Handball HSC klar in Außenseiterrolle

Kehrt nach überstandener Corona-Infektion zurück: HSC-Kreisläufer Justin Kurch (rechts), der sich in dieser Szene des Hinspiels gegen den SC Magdeburg gegen die Gästeabwehr durchsetzen konnte. Foto: Frank Wunderatsch/Archiv

Der HSC 2000 Coburg reist in der 1. Handball-Bundesliga zum SC Magdeburg. Beim derzeitigen Überflieger hat das Team von Trainer Alois Mraz nichts zu verlieren. Nach überstandener Corona-Infektion kehrt Justin Kurch in den HSC-Kader zurück.

Coburg - Hätte, hätte, Fahrradkette. Wo könnte der HSC 2000 Coburg in der Tabelle stehen, wäre die Punktausbeute gegen die direkten Konkurrenten im bisherigen Saisonverlauf besser gewesen? Das ist eine Frage, die viele Anhänger des oberfränkischen Handball-Aushängeschildes umtreibt.

Dass die Mannschaft von Cheftrainer Alois Mraz in der 1. Bundesliga keineswegs nur Kanonenfutter ist, hat sie bewiesen. Mit Siegen gegen wesentlich höher eingeschätzte Gegner wie Melsungen, Stuttgart oder Erlangen. Ausgerechnet gegen die Mitstreiter im heuer durch vier Absteiger verschärften Kampf um den Klassenerhalt kommt es aber regelmäßig zu unerklärlichen Leistungseinbrüchen. Gerade einmal ein mageres Pünktchen wanderte aus diesen Duellen aufs Pluskonto der Vestestädter, beim 23:23 gegen Ludwigshafen kurz vor Weihnachten. Insgesamt sieben Zähler sind es aktuell. Zu wenig, um den letzten Platz zu verlassen, aber genug, um den ersten Nichtabstiegsplatz noch im Auge zu haben.

Ursachenforschung läuft

Alois Mraz ist auf der Suche nach den Ursachen für das meist kollektive Versagen bislang nicht wirklich fündig geworden. „Wenn wir das wissen würden, wäre es einfacher“, sagt der 42-Jährige. Er arbeitet weiter am rätselhaften Schwächeln gegen die direkte Konkurrenz. Eine mögliche Erklärung sieht der HSC-Trainer im Umstand, dass gerade in diesen Begegnungen jeder mehr Verantwortung tragen müsse. „Möglicherweise spielt sich zu viel im Kopf ab“ vermutet er. Um dem entgegenzuwirken, seien viele konstruktive Gespräche geführt worden. „Jetzt bin ich als Verantwortlicher gefragt, aber auch jeder einzelne Spieler. Wir haben vieles sehr gut gemacht in diesem Jahr. Die Dinge schönzureden hilft aber nicht, sie werden konkret angesprochen. Alle wissen, dass sie es besser können, und haben sich vorgenommen, es auch besser zu machen.“

Schlechtes Umsetzen der Absprachen in der Abwehr, mangelnde Durchschlagskraft im Rückraum und wenig Effizienz bei der Chancenverwertung hätten zuletzt zur 24:28-Heimniederlage im Vier-Punkte-Spiel gegen Minden geführt. „Das war eindeutig zu wenig“, meint der Coburger Trainer. Er gewinnt der schwachen Vorstellung dennoch Positives ab. „Insgesamt haben wir zwar schwerfällig agiert und zu viele Fehler gemacht, trotzdem haben wir das Spiel nur mit vier Toren verloren.“ Diese Sicht zeigt, dass Alois Mraz weiter fest an sein Team und den möglichen Klassenerhalt glaubt.

Mraz: „Topmannschaft“

Am Sonntag (16 Uhr/live bei Sky) steht nun das Auswärtsspiel bei Überflieger SC Magdeburg auf dem Spielplan. Auf den HSC wartet ein ganz anderes Kaliber. Die Sachsen-Anhaltiner tummeln sich im absoluten Spitzenfeld der Bundesliga. Zudem haben sie unter der Woche mit dem 35:27-Erfolg bei CSKA Moskau den Gruppensieg in der European Handball League gefeiert und den Einzug ins Achtelfinale gegen Pelister Bitola aus Nordmazedonien perfekt gemacht. Magdeburg ist auf einer Erfolgswelle, die sie laut SCM-Trainer Bennet Wiegert gerne noch eine Weile reiten wollen.

Die Coburger sind folglich klar in der Außenseiterrolle, in der sie sich offensichtlich wohler fühlen und in der sie – zumindest statistisch gesehen – bislang erfolgreicher abgeschnitten haben. „Das ist eine Topmannschaft“, meint Alois Mraz. „Die Magdeburger spielen richtig schönen Handball. Vorne kann jeder im Team eins gegen eins gehen, auch hinten nehmen sie die Zweikämpfe an. Hinzu kommen mit Thulin und Green zwei starke Torhüter. Der SC steht deshalb zurecht oben in der Tabelle.“ Mit den beiden Isländern Magnusson und Kristjansson verfügen die Norddeutschen über exzellente Rückraumakteure, am Kreis glänzt der erfahrene Kroate Zeljko Musa. Auch die beiden Außen Tim Hornke und Lukas Mertens haben zuletzt überzeugen können.

Optimistischer Trainer

Dem Optimisten Alois Mraz ist aber nicht bange, auch wenn er weiß, dass ein Punktgewinn in Magdeburg einer Sensation gleichkäme. „Wir haben viel getan in dieser Woche und wollen unsere Chance suchen. Wir konzentrieren uns nur auf uns und unsere Leistung und schauen dann, was drin ist.“ Er erinnert an die knappe 26:28-Hinspielniederlage Anfang November vergangenen Jahres, als der HSC sogar mit einer Führung in die Pause gegangen war. „Zu Hause haben wir kein schlechtes Spiel gemacht gegen Magdeburg“, sagt der HSC-Coach.

Zuversichtlich stimmt Mraz, dass Kreisläufer Justin Kurch nach überstandener Corona-Infektion am Sonntag voraussichtlich wieder im Kader stehen wird. „Ich rechne langsam mit ihm. Für uns ist jeder Mann wichtig. Wir brauchen mehr Varianten und Justin kann uns helfen. Mit ihm können wir vor allem die Aufgaben in der Abwehr besser verteilen“, sagt der Coburger Coach. Allerdings wird er nur dosiert eingesetzt werden können. Ein Fragezeichen steht hinter Pontus Zetterman, der an einer Verletzung am Fuß laboriert. Sollte er ausfallen, müsste ein Rechtshänder die Rückraum-Rechts-Position übernehmen.

Aufgebot

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum – Felix Sproß, Dominic Kelm, Drasko Nenadic, Florian Billek, Dino Mustafic, Pontus Zetterman (?), Tobias Varvne, Paul Schikora, Felix Dettenthaler, Justin Kurch, Stepan Zeman, Milos Grozdanic, Andreas Schröder, Christoph Neuhold. – Es fehlen: Pouya Norouzi Nezhad, Jakob Knauer, Fabian Apfel, Max Preller.

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