Handball-Bundesliga HSC unterliegt Pokalsieger

Coburg zeigt auf seiner Bundesliga-Abschiedstour auch gegen Lemgo eine starke Leistung. Doch am Ende nimmt das Team von Florian Kehrmann nach einem 27:23-Erfolg die Punkte verdient mit.

Coburg - „Vielleicht sehen wir jetzt, nachdem wir abgestiegen sind, noch vier Siege in der heimischen Arena“, war HSC-Edelfan Raimund Ziegler am vergangenen Donnerstag voller Euphorie, nachdem erstmals nach der Lockerung der Corona-Auflagen wieder Zuschauer zugelassen waren. Und fast hätte es geklappt mit dem Heimerfolg. Beim 27:27 gegen Balingen-Weilstetten schrammten die Coburger Handballer daran nur ganz knapp vorbei. An diesem Sonntag wollte das bereits abgestiegene Schlusslicht noch ein weiteres Mal beweisen, dass es besser ist, als es der Tabellenstand vermuten lässt. Die Aufgabe im vorerst drittletzten Auftritt auf der Lauterer Höhe im Handball-Oberhaus war allerdings – erneut ohne den an mit Handprellung verletzten Spielmacher Tobias Varvne – keine leichte. Schließlich war der frisch gebackene Überraschungs-Pokalsieger TBV Lemgo Lippe zu Gast. Und der setzte sich am Ende mit 27:23 (10:9) durch.

505 Zuschauer

HSC-Coach Alois Mraz schickte als Anfangsformation Keeper Konstantin Poltrum, Pouya Norouzi Nezhad, Kapitän Andreas Schröder, Pontus Zettermann sowie auf den Außen Milos Grozdanic und Florian Billek auf die Platte. Nach einer ersten Poltrum-Parade und dem 1:0 durch Pouya durften die heimischen Fans unter den 505 Zuschauern nach einer Minute und 30 Sekunden nach dem Anfangsritual der stehenden Anfeuerung wieder Platz nehmen.

Starker Poltrum im Tor

Die Gastgeber begannen konzentriert und erarbeiteten sich, dank starker Paraden von Poltrum, guter Abwehr und schneller Tempogegenstöße bis zur 11. Minute eine verdiente 5:2-Führung. „Flo“ Billek baute diese erstmals auf vier Tore aus (7:3, 14.). Der Ex-Coburger in Lemgoer Diensten, Marcel Timm, holte den Siebenmeter zum 6:8-Anschlusstreffer durch Bjarki Elisson heraus. Vorher hatte Lukas Zerbe, der Neffe von Ex-Nationalspieler Volker Zerbe, während einer Zeitstrafe gegen Zeman auf 5:8 verkürzt. Auch TBV-Torwart Peter Johannesson bekam nun immer besser Zugriff, parierte unter anderem klasse gegen Zeman.

Elisson zum 8:8

Die HSC-Abwehrleistung blieb stark, doch das Tempospiel der Gastgeber wurde schwächer und offensiv schlichen sich wieder die fast schon obligatorischen kleinen Fehler ein, die sich auf der anderen Seite allerdings auch der Pokalsieger leistete. Gedeon Guardiola brachte die Gäste auf 8:7 heran, Poltrum, der bis dahin eine super Quote von 46 Prozent an gehaltenen Bällen vorwies, verhinderte anschließend den möglichen Ausgleich. HSC-Coach Mraz nahm die Auszeit, schickte Nenadic aufs Feld, doch nachdem jener an Johannesson gescheitert war, traf Elisson zum 8:8 (26.).

Der „Gruß aus der Geschäftsstelle“ vom reaktivierten Dominic Kelm bedeutete die erneute Führung der Hausherren, doch zwei Minuten vor der Pause war es soweit: die erste Gästeführung durch Lukas Zerbe. Dank einer weiteren Poltrum-Parade gegen Isaias Guardiola ging der HSC nur mit einem Ein-Tor-Rückstand in die Kabine. Auch in die zweite Hälfte starteten die Gastgeber fokussiert. Billek zum 10:10, eine Poltrum-Parade gegen Timm, Zemans 11:10 und eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Simak – für den HSC lief es wieder in die richtige Richtung. Durch weitere Zeitstrafen gegen Timm und Baijens schwächten sich die Gäste selbst.

Erneute Zwei-Tore-Führung des HSC

Zetterman und Schröder sorgten für eine erneute Zwei-Tore-Führung (15:13, 40.). Mit einem Zwischenspurt und schönen Treffern von Simak und Elisson zog der TBV das Match auf seine Seite (17:20, 47.), Jan Kulhanek löste den etwas nachlassenden Poltrum im Tor ab. Der HSC stemmte sich energisch gegen die Niederlage, nach Schröders schönem Kreisanspiel auf Zeman verwandelte dieser zum 19:21 und ließ auch gleich noch das 20:21 folgen. TBV-Coach Zeman stimmte sein Team in einer Auszeit auf die letzten neun Minuten ein. Die Ansprache wirkte, Guardiola & Co. konterten den HSC aus, nach dem 20:24 war die Messe gelesen und die Lippeländer nahmen verdient die Punkte mit.

Am Mittwoch in Leipzig

Nun stehen für den HSC 2000 noch vier Abschiedsvorstellungen auf dem Plan, die erste am kommenden Mittwoch um 19 Uhr in Leipzig. Zu Hause können die Fans in Gelb-Schwarz – falls die Inzidenzwerte sich nicht wieder verschlechtern, jeweils vor 1000 Zuschauern – ihr Team noch am Samstag, 19. Juni, um 20.30 Uhr gegen den Bergischen HC und am Sonntag, 27. Juni, um 13 Uhr, gegen den ebenfalls bereits abgestiegenen TuSEM Essen vor Ort anfeuern.

HSC II vor Aufstieg

Die Entscheidung, wer als Sieger der Aufstiegsrunde zur 3. Liga mit den drei Bayernligisten HSC 2000 Coburg II, DJK Waldbüttelbrunn und SV Anzing nach Hin- und Rückspielen im Modus „Jeder gegen Jeden“ den Sprung nach oben schaffen wird, fällt erst am Wochenende 19./20. Juni. Da die Waldbüttelbrunner an diesem Samstag beim SV Anzing knapp mit 21:20 gewonnen haben, besteht für sie nun die Chance, mit zwei Siegen an ihrem Heimspiel-Wochenende die in der Tabelle führenden Vestestädter noch abzufangen. Allerdings hat es das HSC-Team von Trainer Ronny Göhl in der eigenen Hand, am letzten Turniertag den Sack zuzumachen. Nach den Heimspielen mit dem 26:19-Sieg gegen Waldbüttelbrunn und dem 25:25 gegen Anzing gelang der Bundesliga-Reserve am Sonntag gegen Gastgeber Anzing ein 25:24-Erfolg, mit der Coburg (3 Spiele/5 Punkte) vor Waldbüttelbrunn (2/2) und Anzing (3/1) die Tabelle anführt.

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