Hesselbach Wenn der Nikolaus mit dem Quad kommt

Heike Schülein

Seit rund 50 Jahren findet alljährlich in Hesselbach am Nikolaustag eine Feier mit Bescherung statt. Heuer gingen der Nikolaus und sein Knecht Ruprecht „neue Wege“.

Hesselbach - Lautes Hupen durchdringt an diesem späten Montagnachmittag die Ruhe im Hesselbacher Ortsbereich und kündigt besonderen Besuch an: Der Nikolaus höchstpersönlich hat sich - wie jedes Jahr - an seinem Ehrentag zusammen mit seinem gestrengen Knecht Ruprecht im schmucken Bergdorf eingefunden. Während das himmlische Duo sonst dem Nachwuchs des Orts alljährlich „Am Plan“ seine mit Spannung herbeigesehnte Aufwartung macht, gibt es für die Kinder heuer – der aktuellen Situation geschuldet – einen „Nikolaus to go“ und Geschenke frei Haus…

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Ganz „to go“ waren die beiden göttlichen Gesandten bei ihrer Tour im Freien natürlich nicht unterwegs. Zum Tragen wären die vielen Geschenke – in Hesselbach gibt es ja bekanntlich besonders brave Kinder – auch zu schwer gewesen. So ließen sich die Beiden auf einem rasanten „Schlitten der anderen Art“ - sprich auf einem mit bunten Paketen und Nikolaustüten randvoll gefüllten Anhänger der örtlichen Feuerwehr - durch die Straßen fahren. Chauffiert wurden sie auch nicht von Rentieren oder Pferden, sondern, ganz auf Höhe des 21. Jahrhunderts, von einem Quad.

Ein Fest fürs ganze Dorf

„Wir wollten nicht, dass die schöne Tradition noch ein Jahr ausfallen muss“, erklärt der Nikolaus (Alexander Hoderlein) mit seinem langen weißen Bart, rotem Mantel, Mitra und goldenem Stab die heuer etwas andere Bescherung. Seit rund 50 Jahren findet Jahr für Jahr auf Einladung der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr und des Musikvereins am Nikolaustag eine kleine kuschlig-heimelige Feier neben dem großen Dorfchristbaum statt. Zunächst wurde diese etwa 30 Jahre lang im Hesselbacher Gemeindehaus abgehalten, bevor man sie vor rund 15 Jahren an den weihnachtlich geschmückten Dorfmittelpunkt verlagerte. Längst hat sich daraus ein Fest fürs ganze Dorf entwickelt, zu dem viele Besucher auch aus anderen Ortschaften kommen. Ein solches Zusammentreffen wäre heuer leider erneut nicht möglich gewesen. „Wir wollten aber den Kindern ihren Nikolaus nicht noch einmal vorenthalten“, erzählt der Heilige Mann. So entschied sich die Wehr, den Kindern ihre Geschenke an der Haustüre zu übergeben. Viele Eltern, die die Tüten und Pakete vorher im Feuerwehrhaus abgeben konnten, hatten dabei den Wunsch geäußert, dass der Nikolaus unbedingt kommen soll - auch, um den Kindern wenigstens ein bisschen Normalität zu bieten.

So musste sich das vorher selbstverständlich „frisch“ Corona-getestete himmlische Duo dann auch ganz schön sputen, um die insgesamt 23 Jungen und Mädchen im Viertelstunden-Takt zu bescheren. Erneut hatten sich dabei auch auswärtige Kinder, unter anderem aus Rothenkirchen, Seelach, Marktrodach, Steinberg und Welitsch, bei Opa und Oma oder anderen Verwandten in froher Erwartung eingefunden. Nachdem der Nikolaus klingelte, traten diese sodann vor die Haustüre oder in den Vorgarten.

Lob von Nikolaus, Kritik von Knecht Rupprecht

Wenn der Heilige Bischof sein goldenes Buch aufschlug, verhieß dies fast ausschließlich Gutes. Immer wieder lobte er die Jungen und Mädchen, wie fleißig und artig sie doch seien und wie hilfsbereit gegenüber ihren Mitmenschen. Sie helfen zuhause ihren Eltern oder Großeltern im Haushalt und kümmern sich um jüngere Geschwister. Viele können sogar schon im Kindergarten-Alter prima rechnen und ihren Namen schreiben. Besonders beliebt machten sich einige Kinder, als sie ihm selbst gemalte Bilder und sogar Leckereien schenkten. Jede Menge Pluspunkte sammelten auch die die Mitglieder der Hesselbacher Kinder-Feuerwehr, die später einmal Menschen in Not helfen möchten.

Natürlich gab es auch Kleinigkeiten, die man noch verbessern könnte. So schwang der gestrenge Knecht Ruprecht (Kilian Piontek) hin und wieder seine Rute oder stapfte mit seinen Stiefeln auf, wenn der Nikolaus die ein oder andere „Schandtat“ des Betroffenen vorlas. Dauerthemen waren dabei auch heuer das Aufräumen, Gehorsam, der Gebrauch von Schimpfwörtern, zu viel Fernsehen und ständiges Daddeln auf dem Handy. „Geht lieber hinaus an die frische Luft“, ermahnte der Nikolaus die Kinder – und auch zum Thema zu viele Süßigkeiten hatte er seine eigene Meinung: „Gemüse schmeckt auch lecker!“ Einige sollten weniger knautschig, aufmüpfig und bockig sein.

Verständnis für kleine Schwächen

Trotzdem zeigte der gütige Bischof durchaus Verständnis für die kleinen Schwächen der Kinder, die im Großen und Ganzen richtig brav sind und ihren Eltern viel Freude bereiten. Zudem gelobten auch alle durchaus schuldbewusst dreinschauenden Getadelten Besserung. So gab es auch für sie tolle Geschenke, sodass der Anhänger des Feuerwehrautos gleich mehrmals nachgeladen werden musste.

So schön der Hausbesuch auch war, hofft man in Hesselbach doch, im kommenden Jahr den Nikolaustag wieder in gewohnter Art und Weise begehen zu können – bei fröhlichen Klängen des örtlichen Musikvereins, einer Tasse warmen Glühwein; vor allem aber in guter Gemeinsamkeit und bei netten Gesprächen.