Homeoffice und Digitalisierung Schöne neue Arbeitswelt

Was zunächst eine Notlösung war, wird für viele Unternehmen immer attraktiver. Die Corona-Krise wirkt wie ein Entwicklungsbeschleuniger für Homeoffice und Digitalisierung. Doch beides hat nicht nur Vorteile.

Baby und Homeoffice – nicht immer funktioniert das so entspannt wie hier. Foto: Jelena/Adobe Stock

Hof - Zwei Studien, zwei Perspektiven und ein Ergebnis. Mitarbeiter und Unternehmer sind zufrieden damit, wie sie durch die Krise kommen. Zumindest überwiegend. Während die Bertelsmann-Stiftung sich auf die Sichtweise der Beschäftigten konzentriert und darauf, wie zufrieden sie mit der Reaktion ihres Betriebs auf die Corona-Krise sind, nimmt eine Studie der Hochschule Hof die Personaler in den Blick. Darin wird deutlich: Es war nicht immer einfach, heute die Arbeit von morgen zu organisieren. Geld, Verantwortung und Vertrauen waren nötig, nicht immer war alles davon gleichzeitig vorhanden. Denn – nicht jede Branche kommt gleichgut durch die Krise.

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Der Handel ist am stärksten betroffen, schließlich herrscht dort seit Monaten ein strenger Lockdown. Das ist allgemein bekannt – nur möglicherweise falsch. Für die Studie „Coronafolgen im Personalmanagement“ wurden im Auftrag der Hochschule Hof 52 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen befragt. Jedes von ihnen gab an, dass es im Schnitt einen Auftragsrückgang von 22,2 Prozent zu verkraften hatte. Händler und Dienstleister schätzten ihre Verluste dabei mit minus 16,5 beziehungsweise minus 13,1 Prozent deutlich geringer ein. Dabei weisen die Macher der Studie darauf hin, dass unter den Befragten auch Versandhändler, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater vertreten waren – alles Branchen, die durch die Pandemie sogar profitieren konnten. Doch egal wie stark sie selbst betroffen sind: Viele sehen die Krise auch als Entwicklungsbeschleuniger für die Arbeit von Morgen. „New Work“ nennen Joachim Riedl und Stefan Wengler, die Macher der Studie, die neue Art zu arbeiten. Übersetzt heißt es soviel wie: Homeoffice und Digitalisierung.

Homeoffice wird immer beliebter

Vor der Pandemie war der Anteil an Beschäftigten, die ihre Arbeit hauptsächlich von zu Hause verrichten, gering. Nur 8,3 Prozent der befragten Unternehmen gaben in der Studie an, regelmäßig Homeoffice zu ermöglichen. Wobei es sich hierbei um den Durchschnitt handelt. So gab es auch Firmen, bei denen bis zu 55 Prozent ihrer Beschäftigten Homeoffice nutzten. Ähnlich wie bei Bertelsmann, kommt es wohl auch hier auf die Branche an, ob die Verlagerung des Arbeitsplatzes überhaupt möglich ist. Nach Corona war es nur noch ein Unternehmen, das angab, „überhaupt kein“ Homeoffice anzubieten. Dagegen waren es inzwischen sechs Unternehmen, in denen nahezu jeder Mitarbeiter dauerhaft daheim arbeitet. Der Durchschnitt liegt bei 38 Prozent der Unternehmen, was Riedl und Wenger als „bedeutenden und signifikanten Anstieg“ bezeichnen. Und der Anteil wird vermutlich noch weiter steigen. So geben 60 Prozent in der Befragung an, sie wollen Homeoffice dauerhaft etablieren. Drei Personalmanager finden sogar, „ein Kulturwechsel in der Arbeitswelt ist in Gang gekommen“.

Chancen und Risiken von New Work

Der Weg dahin ist nicht immer einfach. Hauptsächlich beschäftigen die Entscheider die Regeln, die künftig für das Homeoffice gelten sollen. Müssen die Arbeitsverträge geändert werden? Wie erfasse ich die Arbeitszeit? Was, wenn ein Mitarbeiter nur noch von zu Hause arbeiten möchte? Die Frage, wie Frauen ihr Familienleben mit dem Homeoffice vereinbaren können, stellte sich hingegen kein einziger Unternehmer. Neben dem Arbeitsrecht beschäftigte Personaler vor allem die technische Ausstattung. Etwa, welche technischen Geräte sie anschaffen oder ob sie den Mitarbeitern einen Zuschuss für den heimischen PC geben sollen.

Bei aller Begeisterung: Firmen sehen auch die Risiken von „New Work“. Allen voran bei den Soft Skills. Als solche werden Aspekte bezeichnet, die das soziale Miteinander in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. Jedenfalls ist die Befürchtung groß, dass die Kommunikation leidet, die Idendentifikation mit der Firma abhanden kommt und der Mitarbeiter schließlich seinen Betrieb verlässt, wenn er Kollegen und Vorgesetzte nur noch im Bildschirm zu Gesicht bekommt.

Arbeitgeber fürchten daneben Probleme im Arbeitsalltag. Dass Kunden nicht mehr vernünftig beraten werden können ist eines davon. Ein anderes, dass es zu Fehlern kommen könnte, weil man sich falsch verstanden hat. Und wie soll das funktionieren, mit der flexiblen Arbeitszeit?

Flexible Arbeitszeiten sind gefragt

Experten sind sich einig, dass sie notwendig sein wird, schließlich funktioniert Heimarbeit nicht mit der Stechuhr. Schon deshalb nicht, weil Angestellte zu Hause nebenbei oft auch noch Kinder betreuen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verwischen, Mitarbeiter mit dem Gefühl überfordert werden, ständig erreichbar sein zu wollen. Dabei fürchten nur wenige Arbeitgeber, Mitarbeiter könnten sie missbrauchen, die große neue Freiheit namens Homeoffice.

Im Gegenteil. Unternehmen sehen sogar einen Vorteil darin, wenn Beschäftigte flexibel sind und dann arbeiten, wenn es für beide Seiten sinnvoll ist. Und nicht, weil die Uhr Punkt neun schlägt. Sie begrüßen, dass die Digitalisierung endlich in Schwung kommt. Dass neue Ideen aufgegriffen und alte Strukturen neu überdacht werden. Sie erhoffen sich weniger Termine und Reisen, dafür mehr Effektivität. Dadurch vor allem für junge Arbeitnehmer attraktiver werden. Und sie hoffen, dass sie es ihnen nicht allzu übel nehmen, die Produktionsmitarbeiter, die nicht ins Homeoffice gehen können.