technik die Welt verbessern könnten. Dass sich ihnen nun in Rödental die Möglichkeit dafür bietet, dazu hätten viele Menschen etwas beigetragen, sagte Flohrschütz.

Einer der Menschen ist Wolfgang Schulze. Er weiß, welche Probleme Unternehmer erwarten und wie sie sich lösen lassen. „Wir können Leerstand schlecht ertragen“, sagte Schulze, der die Geschäfte mehrerer Möbelhäuser in Oberfranken und Thüringen führt. Der Rödentaler hatte das Areal der ehemaligen Goebel-Porzellanfabrik gekauft. Vor rund 15 Jahren war der Betrieb bankrott gegangen. Ungenutzt drohte das Gelände zu verfallen. Schulzes Ziel: Die Fabrik müsse möglichst im Originalzustand erhalten bleiben, sagte er. Inzwischen vermietet er deren Räume, in denen einst mehr als 1000 Menschen der Region gearbeitet hatten, an Firmen und Institutionen. Eine davon ist die Digitale Manufaktur. „Heute ist ein wunderschöner Tag“, sagte er.

Passende Räume für wenig Geld

Auf diesen Tag hatten seit 2016 etliche Menschen in der Region hingearbeitet. Damals habe Ilse Aigner (CSU), zu dieser Zeit Bayerns Wirtschaftsministerin, angekündigt, digitale Gründerzentren im Freistaat entstehen zu lassen, sagte Friedrich Herdan, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK). Für Oberfranken sei nur eine dieser Einrichtungen vorgesehen. Doch Unternehmer und Politiker der Region hätten beschlossen, sagte Herdan: „Wir brauchen auch ein Gründerzentrum.“ Zusammen mit Firmenchefs und Wirtschaftsförderern habe man dann daran gearbeitet, die Idee umzusetzen.

Laut Landtagsabgeordnetem Martin Mittag (CSU) sind die Protagonisten für ein solches Projekt die „Erfolgsgaranten“ – wie Schulze und Herdan eben. Zudem sei der von Anfang an vorhandene politische Wille wichtig, damit so ein Projekt gelinge. „Man muss Gutes mitbringen, um Geld zu erhalten“, sagte Mittag. Die Mitarbeiter von Zukunft Coburg Digital hatten sich bei der Staatsregierung um Unterstützung für ein weiteres Gründerzentrum in Oberfranken beworben, brachten ihre Idee mit. Sie setzten sich gegen andere Bewerber im Freistaat durch und erhielten neben der Zusage auch Geld. 4,3 Millionen Euro spendiert der Freistaat während der kommenden 15 Jahre für die Einrichtung. Davon wird unter anderem ein Teil der Mieten für Büros und Produktionsräume bezahlt. Angehende Firmenchefs können für ihre neu gegründeten Firmen, Start-ups genannt, passende Räume für wenig Geld mieten. Die Staatsregierung möchte laut Mittag einige Milliarden Euro für Digitalisierung ausgeben. Dadurch habe man viele Chancen. „Wir müssen die Möglichkeiten abschöpfen“, sagte er.

Abgeschöpft hat Oberfranken die Möglichkeiten. Neben Coburg sind in Bamberg und Hof Gründerzentren entstanden. Die Coburger Einrichtung besteht aus zwei Standorten. Ein sogenanntes Co-Working am alten Schlachthof in der Veste-stadt ergänzt die Räume in Rödental. Seit rund einem Jahr arbeiten junge Unternehmer in den Räumen der einstigen Porzellanfabrik an digitalen Lösungen für alltägliche Probleme. Von ihnen erhoffen sich Firmenchefs und Politiker der Region nicht nur, dass sie Start-ups gründen, sondern auch, dass sie mit bestehenden Unternehmen zusammenarbeiten. Derzeit sei jeder vierte Betrieb in und um Coburg von der Automobilindustrie abhängig, sagte IHK-Präsident Herdan. Noch lebe man gut davon, doch müsse man künftig nach digitalen Lösungen suchen. Ziel ist es demnach, dass durch die Manufaktur neue und innovative Geschäftsideen entstehen.

Zusammenarbeit zwischen Start-Ups und bestehenden Firmen

Auch deshalb haben sich IHK, Stadt und Landkreis Coburg sowie Unternehmer zusammengeschlossen, um Zukunft Coburg Digital zu gründen, sagte Herdan. Anfangs seien es 23 Firmen gewesen, die einen Teil der Kosten für das Gründerzentrum bezahlten. Inzwischen unterstützen laut IHK-Präsident mehr als 60 Betriebe die beiden Standorte in Coburg und Rödental. Damit die Start-ups erfolgreich seien, brauchten sie Motivation, Unterstützung und ein Netzwerk. Das bieten laut Herdan die Hochschule Coburg, die Wirtschaftsförderung und die IHK.

Laut Landrat Sebastian Straubel (CSU) ist die Digitale Manufaktur ein einzigartiges Konzept. Mit dem Goebel-Areal habe man dafür die perfekten Flächen gefunden. „Das ist eine Mischung aus Tradition und Zukunft“, sagte er über die Idee, die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Firmen anzuregen.

Patrick Dabrowski ist einer der Start-up-Gründer. Er arbeitet unter anderem daran, Daten von Produktionsmaschinen auszulesen und die Herstellung von Produkten dadurch zu verbessern. Er beschrieb das Areal als „mein zweites Zuhause“. Dabrowski hat eine Produktionsbox gemietet, in der er seine Entwicklungen testet. Er schätze, dass er dort neben anderen Jungunternehmern arbeitet. Dadurch könnten sich Techniker zeitnah mit Betriebswirtschaftlern austauschen. Zudem hätten ihm Mitarbeiter von Zukunft Coburg Digital geholfen, indem sie für ihn Kontakte zu Gründer- und Investorenmessen herstellten. Alle noch offenen Fragen habe ihm ein sogenannter Gründercoach beantwortet, sagte er. Erstes Fazit über seinen neuen Arbeitsplatz, die Digitale Manufaktur? „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

 

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