Wo vorher Häuser standen, sei jetzt nichts mehr außer Lehmboden. „Die Leute haben kein Wasser, keine Toilette, keinen Strom, einfach nichts“, beschreibt Anita Stretz. „Aber sie leben, das ist das Wichtigste.“ Die große Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Betroffenen und Helfern hat sie nachhaltig beeindruckt. Und vor allem auch die Anerkennung Fremder, die sich bei den Helfern für deren Einsatz mit besonderen Gesten bedankt haben.
Stretz: „Auf der Fahrt in Einsatzgebiete standen plötzlich Menschen am Straßenrand und haben uns applaudiert und den Daumen in die Höhe gereckt.“ Die Helfer hätten die Dankbarkeit der Menschen für ihren Einsatz und ihre Anreise aus Bayern gespürt. Andere haben den Helfern einfach Dutzende Pizzas zum Essen vorbeigebracht. „Das hat mich sehr berührt, dass wir von Außenstehenden so viel Anerkennung bekommen haben.“
Von der Hilfsbereitschaft völliger Fremder war auch Alex Toni von der Bereitschaft Memmelsdorf und Helfer in der SEG „Technik und Sicherheit“ beeindruckt. „Da sind Hunderte Leute aus ganz Deutschland angereist, hatten Schaufel, Schubkarre und Gummistiefel dabei und haben bei Wildfremden den Dreck aus deren Häusern geschaufelt.“ Für Toni war es keine Frage, selbst mit dem Hilfeleistungskontingent nach Rheinland-Pfalz zu fahren. „Für so etwas trainiert man jahrelang, jetzt kann man helfen.“
Ganze Dörfer sind ausgelöscht
Maximilian Wüstenberg, Mitglied bei der BRK-Bereitschaft Ebern und Helfer in der SEG Transport spricht das Hochwasser vor zwei Wochen in Ebern an, bei dem Teile der Innenstadt überflutet wurden. „Wenn man dann im Katastrophengebiet steht und die massive Zerstörung sieht, fragt man sich: Kann einen so etwas auch selbst mal treffen?“ Das sei angsteinflößend, meint der Eberner. „Solche Bilder kann man sich in Deutschland einfach nicht vorstellen. Ganze Dörfer sind ausgelöscht. So stelle ich mir ein Kriegsgebiet vor.“
Jetzt nach der Rückkehr aus dem Katastrophengebiet versucht jeder für sich, das Erlebte zu verarbeiten. Die meisten gehen schon wieder wie selbstverständlich ihrem Beruf nach, reden mit Familie oder Freunden über das Erlebte oder betrachten Fotos aus dem Katastrophengebiet, um dadurch nach und nach realisieren zu können, was sie nur kurz zuvor live gesehen, aber womöglich nicht verstanden haben. Diese Bilder werden sie ein Leben lang begleiten und sich tief in ihr Gedächtnis graben, so wie die reißende Flut in den rheinland-pfälzischen Boden.