Hassberge Das geht auf keine Kuhhaut

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Es ist unfassbar, was diese Katze hinter sich hat: Ein Tierquäler schießt auf sie mit dem Luftgewehr, schlägt ihr die Zähne aus und brennt ihr Ohr an. Die Polizei rät in solchen Fällen dringend zu einer Anzeige.

Armer weißer Kater: "Pfötchen" hat noch sehr lange damit zu tun, das Erlebte zu verarbeiten. 15 Stiche zieren seinen Rücken. Foto: Kaufmann

Welkendorf - Pfötchen wankt und taumelt, schließlich sucht er sich ein Plätzchen am Ofen und lässt sich nieder. Trotz starker Schmerzmittel sieht man ihm an, dass ihn jede Bewegung Überwindung kostet. Der Kater hat unfassbare Qualen erlebt. "Die Tierärztin geht davon aus, dass jemand mit dem Luftgewehr auf ihn geschossen hat", berichtet Karin Fenn, der das Kätzchen gehört. 15 Stiche waren nötig, die Wunde zu verschließen, die die arme Kreatur am Rücken hatte. Außerdem sind dem Kater einige Zähne ausgeschlagen. Und als ob das nicht genug wäre: Auch sein Ohr weist Spuren davon auf, dass irgendein kranker Mensch daran sein Feuerzeug gehalten haben könnte.

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"Zwei Tage war der Kater weg", erzählt sein Frauchen, das immer noch fassungslos ist. Am Freitag kam das Tier nach Hause gekrochen, mehr tot als lebendig. Und auch nach der ärztlichen Behandlung ist Pfötchen noch immer nicht wieder der Alte. Was Karin Fenn besonders fassungslos macht, ist die gezielte Brutalität. "Es ist nicht so, dass die Katze einen Tritt bekommen hat", so die Welkendorferin, die neben Pfötchen noch zwei Hunde, Pferde, einen Esel und ein paar Wachteln auf ihrem kleinen Hof hält. Sie sei selbst "nicht zimperlich", aber was dem armen Tier hier angetan wurde, müsse sich über einen längeren Zeitraum abgespielt haben. Auf eiskalte, ja fast schon psychisch kranke Gefühllosigkeit muss man hier schließen, das sah auch die behandelnde Tierärztin so.

Diese hat den fünfjährigen Kater zwar wieder "zusammengeflickt", beim Streicheln zuckt er aber trotz starker Schmerzmittel öfter zusammen. Auch das Fressen tut ihm offenbar noch weh. "Im Krankenstand bekommt er jetzt Nassfutter aus der Dose", sagt sein Frauchen und streicht ihm mitfühlend über den Kopf. Den ziert momentan noch ein Trichter, um das Tier davon abzuhalten, an seiner Narbe zu knabbern. Erst übernächste Woche ist er die Fäden und damit den lästigen Trichter los. Ins Freie kann Pfötchen aber ohnehin momentan nicht, noch viel zu unsicher ist er auf den Beinen. Deshalb hat Karin Fenn erst recht Angst, dass es den armen Kerl ein zweites Mal erwischen könnte. "Ich möchte auch alle anderen Katzenhalter im Dorf warnen", erklärt die Welkendorferin ihren Schritt an die Neue Presse. Die meisten im Zehn-Häuser-Dorf sind tierlieb und besitzen selbst einen oder mehrere Vierbeiner, eine solche gezielte Grausamkeit kann sich hier niemand vorstellen. Denn, so betont Karin Fenn noch einmal: Es geht hier um mehr als einen beiläufigen Tritt oder ein geworfenes Holzscheit, wie es doch sicher häufiger in den Dörfern vorkommt. "Hier muss es jemanden fast schon Spaß gemacht haben", schüttelt sie ungläubig den Kopf.

Sehr zu Herzen genommen haben es sich die Kinder der Familie, die natürlich an ihrem "Pfötchen" hängen. Nachdem der Kater ganz gut "im Futter stand", hatte er von Tochter Linda den Zweitnamen "Knödel" erhalten. Das Schicksal des Katers lässt die 13-Jährige natürlich ebenso wenig kalt wie ihre zwölfjährige Schwester Fanny. Entsetzt und unheimlich traurig sind die Mädchen noch heute; was dem Tier in diesen beiden tagen widerfahren ist, mag man sich nicht einmal im Traum vorstellen.

Ganz dringend zur Anzeige rät der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Ebern, Siegbert Weinkauf. "Tiere zu quälen ist etwas ganz Schlimmes", sagt der Polizeihauptkommissar. Er lässt überhaupt keinen Zweifel daran, dass es sich hier keinesfalls um ein Kavaliersdelikt handelt. Gerade die gezielte, mehrmalige Quälerei gehe in diesem Fall über das gerade noch erträgliche Maß weit hinaus. Oftmals würden bei Tierquälereien auch die Halter gemeint, die Tiere aber betroffen sein. "Die armen Viecher müssen das dann aushalten, obwohl sie gar nichts dafür können."

Fälle von Tierquälerei werden bei der Polizeiinspektion Ebern allerdings selten zur Anzeige gebracht. Zuletzt war im Eberner Stadtteil Jesserndorf eine Katze angeschossen worden. Im Oktober 2011 meldeten die Halter von "Raskus" die Tat und erstatteten Anzeige. Ein Unbekannter hatte den Kater offenbar drei Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren angeschossen. Der Täter wurde bislang leider nicht ermittelt, wie Siegbert Weinkauf der Neuen Presse auf Anfrage bestätigt.

Nichtsdestotrotz gebe es im Falle von Tierquälerei nur einen konsequenten Weg: Der Fall müsse zur Anzeige gebracht werden.

Ich möchte auch die anderen Katzenhalter warnen.

Karin Fenn, Frauchen