Holocaust-Mahnmal Ein Koffer voll Schmerz und Erinnerung

Christiane Reuther
Gemeinsam mit Künstler Hannes Betz (links), Pfarrerin Doris Otminghaus (verdeckt), Pfarrer i. R. Siegfried Vogt (rechts, vorne), enthüllte Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus ein Mahnmal zum Gedenken an die jüdische Gemeinde in Westheim. Foto: /Christiane Reuther

In Westheim gibt es jetzt ein Mahnmal. Es erinnert an die jüdische Bevölkerung des Knetzgauer Gemeindeteils. Mindestens 17 Menschen, die 1933 hier gelebt hatten, wurden von den Nazis ermordet.

Knetzgau - Einen Koffer und um den Hals ein Schild, auf dem der Name, das Geburtsdatum und die Kenn-Nummer geschrieben waren – das war alles was die jüdischen Bürgerinnen und Bürger mitnehmen durften, bevor sie vor über 80 Jahren ihren Heimatort Westheim verlassen mussten. In Erinnerung daran und an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 fand am Dienstag mit Eintritt der Dunkelheit im Knetzgauer Gemeindeteil Westheim seitens der politischen und kirchlichen Gemeinde eine Gedenkfeier statt. Damit verbunden war die Enthüllung eines Mahnmals.

Ein symbolischer Koffer aus Metall, den der Westheimer Künstler Hannes Betz anfertigte, soll an die Vertreibung erinnern. Ein weiterer Koffer steht in Würzburg am zentralen Denkmal am Hauptbahnhof. Eine Infotafel im Gedenken an jüdische Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Westheim, die hier damals gelebt haben, und ein Davidstern runden das Mahnmal an der Eschenauer Straße in Westheim ab.

Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger wurden gedemütigt, beraubt und aus ihrem Heimatort vertrieben. Mindestens 17 Menschen, die 1933 in Westheim gelebt haben, ließ der NS-Staat ermorden. Für jeden dieser 17 Deportierten wurde eine Kerze entzündet und deren Namen vorgelesen. Gebete sprachen die evangelische Pfarrerin Doris Otminghaus und der katholische Pfarrer i. R. Siegfried Vogt.

Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus erinnerte an die 43 jüdischen Bürgerinnen und Bürger, darunter fünf schulpflichtige Kinder, die 1933 in Westheim lebten. Repressionen zwangen jüdische Gemeindemitglieder zur Auswanderung nach England, in die USA oder nach Palästina. Acht Personen verstarben zwischen 1933 und 1942 im Ort. Die verbliebenen jüdischen Bewohner mussten im September 1940 ihre Häuser aufgeben und in einem einzigen Gebäude zusammenziehen. Dort wurden ein Jahr später auch noch vier Personen aus Haßfurt eingewiesen.

Entrechtung, Ausgrenzung und Beraubung hätten Juden in Deutschland schon in den Jahren zuvor auf das Schlimmste erfahren müssen, so der Bürgermeister in seinen Ausführungen. Die Reichspogromnacht vom 9. November sei auch in Westheim grauenvoll in Erinnerung geblieben. SA-Leute aus der näheren Umgebung zerstörten jüdisches Eigentum, schlugen die meist älteren Frauen und Männer und brandschatzten.

Insgesamt fünf Deportationen wurden seit Anfang 1942 aus Unterfranken durchgeführt. Wer die anfangs katastrophalen Zustände in den Lagern überlebte, der wurde Wochen später in die Vernichtungslager weiterverschleppt und dort ermordet.

Die Gedenkfeier ließ die Anwesenden innehalten, um sich deutlich vernehmbar an die unmenschlichen Verbrechen zu erinnern. Durch das Aufstellen des Mahnmals soll verdeutlicht werden, nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschieht. Der Koffer soll daran erinnern, dass in Westheim über Jahrhunderte drei Religionen friedlich zusammen lebten und dieses Zusammenleben durch die Vertreibung, Misshandlung und Ermordung brutal beendet wurde.

Bürgermeister Stefan Paulus dankte der Initiative Denkort Aumühle, die sich um das Gedenken der in Unterfranken ermordeten Juden kümmert.

 

Bilder