Haßberg-Kliniken Kein Kaiserschnitt trotz Beckenendlage

Marco Heumann
Alle Augen auf Bruno, das erste Kind, das in Haßfurt seit gut 15 Jahren aus der Beckenendlage ohne Kaiserschnitt auf die Welt kam mit Mama J. Geuß, Chefarzt Muhammad Nayef (rechts) und Hebamme Birgitta Wohner. Foto: Haßberg-Kliniken/Marco Heumann

Baby Bruno erblickt in den Haßberg-Kliniken das Licht der Welt – und zwar auf natürlichem Wege, was bei einer Beckenendlage eher selten ist: In Haßfurt gab es den letzten Fall vor gut 15 Jahren.

Haßfurt - Seit Juni ist der Gynäkologe Muhammad Nayef neuer Chefarzt der Geburtshilfe der Haßberg-Kliniken. Jetzt sorgte er für seine Premiere im Haßfurter Krankenhaus und brachte erstmals an neuer Wirkungsstätte einen Säugling in Beckenendlage auf die Welt. Für den Chefarzt fast schon Routine.

„Ich habe gestaunt!“ Birgitta Wohner hat in ihren langen Berufsjahren als Hebamme viel erlebt. Aber so etwas schon lange nicht mehr! „Es war richtig aufregend und auch eine besondere Erfahrung für mich, zu sehen wie routiniert der Chef das gemacht hat“, blickt sie auf die Geburt des kleinen Bruno zurück. Der ist der erste Säugling, den Muhammad Nayef im Kreißsaal der Haßberg-Kliniken als Beckenendlage auf natürlichem Weg auf die Welt brachte. Im Haßfurter Krankenhaus gab es das zuletzt vor gut 15 Jahren.

Bisher wurde bei Kindern, die mit dem Steiß statt dem Kopf voraus in der Gebärmutter lagen, eher ein Kaiserschnitt durchgeführt, wenn eine Drehung des Fötus im Mutterleib keinen Erfolg brachte. Dieser liegt bei einer äußeren Wendung bei etwa 50 Prozent. Bei Brunos Mama war genau das der Fall. Dennoch wollte die Unfindnerin ihr zweites Kind als Spontangeburt im Kreißsaal und nicht im OP auf die Welt bringen.

„Ich habe mich ganz bewusst gegen einen Kaiserschnitt entschieden“, berichtet sie und ist froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. „Klar war es wie bei jeder Geburt auch einmal ein bisschen heftig“, schmunzelt sie. „Aber ich war sehr entspannt und habe mich immer sicher und gut begleitet gefühlt.“

Was natürlich auch an Facharzt Muhammad Nayef liegt. Seit Juni dieses Jahres ist der 42-Jährige Chefarzt der Geburtshilfe im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Mit dem Syrer, der aus Minden nach Unterfranken gekommen ist, hat die Region einen echten Experten in Sachen Beckenendlage bekommen.

„Ich habe das sicher schon gut 300 Mal gemacht und es gab noch nie Komplikationen“, berichtet er und schmunzelt. „Für mich ist eine Beckenendlage nicht komplizierter als eine Schädellage.“ In seiner Heimat Syrien – wo er an einem Krankenhaus mit 9000 Geburten im Jahr gearbeitet hatte – hat er sich in einer Fortbildung die Technik für eine Spontangeburt aus der Beckenendlage angeeignet und seitdem regelmäßig angewendet.

„Wenn man es gelernt hat, ist das überhaupt kein Problem“, findet er. Eine Mischung aus vorsichtigen Drehungen und Zugbewegungen hilft dem Säugling, auch mit dem Steiß und den Beinen voraus sicher auf die Welt zu kommen. Einzige Voraussetzung: Bei der werdenden Mama wird die PDA-Spritze gesetzt, damit sie nicht verkrampft. Bei seiner Haßfurter Premiere war es dabei gewiss kein Nachteil, dass der kleine Bruno eigentlich schon ein richtig großer war. 4300 Gramm brachte er als Neugeborener auf die Waage und erleichterte es dem Chefarzt durch sein Gewicht, die Drehungen richtig anzusetzen.

„Das Kind wird quasi von mir durch den Geburtskanal geführt“, beschreibt der erfahrene Gynäkologe seine Technik, die Birgitta Wohner äußerst faszinierend fand. „Er hat das sehr routiniert und sehr professionell gemacht“, lobt sie ihren Chef. Beckenendlagen werden wohl in der Ausbildung und auch in Fortbildungen besprochen. Aber live erleben dürfen Hebammen eine solche Geburt nur selten. „Es gibt nicht so viele Kliniken, die das machen“, berichtet die langjährige Geburtshelferin.

Die Möglichkeit auch bei einer Beckenendlage ohne Kaiserschnitt zu gebären, passt perfekt ins Spektrum der „Behutsamen Geburtshilfe“, für die die Haßberg-Kliniken seit vielen Jahren stehen. In der familiären Atmosphäre und mit der sehr persönlichen Zuwendung des ebenso erfahrenen wie einfühlsamen Teams aus Hebammen, Pflegekräften und Ärzten können werdenden Müttern mögliche Bedenken leichter genommen werden als in großen Kliniken. „Wir versuchen den angehenden Eltern, die Zeit der Schwangerschaft, die Geburt, aber auch die ersten Tage danach so angenehm wie möglich zu machen“, erklärt Muhammad Nayef.

Ein Ziel, das bei Familie Geuß auf jeden Fall erreicht wurde. Schon das erste Kind brachte die Mama von Bruno in Haßfurt auf die Welt und war sehr zufrieden. Dass auch der kleine Bruder im Kreißsaal der Kreisstadt auf die Welt kommen sollte, war keine Frage. „Ich fühle mich hier einfach wohl“, bringt sie es auf den Punkt. Und Bruno? Der lächelt im Schlaf dazu.

 

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