Handball in der Vestestadt HSC 2000 Coburg stärkt die Jugendarbeit

Wollen die Handball-Nachwuchs in Coburg gemeinsam voranbringen (von links): Jugendkoordinator Dorian Wagner, pädagogische Fachkraft Hanna Zehnter und der künftige Koordinator Kinderhandball Sport Florian Billek. Foto: Frank Wunderatsch

Handball-Bundesligist HSC 2000 Coburg stellt sich im Nachwuchsbereich neu auf. Hanna Zehnter arbeitet künftig als pädagogische Fachkraft mit den Spielern der Leistungssport-WG. Profi Florian Billek kümmert sich ab nächster Saison um die jüngsten Talente.

Coburg - Die Message ist klar. Der HSC 2000 Coburg wird sich in Zukunft noch stärker um seinen Nachwuchsbereich kümmern. Laut Jan Gorr „der Bereich, der von den Einschränkungen am meisten betroffen ist“. So sagte es der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten bei einer Pressekonferenz (PK) in der HUK-Arena am frühen Freitagnachmittag. Der Klub habe eine „kritische Eigenanalyse“ betrieben und sich genau angeschaut, in welchen Bereichen noch Luft nach oben ist.

Der Nachwuchs, der beim gemeinsamen Sport in der Regel nicht nur auf der Platte vorankommen möchte, sondern auch im sozialen Bereich durch den Teamgeist Lehren für das Leben zieht, steht vor besonders großen Herausforderungen. „Wir wollten nicht nur warten, bis diese Corona-Zeit vorbei ist, sondern haben die Zeit genutzt, um zu schauen, wo wir noch nachsteuern können und müssen“, erklärte Jan Gorr.

In der Leistungssport-WG des Klubs wohnen aktuell sechs Spieler, die möglicherweise eine große Handball-Karriere vor sich haben. Seit Mitte Februar werden die jungen Talente dort von Hanna Zehnter unterstützt. Die gebürtige Kronacherin arbeitet als pädagogische Fachkraft für den Klub. Sie kümmert sich um das Zusammenleben der Sportler, strukturiert mit ihnen den Tagesablauf oder leitet sie bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten an. Die Fußballerin, die in der Jugend beim SV Reitsch spielte, versteht sich als „kommunikative Schnittstelle zwischen den Eltern, den Schulen, den Jugendlichen und natürlich dem Verein“. Zehntner hat ihr Studium der Beruflichen Bildung Fachrichtung Sozialpädagogik mit dem Bachelor abgeschlossen, arbeitet an der Universität Bamberg aktuell an ihrer Masterarbeit.

Bei den sechs Spielern, die momentan in der WG zusammenwohnen, bleibt es aber vermutlich nicht. Daher sucht der HSC 2000 Coburg Gastfamilien, die bereit sind, die jungen Handballer bei sich aufzunehmen. „Ein Engagement als Gastfamilie bedeutet beispielsweise die Verpflegung und eine angemessene wohnliche Unterbringung eines Spielers“, heißt es dazu vom Verein.

Außerdem stand bei der PK auf der Lauterer Höhe die so genannte Anschlussförderung im Fokus. Junge Spieler, die an der Schwelle zwischen Jugend und Herrenbereich stehen oder aber bereits Erfahrung in der ersten oder zweiten Mannschaft gesammelt haben, sollen noch stärker gefördert werden. Aufstiegstrainer Jan Gorr und Jugendkoordinator Dorian Wagner bieten für diese hochveranlagten Handballer ein bis zwei zusätzliche Trainingseinheiten pro Woche an. Die „individuelle Weiterentwicklung“ soll dabei eine große Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt, für den „im normalen Mannschaftstraining nicht so viel Zeit ist“.

Doch im Jugendbereich geht momentan in der Halle nichts. Zwar gibt es individuelle Trainingspläne von Klub-Athletiktrainer Philipp Barsties, doch ein reguläres Mannschaftstraining könne damit nicht gleichwertig ersetzt werden, erklärte Dorian Wagner in der HUK-Arena. Dennoch versuche der Verein, dem Nachwuchs vielfältige Möglichkeiten zu bieten, unter anderem durch Impulsvorträge von beispielsweise Carlos Prieto, früherer spanischer Nationalspieler und dreimaliger Champions-League-Sieger. Schließlich gibt es ein großes Ziel, auf das der HSC hinarbeitet. „Der Deutsche Handball-Bund hält an den Plänen fest, die deutsche Meisterschaft der B-Jugend auszutragen“, erläuterte Jugendkoordinator Wagner, „da würden wir gerne als HSC teilnehmen.“

Neben unter anderem Dominic Kelm, der nach seiner aktiven Karriere beim HSC 2000 mittlerweile in der Geschäftsstelle des Klubs arbeitet, ist es Geschäftsführer Jan Gorr gelungen, einen weiteren Profi in anderer Funktion einzubinden. Florian Billek kümmert sich ab Sommer neben seiner Tätigkeit als Rechtsaußen in der ersten Mannschaft um die jüngsten Talente des Klubs. Der 32-Jährige ist ab der nächsten Saison „Koordinator Kinderhandball Sport“.

Der erfahrene Handballer absolvierte einst ein freiwilliges soziales Jahr beim TV Hüttenberg, studierte später Sport- und Fitnessökonomie und schloss das Studium mit dem Bachelor-Abschluss ab. „Es hat mich schon immer gereizt, mit Kindern zu arbeiten“, sagte er am Freitagnachmittag, „wir haben einen Weg gefunden, wie ich weiter Profihandball spielen kann, meine Erfahrung aber auch an die Kleinsten weitergeben kann.“ Damit könne man nicht früh genug anfangen, meint Billek. Der Führungsspieler des HSC möchte den Coaches im Nachwuchsbereich „unter die Arme greifen“, auch punktuell das eine oder andere Training selbst leiten. Das Wichtigste sei aber die Kommunikation mit den vielen erfahrenen Trainern, „die das schon jahrelang machen“, stellt Florian Billek klar. Geschäftsführer Gorr freut sich über die Zusage des Rechtsaußen. „Flo ist eines der Gesichter des Coburger Handballs“, lobt er. Schülerleiter Kevin von Heyking fungiert als „Koordinator Kinderhandball Organisation“, teilt Trainer ein oder steht im Austausch mit den Eltern. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Jan Gorr.

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