Haßberge Kaum Erkenntnisgewinn nach Infektionswelle

  Foto: /René Ruprecht

Zwei Wochen lagen die Haßberge an der Spitze der Corona-Tabellen in Bayern. Die Infektionen kamen laut Landratsamt vor allem zu Ostern aus dem privaten Bereich. Eine Bewertung der Welle scheint jedoch schwierig.

Kreis Haßberge - Genauso schnell wie sie angestiegen waren, sind die Corona-Inzidenzen im Kreis Haßberge seit dem vergangenen Wochenende auch wieder gefallen. Gut zwei Wochen waren die Zahlen seit Mitte April in keinem bayerischen Land- oder Stadtkreis höher als hier. Aus Inzidenzen von rund 350 sind mit Stand zum Dienstag (4. Mai, 0 Uhr) wieder 136,3 geworden, zusätzliche Beschränkungen, wie Maskenpflicht und und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen wurden wieder aufgehoben (die NP berichtete gestern).

Laut Pressemitteilung des Landratsamts vom Dienstagnachmittag infizierten sich 17 Menschen neu mit dem Coronavirus und ein weiterer Todesfall wurde gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl der bestätigten Fälle auf 3808 (Stand: 4. Mai, 12 Uhr), 3427 Bürger sind inzwischen wieder genesen. Aktuell mit Corona infiziert sind demnach 296 Personen, 19 davon werden stationär in Krankenhäusern behandelt, sechs davon auf der Intensivstation. In häuslicher Isolation befinden sich 288 Personen. 85 Menschen sind leider im Zusammenhang mit der Infektion verstorben.

Wenn die britische Variante im Familienkreis kursiert

Auf Anfrage der Neuen Presse blickt das Landratsamt auf die überstandene Infektionswelle zurück, wobei sich der Erkenntnisgewinn dabei in Grenzen hält. Wie konnte es zu einem so sprunghaften Ausbruch kommen? Wie kam es dazu, dass sich 60 oder 70 Personen täglich neu infiziert haben? Konkrete Vorfälle bestätigt das Landratsamt dabei nicht, wie aus der Antwort aus dem Büro des Landrats hervorgeht. Ansteckungen seien überwiegend im privaten Bereich erfolgt, teilt Sprecher Michael Rahn mit. Allerdings sei die deutlich erhöhte Ansteckungsrate der Virusmutationen wohl auch ein Grund für den rasanten Anstieg gewesen. Inzwischen wurden 986 Fälle der ansteckenderen britischen Variante des Coronavirus bestätigt. Von der ebenfalls aggressiveren südafrikanischen Variante seien sechs Fälle nachgewiesen, wobei in 27 Verdachtsfällen noch Ergebnisse ausstünden.

Durch die höhere Ansteckungsrate seien im Falle von Ausbrüchen dann auch „in der Regel ganze Familien betroffen“. Als Auslöser stellt das Landratsamt daher in den Raum, dass sich zu viele Menschen an den Feiertagen Anfang April eben nicht an die Kontaktbeschränkungen gehalten haben. „Möglicherweise haben vermehrte private Kontakte über die Osterfeiertage zum Anstieg der Infektionszahlen geführt“, heißt es seitens der Behörde.

Welche Maßnahme wirkte effektiver?

Dass sich dabei besonders Menschen aus einer bestimmten Altersschicht angesteckt hätten, wird jedoch indirekt verneint. Die betroffenen Altersgruppen während des Höchststands vor zwei Wochen und dem jetzt wieder gesunkenen Stand seien gleich verteilt. Mit Abstand der höchste Anteil liege nach wie vor bei den Menschen in der Altersspanne zwischen 35 und 59, gefolgt von den 15-34-Jährigen und den 60-79-Jährigen.

Wegen dieser Ballung in den Erwachsenengruppen stand vor allem einmal mehr die Schließung der Schulen in der Kritik. Schließlich hätten Kinder ja betreut werden können, wenn sich das Infektionsgeschehen hauptsächlich bei Erwachsenen abspielt, so die Meinung vieler überstrapazierter Eltern. Allerdings hätte wegen der starken Verbreitung innerhalb der Familien auch hier die Gefahr für eine erhebliche Ausbreitung auch durch weitere Kontakte kommen können. Daher seien alle Maßnahmen effektiv gewesen, die zur Reduzierung der Kontakte beigetragen hätten. Ob einzelne Beschränkungen im Vergleich zu anderen Maßnahmen mehr oder weniger nützlich gewesen seien, lasse sich in dem kurzen Zeitraum allerdings kaum bewerten, so Michael Rahn.

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