Heimatspiel Mönchröden Blüte und Niedergang eines Klosters

Erstmals in diesem Jahrtausend geht das Heimatspiel Mönchröden wieder über die Bühne. 50 Mitwirkende und viele tierische Statisten erzählen vor der historischen Kulisse im Kirchgarten die wechselvolle Geschichte des Benediktinerklosters, dem der Ort seine Existenz verdankt.

  Foto: Heimatverein Rödental

Am Anfang stand ein Mord: Hermann Sterker, Burggraf von Meißen, hatte einen Mann erschlagen und bangte um sein Seelenheil. Um die Tat zu sühnen, gründete er auf den Hügeln bei Mönchröden – das seinerzeit noch Rothine hieß – ein Kloster. Es war der Beginn einer über vierhundertjährigen, sehr bewegten Geschichte. Nicht immer neigten die Mönche zur Askese, zuweilen hingen sie gar dem üppigen Lebensstil des Adels an – mit ruinösen Folgen. Phasen des wirtschaftlichen und moralischen Niedergangs folgten Blütejahre, das Kloster wuchs und überstand sogar den Bauernkrieg unbeschadet. Nicht jedoch die Reformation: 1538 endete die kirchliche Geschichte des Klosters, 1540/41 starben die beiden letzten Ordensbrüder.

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Genau dort, wo diese wechselvolle Geschichte spielt, wird sie bald nachzuerleben sein: Im einstigen Klostergarten des Refektoriums bringt der Heimatverein Rödental das Heimatspiel ab 30. Juni fünf Mal auf die eigens errichtete Bühne. 50 menschliche Akteure spielen die Mönche, Bäuerinnen und Ritter, auch eine Schafherde wirkt mit sowie zwei stolze Rösser, nach denen noch gesucht wird. „Das ist eine große Sache, auch finanziell: Wir kalkulieren mit 30000 Euro“, sagt Ingrid Ott, die das Projekt organisiert und hofft, dass sich die 300 Plätze bietende Tribüne bei allen Vorstellungen füllt.

Fünf Aufführungen seit 1949

Die Rödentaler Heimatpflegerin war bereits vor 24 Jahren dabei, als das Heimatspiel letztmals aufgeführt wurde, damals unter der Leitung von Bernhard Maxara. Gemeinsam mit Harald Tischer, dem Ehrenvorsitzenden des Vereins, suchte sie lange nach einem neuen Spielleiter, der nun gefunden wurde: Stefan Franz bringt Erfahrung mit und war sofort begeistert von dem Vorhaben. Im vergangenen Sommer begann das „Casting“ der Mitwirkenden, seit Jahresbeginn proben sie nun im Saal des Refektoriums, wenn es das Wetter zulässt, auch bereits im Freien.

Das von Gisela Aßheuer 1949 verfasste und von Bernhard Maxara überarbeitete Stück erzählt die Historie in drei Bildern: Zwischen der Gründung des Klosters und seinem Ende lernen die Zuschauer das Dorf Culmone kennen, das einst geflutet wurde, um für das Kloster einen fischreichen See anzulegen. Heimatgeschichte und Dichtung vereinen sich in dem Stück, das seit seiner Uraufführung 1949 nur fünf Mal in Szene gesetzt wurde.

Der spätgotische Kirchenbau liefert die authentische Kulisse, die historischen Kostüme stammen aus dem Fundus des Staatstheaters Meiningen. Doch auch moderne Technik hält diesmal Einzug: Dank Mikroports wird das Publikum jedes Wort verstehen.

Termine: 30. Juni, 1., 2., 7.,8. Juli, 19.30 Uhr, Einlass 18 Uhr, ab 18.30 Uhr Einstimmung mit dem Jugendorchester und Musikverein Rödental. 29. Juni Generalprobe und Schülervorstellung. Vorverkauf zu 12 Euro: Stadt Rödental, Buchhandlungen Stache und Hofmann, Poststelle Bürgerplatz, Agip Tankstelle. Pferdehalter, die ihre Tiere für die Szene der Klostergründung zur Verfügung stellen möchten, können sich bei Familie Ott melden: 09563/50650.

Die Historie

Mönchröden,
der heutige Stadtteil von Rödental, tritt im Jahr 1108 erstmals ins Licht der Geschichte. In einer Urkunde wird das Eigengut des „freien Mannes“ Hermann von Rothine erwähnt. Bedeutung gewinnt der Ort aber erst, als auf der Höhe des Lindenrangens das Benediktinerkloster gegründet wird, das 1149 erstmals urkundlich erwähnt wird. In dieser Zeit sind weit über 30 Dörfer aus der Umgebung ganz oder teilweise fron- und zehntpflichtig. Doch diese strenge Regel des heiligen Benedikt haben in der Folgezeit wohl nicht immer alle Ordensmitglieder ernst genommen. So kam es zu einem Niedergang des Klosterlebens und damit auch zu einem Verfall der Bauwerke. Das Gewölbe im Kirchenchor stürzte ein und auf dem Altar wuchsen Holunderstauden.Um die Mitte des 15. Jahrhunderts griff der Landesherr aus Coburg ein. Zunächst sorgte ein weltlicher Verwalter wieder für Ordnung. Schließlich wurde Ulrich Wöchner - er kam aus St. Aegidien in Nürnberg - als neuer Abt zum Erneuerer des Klosterlebens. In dieser Zeit wurde die Kirche im spätgotischen Stil erbaut, wie sie in der äußeren Gestalt auch heute noch zu sehen ist: Mit dem typischen kleinen Dachreiter, wo man eigentlich einen separaten Glockenturm erwarten würde. Danach wurden noch Abtshaus und Refektorium errichtet. Das war aber schon die Zeit, in der die Gedanken der Reformation im Coburger Land Einzug hielten. Als Abt Nikolaus Hielbrand 1525 starb, wurde kein Nachfolger mehr eingesetzt. Während des Bauernaufruhrs sind Mönche aus dem Kloster entwichen, wohl mehr aus Furcht denn als Anhänger Luthers. 1538 wurde das Kloster Mönchröden endgültig in weltliche Verwaltung übernommen. Im Abtshaus residierte nun der Domänenpächter, das Refektorium wurde zum Wirtschaftsgebäude umfunktioniert. Die nun evangelische Gemeinde Mönchröden wurde von Einberg aus kirchlich versorgt.