Nur in rosaroten Farben will Wenzel die Zukunft jedoch nicht malen. Er verweist auf den israelischen Schriftsteller Yuval Noah Harari, der mit seinem Buch „Homo Deus“ Aufsehen erregte. Der Historiker warnt davor, ungebremst und unkritisch auf den technischen Fortschritt zu setzen. Der Mensch erlangt, so beschreibt es Harari, mithilfe von Wissenschaft und Technik gottgleiche Fähigkeiten – schöpferische, aber auch zerstörerische. Mensch-Maschine-Hybriden und intelligente Computer – was passiert eigentlich, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? Auch diese Frage wirft Harari auf.
Mancher – etwa der Google-Futurist Ray Kurzweil – träumt gar von der Unsterblichkeit. Und zwar durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine. So weit möchte Trendforscher Wenzel dann doch nicht gehen. Aber er prophezeit, dass sich das Lebensalter immer weiter nach hinten verschiebt. „Wir werden künftig viel mehr 90- und 100-Jährige haben.“
Im Hinblick auf Hararis „göttlichen Menschen“ mahnt Wenzel: „Wir müssen in vielen Bereichen genau überlegen, wie weit wir gehen wollen.“ Und noch etwas betont er: Die Digitalisierung ermögliche rasche Konsum- und Bedürfnisbefriedigung. Ein rücksichtsloser Individualismus sei aber höchst problematisch. „Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft.“ Dann seien Menschen glücklicher, sagt er und verweist auf entsprechende Studien.