Haßberg-Kliniken Neues Konzept für Ebern und Haßfurt

Das Haus Ebern der Haßberg-Kliniken Foto: Rudolf Hein

Die Haßberg-Kliniken richten ihre beiden Klinikstandorte neu aus. Am Standort Ebern wird ein Zentrum für Altersmedizin entstehen – inklusive dringend benötigten Kurzzeitpflegeplätzen.

Ebern/ Haßfurt - Wie lässt sich das Eberner Krankenhaus trotz sinkender Fallzahlen, einer für Landkrankenhäuser eher suboptimalen Gesundheitspolitik und angesichts der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Lage weiter erhalten? Lange hat man überlegt im Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken, viele Stunden wurde gemeinsam mit Experten an einem Konzept gearbeitet, das sowohl dem Haus Ebern als auch dem Haus Haßfurt eine langfristige Perspektive für die Zukunft bescheren soll.

Ein verstärkter Personalmangel bei Ärzten und Pflegekräften sowie die anstehenden Renteneintritte der Chefärzte Dr. Klaus Riedel in der Chirurgie (Anfang 2022) und Ants Lohmus (Sommer 2021) in der Inneren Medizin am Standort Ebern hatten die seit längerer Zeit ohnehin vorhandenen Überlegungen zu einer Neuausrichtung der Kliniken noch verstärkt. Die demografische Entwicklung rund um Ebern mit einem stark wachsenden Anteil älterer Menschen will man dabei nun nutzen: In Ebern wird ein breit gefächertes Gesundheitszentrum mit einem Fokus im Bereich Altersmedizin entstehen. Darüber informierten Vorstandsvorsitzende Dr. Vera Antonia Büchner, Landrat Wilhelm Schneider, MVZ-Geschäftsführer Wilfried Neubauer sowie die Bürgermeister aus Ebern und Haßfurt, Jürgen Hennemann und Günther Werner, am Mittwoch die geladene Presse. Unter dem Motto „Rundum bestens versorgt im Kreis. Ambulant. Stationär. Pflege.“ wird sich das Haus Ebern im Laufe des Jahres grundlegend neu aufstellen.

Das Haus Ebern soll demnach künftig auf zwei Säulen eine umfassende medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen, so Vera Antonia Büchner. Die Hauptsäule bilde dabei das Zentrum für Altersmedizin mit der stationären internistischen Medizin mit Schwerpunkt für hochbetagte Patienten in der Geriatrie sowie palliativmedizinischer Krankenhausbehandlung. Ab dem Jahr 2022 sollen dort auch 30 Betten für die Kurzzeitpflege sowie einer Übergangspflege in der Inneren Medizin zur Verfügung stehen, um vor allem die Nachsorge der Patienten sicherzustellen.

Im Rahmen des Zentrums für Altersmedizin wird ein allgemeinmedizinisch ausgerichtetes Behandlungskonzept entstehen, das vor allem für ältere und betagte Menschen ausgelegt ist. Konkret sollen hier Patienten betreut werden, die nicht ambulant behandelt werden können, aber auch nicht einer Behandlung in einer Spezialklinik bedürfen. Außerdem soll der Schwerpunkt als demenzsensibles Krankenhaus weiter ausgebaut werden. Die Betten der Wachstation (IMC) bleiben erhalten.

Die zweite Säule ist das bereits etablierte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Ebern mit den Schwerpunkten Innere Medizin und Gastroenterologie sowie Chirurgie mit Durchgangsarztpraxis. Die internistische Grund- und Regelversorgung am Standort Ebern soll unter einem Nachfolger für Chefarzt Ants Lohmus also beibehalten werden. Zur wohnortnahen Versorgung der Patienten soll dort außerdem der ambulante chirurgische Schwerpunkt weiter ausgebaut werden. Die belegärztliche Tätigkeit von Gastroenterologe Dr. Tillman Deist wird fortgeführt. Übernommen wird vom MVZ der Sitz von Orthopäde Dr. Joachim Walter, der sich nach Bad Staffelstein in seine Hauptpraxis verabschiedet. Erweitert werden die Sprechstunden von Prof. Dr. Hartwig, Facharzt für Orthopädie und Chirurgie.

