Hof Sparkasse Hochfranken schließt Filialen

Die Sparkasse Hochfranken schließt 2021 vier Geschäftsstellen. In anderen bisherigen Filialen stehen künftig nur noch Geldautomaten. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Hof - Das Geschäftsstellennetz der Sparkasse Hochfranken schrumpft im kommenden Jahr deutlich. Das Geldinstitut wird, wie es am Montag bekannt gegeben hat, vier Filialen schließen, drei weitere werden in Selbstbedienungs-Standorte mit Geldautomaten umgewandelt. Andere SB-Standorte werden aufgelöst. Nach den Schließungen verbleiben im Geschäftsbereich der Sparkasse Hochfranken 36 Geschäftsstellen und fünf SB-Filialen.

Zahlen zum Online-Banking

Ein wesentlicher Grund für die Filialschließungen ist die Zunahme des Online-Bankings. Bei der Sparkasse Hochfranken ist die Zahl der Online-Banking-Verträge von 51 400 im Jahr 2018 auf aktuell 62 116 gestiegen. "Entsprechend weniger Kunden kommen in unserer Filialen", stellt Vorstand Andreas Pöhlmann fest.

51 710 Kunden verfügen mittlerweile über ein elektronisches Postfach, das Kontoauszüge, Kreditkarten-Abrechnungen und Ähnliches bereitstellt. Im Jahr 2018 waren es noch 44 300.

Die Banking-App wird von 23 710 Kunden genutzt, im Jahr 2018 waren es 14 400.

Im Einzelnen sehen die Pläne Folgendes vor:

Geschlossen werden die Geschäftsstellen Hof-Münster zum Jahresbeginn 2021 sowie Tauperlitz und Zell im Landkreis Hof und Höchstädt im Landkreis Wunsiedel zum 1. Februar. Damit zieht sich die Sparkasse Hochfranken aus Tauperlitz, Zell und Höchstädt komplett zurück, denn es gibt dort künftig auch keine SB-Standorte. Vorstand Andreas Pöhlmann betont, dass es sich dabei um "Kleinst-Geschäftsstellen" handelt. In Zell zum Beispiel arbeiten rechnerisch 1,4 Vollbeschäftigte.

Die Geschäftsstellen Schauenstein, Marktredwitz-Brand und Selb- Vorwerk werden zum 1. Februar in Selbstbedienungs-Standorte umgewandelt.

Die bisherigen SB-Standorte Issigau und Hohenberg an der Eger werden im Laufe des Jahres ebenfalls geschlossen. Somit zieht sich die Sparkasse auch hier komplett zurück - wobei derzeit Gespräche mit möglichen Partnern geführt werden, die "Cash-Terminals" anbieten könnten, wie es sie zum Beispiel an Supermarktkassen gibt.

Die bisherigen SB-Filialen in Helmbrechts, Naila, Schwarzenbach an der Saale und Selb-Erkersreuth werden zum 1. Februar in die örtlichen Beratungscenter "integriert", wie es in einer Mitteilung heißt. Das bedeutet, dass die SB-Standorte aufgelöst werden, während die Beratungscenter erhalten bleiben.

Die Öffnungszeiten aller Geschäftsstellen werden zum 1. Februar laut Mitteilung "geringfügig angepasst": Morgens und mittags werden sie um jeweils eine halbe Stunde gekürzt. Die stärkste Kundenfrequenz herrsche von 9 bis 10 Uhr, erklärt dazu Vorstandsvorsitzender Andreas Pöhlmann im Frankenpost-Gespräch.

Neun kleinere Geschäftsstellen - Stammbach, Berg, Konradsreuth, Geroldsgrün und Feilitzsch sowie Nagel, Tröstau, Röslau und Schirnding im Landkreis Wunsiedel - bleiben künftig am Mittwochvormittag geschlossen. Zu diesen Zeiten sind Beratungen in Notfällen noch möglich beziehungsweise nach Terminvereinbarung.

Betriebsbedingte Kündigungen wird es durch die Veränderungen nicht geben, kündigt die Sparkasse an. Die betroffenen Mitarbeiter würden "zusammen mit den Kunden" zu benachbarten Geschäftsstellen wechseln. Von den Schließungen sind 16 Beschäftigte betroffen. Insgesamt beschäftigt die Sparkasse Hochfranken etwa 700 Mitarbeiter, die 200 000 Kunden betreuen.

Vorstandsvorsitzender Andreas Pöhlmann sagt im Frankenpost-Gespräch zu den Schließungsplänen: "Wir machen uns solche Entscheidungen nicht leicht." Die Sparkasse müsse - "wie jedes andere Unternehmen, das nachhaltig erfolgreich am Markt bestehen will" - ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot regelmäßig "an die allgemeine Marktsituation, an regionale Gegebenheiten und an das Verhalten der Kunden anpassen". Die Beschlüsse zur erneuten Verkleinerung des Filialnetzes - die letzten Schließungen liegen sechs bis sieben Jahre zurück - beruhten auf der Auswertung verschiedenster Daten, von der Kundenfrequenz über die Nutzung von Service-Leistungen bis zu den Onlinebanking-Quoten.

Ein Trend setze sich dabei seit vielen Jahren beständig fort und erreiche nun durch die Corona-Krise einen neuen Höhepunkt: "Immer mehr Menschen nutzen Online-Banking; immer weniger kommen in die Filiale", erklärt Pöhlmann.

Der Vorstand nennt dazu Zahlen aus einer Befragung: 36 Prozent der Teilnehmer haben seit Beginn der Corona-Krise mehr Bankgeschäfte online abgewickelt und werden das zukünftig beibehalten. 44 Prozent der Befragten haben seit Beginn der Pandemie häufiger als vorher kontaktlos bezahlt. 43 Prozent gaben an, sie würden ihre Bankgeschäfte zukünftig überwiegend online abwickeln, möchten aber dennoch einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort haben.

Ein weiterer Punkt: Die Einwohnerzahl - und damit auch die Kundenzahl der Geldinstitute - nimmt in der Region weiter ab. Pöhlmann verweist auf jüngste Zahlen aus dem Landkreis Wunsiedel: Dieser hat aufgrund des sogenannten Sterbeüberschusses in nur einem Jahr 752 Einwohner verloren. "Man muss davon ausgehen, dass die Hälfte davon zu unseren Kunden gezählt hat", macht Pöhlmann deutlich.

Auch zunehmende Regularien, die hohen geforderten Eigenkapitalquoten und die anhaltende Niedrigzinsphase würden die Ertragslage der Geldhäuser belasten, auch die der Sparkasse Hochfranken. Deren Bilanz 2019 weist einen Rückgang des Zinsüberschusses in Höhe von 4,6 Prozent aus.

Die stetig nachlassende Kundenfrequenz in den Häusern ist auch Grund für die Auflösung von SB-Filialen. Andreas Pöhlmann erklärt: Zur Auslastung eines Geldautomaten seien pro Jahr etwa 60 000 "Verfügungen" (also beispielsweise Geldabhebungen) nötig; bei den SB-Stellen, die nun geschlossen werden, seien es jeweils nur etwa 10 000 pro Jahr.

Pöhlmann unterstreicht, dass die Sparkasse Hochfranken im Vergleich zur Konkurrenz in ihrem Geschäftsgebiet auch künftig die größte Dichte von Geschäftsstellen aufweisen könne: Etwa jede zweite Filiale, die mit Mitarbeitern besetzt ist, sei eine Sparkassen-Filiale.

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