„Wahrscheinlichkeit aktuell bei 80 bis 90 Prozent“
„Die Chancen für einen größeren Einstrom in den kommenden Wochen sind so hoch wie schon lange nicht mehr“, erklärt Michael Naumann, einer der Koordinatoren des IOW-Langzeitbeobachtungsprogramms. „Nach den hier bei uns am IOW berechneten Zeitreihen zu Salzwassereinstrom-Ereignissen in die Ostsee liegt die Wahrscheinlichkeit aktuell bei 80 bis 90 Prozent“, so Naumann.
Kalter Wintereinstrom wichtig für Tiefenwasser
Eine Besonderheit eines möglichen großen Einstromereignisses im späten Winter liegt in den niedrigen Temperaturen des einströmenden Nordseewassers. „Wenn der Einstrom jetzt kommt, hätte dies gleich zwei Effekte, die für die tiefen Ostseebecken von Bedeutung sind“, konstatiert Volker Mohrholz, stellvertretender Leiter der IOW-Abteilung Physikalische Ozeanographie, hervor.
„Kaltes Wasser kann deutlich mehr Sauerstoff aufnehmen als warmes und würde damit – bezogen auf sein Volumen – überdurchschnittlich viel Sauerstoff in die tiefen Becken transportieren. Außerdem könnte ein Einstrom ausreichender Intensität die seit rund zwei Jahrzehnten anhaltend erhöhten Tiefenwassertemperaturen in den zentralen Ostseebecken beenden“, erläutert Mohrholz.
Verstärkte mikrobielle Aktivität
Gegenwärtig führen die erhöhten Temperaturen zu einer verstärkten mikrobiellen Aktivität in diesen Tiefenbereichen. Das beschleunigt den Abbau organischer Substanz, etwa abgestorbene, herabgesunkene Algenblüten, und geht mit einer erhöhten Sauerstoffzehrung einher.
Unter anderem macht mangelnder oder komplett aufgezehrter Sauerstoff tiefe Wasserschichten für Fische und andere höhere Lebewesen unbewohnbar und kann auch zur Freisetzung von Nährstoffen aus dem Sediment und damit zu einer internen Nährstoffbelastung der Ostsee führen.