Soweit so gut. Die Neuausrichtung bedeutet aber auch, dass die bisherige stationäre chirurgische Versorgung in Ebern an den Krankenhausstandort nach Haßfurt verlagert wird. Damit soll dort langfristig eine qualitativ hochwertige stationäre chirurgische Versorgung auf hohem Niveau garantiert sein – und damit auch für dauerhafte Wirtschaftlichkeit gesorgt werden. Dazu passt auch der geplante Ersatzneubau der OPs, der 2024 fertig werden soll. Schwerpunkte gibt es in Haßfurt bereits einige: So ist die Zertifizierung zum Schilddrüsenzentrum ist bereits abgeschlossen. Sowohl die Zertifizierung eines Endoprothetik- als auch eines Hernienzentrums wird angestrebt. Zudem wird die Wirbelsäulenchirurgie weiter ausgebaut.

Die Akutgeriatrie in Haßfurt bleibt bestehen; gute Nachrichten gibt es auch für die Gynäkologie: Hier ist mit Muhammad Nayef nun ein Nachfolger für Dr. Kupietz als Chefarzt gefunden, der zum 1. Juni und damit lückenlos seine Arbeit aufnimmt. Die Suche nach einem Nachfolger für Internist Ants Lohmus in Ebern laufe dagegen auf Hochtouren, wie Vorstandsvorsitzende Vera Antonia Büchner berichtet.

„Mit dem neuen Gesundheitskonzept sind wir bestens und zukunftsorientiert aufgestellt“, sagt Landrat Wilhelm Schneider, und erntet dafür Zustimmung von Haßfurts Bürgermeister. Der freut sich besonders auch über die Neubesetzung in der Gynäkologie und zeigte sich „angesichts der Diskussionen der letzten Jahre dankbar, dass die Abteilung nun – hoffentlich – in ruhigere Fahrwasser gerät“, wie Günther Werner formuliert.

Auch nach der Verschiebung der stationären chirurgischen Leistungen an den Standort Haßfurt werde es weiterhin eine Basisversorgung im Bereich Chirurgie über das MVZ Chirurgie Ebern als erste Anlaufstelle geben, so Vera Antonia Büchner: „Die Krankenhäuser in Haßfurt und Ebern sowie das MVZ werden durch die Umstrukturierung weiter zusammenwachsen“, versichert sie.

Die Integration von Altenpflege in ein Krankenhaus wiederum ist ein Pilotprojekt, das nicht nur der Demografie Rechnung trägt, sondern auch den Standort Ebern zu noch mehr Attraktivität verhilft. „So etwas ist an einem Krankenhaus eigentlich nicht üblich“, so Vera Antonia Büchner. Starttermin für die Kurzzeitpflege soll Anfang 2022 mit Renteneintritt von Dr. Klaus Riedel sein.

Über die „zukunftsfähige Neuaufstellung“ freute sich denn auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann. Auch wenn man gewissermaßen einen Teil am Standort Ebern verliere, bleibe doch vor allem die Beibehaltung der Inneren Medizin gerade für die ältere Bevölkerung auf dem Land besonders wichtig.

Bereits am Dienstag wurden die Mitarbeiter von der Umstrukturierung informiert. Betroffen sind laut Vera Antonia Büchner 40 bis 45 Personen, betriebsbedingte Kündigungen schließe man aber aus. Den Mitarbeitern – bislang tätig in den Bereichen Chirurgie, OP, Anästhesie, Labor oder Röntgen – wolle man Wechselangebote in andere Abteilungen machen; auch der Wechsel nach Haßfurt sei eine Möglichkeit. Arbeitsplätze geschaffen werden wiederum in den künftig 30 Plätzen der Kurzzeitpflege, die einen Regelbetrieb im Dreischichtmodell erfordert.

Und deren Bedarf weiterhin enorm sei im Landkreis, so der Landrat. Viele Kurzzeitplätze seien zu Dauerplätzen geworden, Angebote kaum vorhanden. Gerade in den Haßbergen aber werde noch viel zuhause gepflegt, eine Entlastung der Angehörigen sei da immens wichtig, so Wilhelm Schneider. Noch mehr Perspektiven für die Zukunft also. „Wir planen mit mindestens 30 Plätzen“, stellte er fest: „Aber der Bedarf ist eher wachsend, als dass er zurückgeht.“

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