Heilige Drei Könige Sternsingen steht heuer unter andrem Stern

Günther Geiling
In den Häusern tragen die Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit dem Sternträger ihre Gedichte oder Lieder vor und bringen mit Weihrauch und der Aufschrift oder dem Aufkleber an der Tür den Segen für das Haus. Foto: /Günther Geiling

Normalerweise ziehen rund um „Dreikönig“ die „Sternsinger“ von Haus zu Haus. Nicht so aber in diesem Jahr, denn in der Pandemie gelten auch für die Sternsinger andere Regeln.

Breitbrunn - Die Geschichte der „Heiligen Drei Könige“ hat ihren Ursprung vermutlich im Matthäus-Evangelium. Dort ist zu lesen, dass Weise, Magier und Sterndeuter aus dem Osten kamen, um den neugeborenen König durch ihren Besuch ihre Ehre zu erweisen. Ähnlich wie die Hirten waren sie dem am Himmel neu aufgegangenen Stern gefolgt, der sie zum Krippenstall brachte, wo eine besondere Geburt stattfand.

Zahlreiche Legenden und Erklärungsversuche ranken sich um die „Weisen aus dem Morgenland“. So seien sie in einem Grab beigesetzt worden, das von der Heiligen Helena im Jahr 326 gefunden wurde. Im Juli 1164 sollen dann die Gebeine in den Kölner Dom gelangt sein, wo sie seitdem ruhen und als Reliquien im Dreikönigsschrein verehrt werden. Jedes Jahr am 6. Januar wird der goldene Schrein im Kölner Dom geöffnet und hinter einem Gitter werden die Schädel der Heiligen Drei Könige sichtbar.

Den Brauch der Heiligen Drei Könige gab es schon seit dem 8. Jahrhundert, aber erst seit dem 16. Jahrhundert zogen die Sternsinger von Tür zu Tür, um den Menschen die Geschichte von Jesus Christus vorzusingen und zum Dank erhielten die Kinder eine kleine Belohnung in Form von Nüssen und Äpfeln.

Seit dem Jahre 1959 gibt es die Aktion auch in Deutschland, wo sich ab 1961 auch der Bund der Katholischen Jugend beteiligte und sie vom Kindermissionswerk „die Sternsinger“ getragen wird. Rund 300 000 Sternsinger sind unter dem Motto „Kinder helfen Kindern“ alljährlich unterwegs und bringen es in den letzten Jahren jeweils auf rund 50 Millionen Euro an Spendengeldern. Insgesamt sind dadurch schon rund 1,4 Milliarden Euro zusammengekommen und das „Dreikönigssingen“ zählt weltweit zu der größten Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder in der Not engagieren.

Für die “Sternsinger“ bedeutet der momentane Lockdown, dass der Besuch an den Haustüren entfallen muss und damit auch viele Spendengelder verloren gehen. Diözesen und Kirchengemeinden haben gemeinsame Überlegungen angestellt, wie es doch Möglichkeiten gibt, um diesen Tag und der Aktion unter Einhaltung der Hygienebestimmungen gerecht zu werden.

Diakon Joachim Stapf von der Pfarreiengemeinschaft „Maintal/Heilige Länder“ ist dabei der Meinung, dass der Segen deshalb nicht ausfallen müsse, sondern man könne diesen Dreikönigssegen zu einem Fest für die ganze Familie machen. „Segen ist immer dort möglich, wo Menschen miteinander beten oder wo man sich etwas Gutes wünscht.“

So könnte man sich am Dreikönigstag zum Beispiel als Familie am Mittagstisch versammeln, um ein gemeinsames Weihnachtslied zu singen und die Frohe Botschaft nach Matthäus 2,1-12 lesen. Vielleicht sei es auch möglich, kurz darüber zu sprechen und seinen guten Wunsch für das neue Jahr zu formulieren, und dieses mit dem Vaterunser und einem Segensgebet abzuschließen. Danach könne die Familie zur Haustür gehen und den üblichen Segenswunsch, 20 – C+M+B-21 („Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“), mit Kreide an die Tür schreiben oder kleben. Mit dem gemeinsamen Mittagessen werde diese Segensfeier beendet.

