Hilfe für notleidenden Zirkus Hilfe dringend gesucht

Pfarrer Heinrich Arnold aus Untersiemau sammelt Spenden für eine Zirkusfamilie in finanzieller Not. Für ihn ist die Aktion eine besondere Herzensangelegenheit.

Untersiemau - Pfarrer Heinrich Arnold will es wenigstens versuchen. Er weiß, dass in diesen seltsamen Zeiten überall Hilfe dringend nötig ist; vorerst aber hat er sich ein ganz besonderes Herzensprojekt zur Brust genommen – und will nun eine möglichst umfassende finanzielle Unterstützung für den Circus Baroness auf die Beine stellen. Kennengelernt hatte der Geistliche die Zirkusfamilie im Jahr 2019, als Angelo und Joena Buch mit ihrem Team in Untersiemau zum Weihnachtsgastspiel Station machten. Im darauffolgenden Sommer folgte ein weiteres Gastspiel in Maroldsweisach, Pfarrer Arnold taufte dort die jüngste Tochter des Schaustellerpaares im Zirkuszelt. Die Herzlichkeit der Familie hat bei ihm tiefen Eindruck hinterlassen – und deshalb möchte er nun unbedingt helfen. „Weil sie am Abgrund stehen“, verdeutlicht er.

Mit dem Beginn der Pandemie sei für die Zirkusfamilie alles weggebrochen. „Das reut mich in der Seele. Das ist ein Familienunternehmen – die Familie macht alles selbst. Plakate kleben, Tierdressuren, Akrobatik.“ Bereits in der Vergangenheit hatte sich der Pfarrer daher für die Familie eingesetzt und beispielsweise über befreundete Landwirte Futter für die Tiere besorgt. Als die Schausteller im Februar die Haftpflichtversicherung für einen Lkw nicht mehr aufbringen konnten, sprang durch seine Vermittlung die Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche Deutschland mit Sitz in Hofheim am Taunus ein. Nun aber sind überall die Kassen leer, auch bei der Seelsorge. Pfarrer Heinrich Arnold ruft daher zu Spenden aus der Bevölkerung auf, um der Familie Buch zu helfen. Denn dort gibt es erneut Probleme: Eine der Zugmaschinen ist ausgefallen.

Um zu ihrem aktuellen Spielort in Kassel zu kommen, musste die Familie daher mehrmals die Strecke fahren, um alle Tieranhänger und Wohnwagen zum Ziel zu bekommen. „Elf Mal, statt sechs Mal“, berichtet Joena Buch. Die 31-Jährige ist in den Zirkus hineingeboren und sagt: „Wer einmal Sägespäne in den Schuhen hatte, der bekommt sie nicht mehr raus.“ Der Zirkus ist ihr Leben; fest wohnen, das könnte sie nicht. „Natürlich sieht man abends die Häuser, in denen Licht brennt und wo der Fernseher läuft. Dann denke ich – da würde ich auch gerne sitzen. Aber ich könnte das nicht, ich würde krank werden“, ist die Akrobatin überzeugt. Ihre drei Töchter im Alter von vier, sechs und neun Jahren stehen ebenfalls bereits in der Manage. Sie selbst hat mit der Artistik angefangen, als sie fünf Jahre alt war. „Luftakrobatik und Hula Hoop“, zählt die 31-Jährige auf. Der große Weihnachtswunsch ihrer Töchter? Ein Zirkus von Playmobil.

Dass sich nun die Situation ausgerechnet vor Weihnachten wieder so sehr verschlimmert, damit hatte die Familie nicht gerechnet. „Ich hoffe nicht, das es wieder so schlimm wird, das wir von Haus zu Haus gehen und um Spenden bitten müssen“, meint sie und fügt hinzu: „Ohne eine zweite Zugmaschine sind wir stillgelegt.“ Ein neuer LKW aber kostet mehrere tausend Euro; Geld das die Familie momentan einfach nicht aufbringen kann.

Ob ihr Zirkus in Kassel wegen der sich stetig verschlimmernden Coronalage überhaupt auftreten darf, weiß noch niemand. Regelmäßig fragt Joena Buch bei der Gemeinde nach; dort habe man ihr zuletzt gesagt, sie solle mit der Süßwarenbestellung sicherheitshalber noch ein wenig warten. Denn auch die Süßigkeiten wären Auslagen, die sie vermeiden könnten – müssten alle Auftritte pandemiebedingt ausfallen. Alleine das Futter für die 25 Tiere – Ponys, Lamas, Hunde, „ein bunt gemischter Streichelzoo“ – kostet pro Tag mindestens 50 Euro. „Gott sei Dank mussten wir noch keines unserer Tiere abgeben. Sie sind uns allen sehr ans Herz gewachsen, wir haben sie ja von klein auf“, meint Joena Buch.

Immerhin hat die Zirkusfamilie in Pfarrer Heinrich Arnold einen engagierten Unterstützer gefunden. Das gibt auch Joena Buch Hoffnung. Und Heinrich Arnold sagt: „Ich bemühe mich, zu helfen – weil diese Familie am Abgrund steht. An diese Menschen denken ganz wenige Leute .“ Es war ihm deshalb ein Herzensanliegen, das Konto seiner Gemeinde für Spenden freizugeben. Gerichtet sei der Aufruf an alle, die helfen wollen – damit die Familie wieder eine Perspektive bekomme.

Weitere Infos: Salvatorgemeinde Untersiemau

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