Handball-Bundesliga HSC Coburg ärgert den Favoriten

Florian Billek (rechts) war mit sieben Treffern wieder einmal Coburgs bester Werfer im Heimspiel gegen MT Melsungen. Foto: Daniel Vogl

Coburg unterliegt der MT Melsungen in der 1. Handball-Bundesliga mit 25:30 (13:15). Mit einer besseren Chancenverwertung wäre für die Oberfranken sogar mehr drin gewesen .

Coburg - Der HSC 2000 Coburg hat sein Heimspiel in der 1. Handball-Bundesliga am Sonntag gegen die favorisierte MT Melsungen mit 25:30 (13:15) verloren. Die Mannschaft von Trainer Alois Mraz zeigte in kämpferischer und auch spielerischer Hinsicht eine gute Leistung, musste sich letztlich aber der individuellen Klasse der Hessen beugen.

„Wir waren vorbereitet, vor allem auf die 5:1-Abwehr“, sagte Mraz nach der Begegnung. „In der zweiten Halbzeit sind wir hinterher gelaufen, haben aber nicht nachgegeben. Um so ein Team zu schlagen, brauchen wir eine bessere Chancenverwertung.“ Sein Gegenüber Gudmundur Gudmundsson meinte: „Coburg zu schlagen, ist nicht einfach, das hat man im Hinspiel gesehen. Wir haben das Spiel sehr ernst genommen. Unsere zweite Halbzeit war sehr gut, die Abwehr stand besser, auch der Angriff war sehr gut.“

Mit voller Kapelle

Die Hessen waren mit voller Kapelle nach Coburg gereist, um sich für die blamable 27:32-Hinspielniederlage zu revanchieren. Im Aufgebot standen unter anderem die deutschen Nationalspieler Silvio Heinevetter, Kai Häfner, Julius Kühn, Finn Lemke, Timo Kastening und Tobias Reichmann. Beim HSC fehlten Jakob Knauer, Justin Kurch und Max Preller, dafür war Christoph Neuhold nach überstandener Corona-Infektion wieder dabei. Als dritter Torhüter wurde diesmal Paul Dreyer nominiert.

In der Anfangsphase setzten die beiden Torhüter Konstantin Poltrum und Nebojsa Simic mit tollen Paraden die Akzente. Coburg verteidigte wie gewohnt 6:0, das konzentriert spielende Gästeteam setzte auf eine 5:1-Abwehr, was den Hausherren nicht so schmeckte. Melsungen präsentierte sich reifer in der Spielanlage. Der HSC hielt aber mit Einsatzfreude dagegen und konnte wie zuletzt beim Heimsieg gegen Stuttgart mit durchaus sehenswerten Spielzügen und Treffern überzeugen.

Pouya treffsicher

Zwar konnten sich die Hessen vor allem über schnelle Gegenstöße beim 4:8 und 5:9 auf vier Tore absetzen, die Coburger ließen sich aber nicht abschütteln. Sie boten den favorisierten Gästen Paroli. Vor allem Pouya bewies Durchschlagskraft und traf nach seiner Einwechslung gleich vier Mal.

Mit dem 13:14 von Milos Grozdanic zwei Minuten vor der Pause war der HSC wieder dran und hatte sogar noch die Chance zum Ausgleich, doch scheiterte Tobias Varvne an Simic. Zuvor hatte Torwart-Routinier Jan Kulhanek einen Heber von Häfner glänzend entschärft. Marino Maric erzielte den Treffer zum respektablen 13:15-Halbzeitstand aus Coburger Sicht.

Heinevetter lässt Klasse aufblitzen

Melsungen brachte frische Kräfte nach dem Wechsel. Nun stand Silvio Heinevetter im Gästegehäuse, der gleich seine Klasse aufblitzen ließ und in der Folge mehrfach spektakulär parierte. Die Gäste gaben Gas und setzten sich auf 13:18 ab, ehe Florian Billek Heinevetter mit einem Siebenmeter zum 14:18 keine Chance ließ.