Aber was bleibt dann für die Sternsingeraktion, die ja bis 10. Januar nicht stattfinden darf? Hier hatte man bisher auf alternative Formen nach dem Lockdown gehofft, der aber nun aller Wahrscheinlichkeit nach verlängert werden wird. In der Pfarrei tendierte man dazu, „Segenspakete“ zusammenzustellen und sie an alle Haushalte zu verteilen. Darin sollte ein offener Brief sein, ein gesegneter Aufkleber, ein Info-Flyer und ein Spendentütchen für die Sternsingeraktion. Ob dies von den Sternsingern dann an die Türen gebracht wird oder die Sternsinger in diesem Jahr völlig „arbeitslos“ bleiben, ist noch dahingestellt.

Viele Sternsinger sind enttäuscht, weil sie sich nicht auf den Weg machen dürfen. „Es war schön in unseren Kleidern von Haus zu Haus zu ziehen und unsere Gedichte vorzutragen. Die Leute waren dabei immer so froh, lächelten uns an und haben sich bedankt, wenn wir ihnen auch den Segen für ihr Haus gebracht haben“, meint Nicolas, der im vorigen Jahr in die Rolle des Balthasar geschlüpft war und den Weihrauch in der Hand trug.

Amelie kann noch ihr Gedicht vom Melchior mit den Worten: „Der Sohn verließ das Himmelszelt und kam in unsere arme Welt. Wir ziehen heute von Haus zu Haus und rufen seine Botschaft aus.“ Sie fand es einfach schön, mit anderen Ministranten unterwegs zu sein und dafür zu sorgen, „dass diese Tradition nicht vergessen wird, an die Geburtsgeschichte erinnert und den Leuten das Licht gebracht wird. Ich bin enttäuscht, dass dies nicht stattfindet und damit auch vielen armen Kindern die Spenden und das Geld fehlen wird.“

Da die Sternsinger sich nicht als „Drei Könige“ verkleiden, ist auch eine andere Diskussion in den Hintergrund gerückt, bei der mit dem „schwarzen König“ in der Krippe vor einiger Zeit eine Rassismus-Debatte entfacht worden war und Kirchengemeinden den dunkelhäutigen König sogar aus ihrer Krippe verbannten. Dabei stehen doch die Weisen ganz sicherlich dafür, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Völkern Christus verehren. Gemeindereferentin Isabella Friedrich aus Eltmann beispielsweise verbindet mit dem Dreikönigstag die schönsten Weihnachtserinnerungen aus ihrer Kindheit. „In bunten orientalischen Gewändern führten uns die Heiligen Drei Könige die Vielfalt der Menschheit weltweit vor Augen. Wertungen oder Vorurteile kannten wir damals nicht. Auch heute sind die Heiligen Drei Könige für mich ein treffender Spiegel unserer Gesellschaft, zu deren Vielfalt und Buntheit jeder einzelne Mensch einzig durch seine Persönlichkeit zählt.“

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Reinwand aus Ebelsbach und Mutter von vier Kindern vertritt die Meinung, „dass die Drei Könige mit unterschiedlichen Hautfarben dargestellt wurden, um auch zu symbolisieren, dass Jesus von den Gebildeten und Reichen aller damals bekannten Kontinente verehrt und anerkannt wurde. „Wo sind hier die Merkmale des Rassismus erfüllt?“, so Claudia Reinwand. „Es wäre doch viel rassistischer, dies nur Menschen einer Hautfarbe zuzubilligen, oder? Alle bringen Gaben, alle kommen am gleichen Ziel an und verehren und huldigen den neugeborenen Sohn Gottes.“

 

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