Haßfurt/Kreis Haßberge Das langsame Sterben der Gastronomie

Bernd Andres (Gutshof Andres, Pettstadt), Michael Bayer (Zum Grünen Baum, Theinheim), Erec Jacobson (Hotel Kolb, Zeil) und Dieter Ringelmann (Mambo, Zeil, alle von links) mit einem großen Abstand zum menschenleeren Tisch. Neben dem gedeckten Tisch steht ein Grabkreuz mit der Aufschrift „Gastronomie - Gestorben 2021. Nicht an Corona, sondern an den Maßnahmen“. Foto: René Ruprecht

Das Gastgewerbe im Landkreis Haßberge liegt, wie auch im Rest des Landes, im erzwungenen Dornröschenschlaf. Nun macht DEHOGA Bayern mit einer Aktion auf das Leid der Wirte und Veranstalter aufmerksam.

Kreis Haßberge - Die geschlossenen Hotels und Gaststätten sind mittlerweile im fünften Lockdown-Monat angekommen. Während andere Branchen am 1. März wieder aufmachen durften, warten die Gastronomen weiterhin vergeblich auf die „Wiedereröffnung“. Auch ein Grund für den Bayerischen Hotel- und Gaststätten-Verband (DEHOGA Bayern), Flagge zu zeigen und ein weiteres Signal zu setzen.

Die bayernweite Protestaktion „Gedeckter Tisch“ fand natürlich auch ihren Weg auf den Haßfurter Marktplatz. Die Aktion fand hier am Montag, 1. März, von 10 bis 14 Uhr statt. Die Teilnehmer der „ersten Stunde“ waren Bernd Andres (Gutshof Andres, Pettstadt), Michael Bayer (Zum Grünen Baum, Theinheim), Erec Jacobson (Hotel Kolb, Zeil) und Dieter Ringelmann (Mambo, Zeil). Weitere Kolleginnen und Kollegen kamen während der Aktion dazu beziehungsweise haben gewechselt.

Der 63-jährige Dieter Ringelmann spricht aus, was alle bewegt: „An dieser Situation fällt mir auf, dass kein Mensch da sitzt, weil wir alle nichts mehr zum Sitzen haben, weil wir nicht aufmachen dürfen. Das tut sehr sehr weh.“ Niemand könne mehr planen, weder für den nächsten Tag noch die nächste Woche oder gar für das nächste Jahr. „Das ist ein Riesenproblem. Wir müssen irgendwie auch weiterkommen“, so Ringelmann. „So hart wie es klingt, das ist unter aller Kanone. Ich hoffe, dass sich die Situation bald ändert. So etwas hat es für uns noch nie gegeben.“

Der 62-jährige Michael Bayer stimmt dem zu: „Ich finde, dass die Gasthäuser unter Auflagen wieder öffnen sollten. Wir haben die Hygienekonzepte, bei uns läuft es geregelt ab.“ wenn nicht bald etwas passiere, würden die Leute rausgehen und sich „wild irgendwo treffen, das ist doch viel gefährlicher als bei uns in der Gastronomie“, ist er sich sicher. Und auch Erec Jacobson, 47 Jahre alt, hofft auf eine baldige Öffnung der Gastronomie: „Es ist eine schlimme Situation für uns. Bei uns sind viele in Kurzarbeit. Wir sind auf große Veranstaltungen ausgelegt und nun haben wir kaum etwas zu tun.“ Im vergangenen Jahr habe er zwei Azubis eingestellt, bis dato hätten diese aufgrund der Situation „keine besondere gute Ausbildung. Wir haben zwar unsere To-Go-Küche geöffnet, aber es ist trotzdem sehr problematisch für uns alle.“ Der Lockdown dürfe, so Jacobson, „ nicht mehr lange dauern. Es ist traurig, dass wir keine Perspektive haben, wir werden immer wieder vertröstet. Wir fühlen uns ungebraucht.“ Er hoffe, dass die Angst bei den Menschen nicht zu groß sei, „weil, wenn wir wieder öffnen dürfen, ist es auch keine Garantie, dass es dann wieder boomt.“ Doch auch das Gastgeberische fehlt den Wirten und Veranstaltern. Das macht der 43-jährige Bernd Andres deutlich: „Das tut schon weh, wenn man sich momentan keine Mühe machen darf, den Tisch für unsere Gäste zu decken.“ Er kann die Lockdown-Verlängerungen nicht mehr nachvollziehen. „Unsere Hygienekonzepte haben bereits vor dem November funktioniert. Wir verlieren langsam die Lust am Kochen, wir brauchen die Action in der Küche. Es ist sehr einschläfernd.“ Man fühle sich, so Andres, „ wie ein Langzeitarbeitsloser, der unverschuldet kein Ziel hat.“

Der Bayerische Hotel- und Gaststätten-Verband (DEHOGA Bayern) fordert endlich Perspektiven, klare Kriterien und Bedingungen für die Gastro- und Hotelbranche. Natürlich möchten die Hoteliers und Gastronomen das Lockdown-Ende nicht um jeden Preis erzwingen, denn die Gesundheit steht für alle an vorderster Stelle. Doch trotz allem kann es so nicht weitergehen, da ist man sich einig, denn nicht nur für den Verband ist das Ansteckungsrisiko aufgrund der vorbildlichen Hygienekonzepte innerhalb und außerhalb der Gebäuden sehr niedrig.

 

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