Der starke Pouya traf zum 15:18 und der HSC war wieder auf drei Tore herangerückt. Nach dem zwischenzeitlichen 16:21 verkürzten Pontus Zetterman und Torhüter Poltrum mit einem Wurf ins verwaiste MT-Gehäuse wieder auf 18:21.

Die individuelle Klasse der auf allen Positionen gut besetzten Nordhessen war unübersehbar. Auch wenn Billek noch zwei Mal das sehenswerte Eins-gegen-Eins-Duell gegen Tausendsassa Heinevetter für sich entschied und Poltrum prima Paraden zeigte, gerieten die aufopferungsvoll verteidigenden Coburger zehn Minuten vor Ende vorentscheidend mit 20:25 in Rückstand. Grund war die mangelnde Chancenverwertung.

Probleme mit 5:1-Abwehr

Als beim HSC langsam, aber sicher die Kräfte nachließen und mehrere Offensivaktionen von der Gästeabwehr oder Heinevetter entschärft werden konnten, zog Melsungen auf 21:28 davon. In den Schlussminuten, in denen Youngster Dreyer im HSC-Tor Erstliga-Luft schnuppern durfte, spulte MT sein Pensum souverän herunter.

Florian Billek, mit sieben Treffern bester Coburger Torschütze, sagte im Sky-Interview, dass das Endergebnis in Ordnung ginge. „Wir hatten mit der 5:1-Abwehr der Gäste vor allem in der ersten Halbzeit unsere Probleme. Teilweise kam kein Spielfluss auf und wir haben einige Bälle zu einfach weggeworfen“, meinte er. Positiv sei gewesen, dass der HSC auch nach der Pause nicht nachgelassen hat. „Wir konnten die Melsunger zumindest ein wenig ärgern.“

Statistik

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (1 Parade, 10 Prozent gehaltene Bälle), Konstantin Poltrum (5/20,83), Paul Dreyer – Pouya Norouzi Nezhad (6), Felix Sproß, Dominic Kelm, Drasko Nenadic, Florian Billek (7/4), Dino Mustafic, Pontus Zetterman (4), Tobias Varvne, Paul Schikora (1), Stepan Zeman (1), Milos Grozdanic (3/1), Andreas Schröder (2), Christoph Neuhold. – Trainer: Alois Mraz.

MT Melsungen: Silvio Heinevetter (4/26,67), Nebojsa Simic (4/23,53) – Marino Maric (5), Julius Kühn (6), Finn Lemke, Paul Kompenhans (1), Tobias Reichmann (4/3), Yves Kunkel (2), Lasse Mikkelsen, Felix Danner (1), Arnar Freyr Arnarsson, Michael Allendorf, Kai Häfner (2), Stefan Salger (1), Timo Kastening (3), Domagoj Pavlovic (5). – Trainer: Gudmundur Gudmundsson.

SR: Julian Fedtke (Berlin)/Niels Wienrich (Berlin).

Zeitstrafen: 2 (Sproß, Nenadic) – 5 (Maric, zweimal Kühn, zweimal Danner).

Siebenmeter: 5/6 – 3/4.

Spielfilm: 0:1 (2.), 0:2 (4.), 1:2 (4.), 2:3 (7.), 2:4 (10.), 2:5 (10.), 3:6 (10.), 4:7 (13.), 4:9 (14.), 5:9 (15.), Auszeit HSC (16.), 6:10 (18.), 7:11 (20.), 8:12 (21.), 9:12 (22.), 9:13 (23.), Auszeit MT (25.), 11:13 (25.), 12:14 (27.), 13:14 (28.), 13:15 (Halbzeit), 13:17 (32.), 13:18 (33.), 14:18 (35.), 15:18 (37.), 16:19 (39.), 16:20 (40.), 17:21 (42.), 18:22 (43.), 19:22 (46.), 19:24 (47.), 20:25 (48.), Auszeit HSC (50.), 20:26 (51.), 21:28 (53.), Auszeit HSC (54.), 23:28 (56.), 24:29 (59.), 25:30 (Endstand).

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