Horhausen Brückenrücken im Schneckentempo

Christian Licha

Die Brücke in Horhausen hat ihren endgültigen Platz eingenommen. Wer dabei zusehen wollte, brauchte jedoch viel Geduld, denn mit drei Metern in der Stunde gingen die Arbeiten nicht gerade zügig vonstatten.

Man musste schon ganz nah dran sein, um den aktuellen Fortschritt zu sehen. Aber am Ende des Arbeitstages der rund 20 Mitarbeiter auf der Baustelle war es eindeutig auch aus der Ferne zu erkennen. Die Horhäuser Mainbrücke und die dazugehörige Vorlandbrücke stehen seit Mittwochnachmittag nun an ihrem endgültigen Platz. Mit einer Geschwindigkeit von drei Metern in der Stunde wurden die beiden neuen Bauwerke von ihrem vorübergehenden Standort 23 Meter Richtung Westen verschoben. Bereits vor vier Wochen liefen die Vorbereitungen auf beiden Seiten des Mains für diesen großen Tag an. Eine Fachfirma brachte die Verschubanlage in Stellung, mit der die 2600 Tonnen schwere Stabbogenbrücke über dem Main und die Vorlandbrücke mit ihren 1600 Tonnen nun zusammen an ihren eigentlichen Bestimmungsort gebracht wurden. Dabei glitten die schweren Bauwerke auf Behelfsunterbauten nur mit relativ niedriger Kraftanstrengung. Für die Last von insgesamt 4200 Tonnen waren nur vier Zugstangen nötig, die jeweils 50 Tonnen bewegten. Das ging natürlich nur, weil die Brücken nicht direkt auf den Betonstützen auflagen, sondern sich auf einer Gleitebene bewegten. Die Mainbrücke und die Vorlandbrückelagen waren dabei um vier Zentimeter erhöht gegenüber ihrer jetzigen Position.

In den frühen Morgenstunden war die Anspannung noch hoch. Klappt alles? Funktioniert die Technik? Eine Achse darf sich nie schneller bewegen als die anderen, sonst geraten die Brücken in Schieflage, erklärte Joachim Dietz, der Abteilungsleiter für den Brückenbau beim Staatlichen Bauamt Schweinfurt. „Um Fehler auszuschließen, wird deshalb regelmäßig gemessen und nötigenfalls nachjustiert“, ergänzte Michael Ressen von der Hensel Ingenieur GmbH aus Kassel, der im Auftrag des Staatlichen Bauamtes die Bauoberleitung innehat. Nach einem zehnstündigen Arbeitstag fiel allen Beteiligten ein Stein vom Herzen. Alles klappte planmäßig und Joachim Dietz attestierte: „Wir liegen absolut im Zeit- und auch Kostenplan“.

Dennoch ist die Brücke bis einschließlich 22. Oktober für den Verkehr weiterhin gesperrt. In dieser Zeit müssen Restarbeiten an den Brücken erledigt und natürlich nicht zuletzt auch die Fahrbahn auf beiden Seiten des Main wiederhergestellt werden. Wenn aber weiterhin alles nach Plan läuft, müssen die Autofahrer ab 23. Oktober keine Umwege mehr fahren, sondern können dann wieder direkt den Main überqueren. Danach folgen noch weitere Restarbeiten, die aber den Straßenverkehr nicht beeinträchtigen werden und im Frühjahr 2023 beendet sein sollen.

Das Bauprojekt besteht aus drei einzelnen Gewerken, die nun alle soweit fertiggestellt sind. Die Brücke über den Main, mit einer Spannweite von 100 Meter, ist eine einfeldrige Stabbogenbrücke mit außenliegenden Versteifungsträgern und nach innen geneigten Bogenebenen. Die Versteifungsträger wurden an insgesamt sechzehn Rundstahlhängern am Bogen aufgehängt. In Brückenlängsrichtung sind die Fahrbahnplatte und die Versteifungsträger lediglich über Querträger und über horizontale Schubbleche miteinander verbunden. In Brückenquerrichtung wirken die Querträger und die Endquerträger mit der Fahrbahnplatte als Verbundträger. Die Brücke über das Vorland, mit einer Spannweite von 39,60 Meter, ist als einfeldrige Spannbetonbalkenbrücke mit konstanter Bauhöhe mit zweistegigem Plattenbalkenquerschnitt ausgeführt. Die Brücke über die Bahnlinie ist ein integrales Spannbetonrahmenbauwerk mit einer Spannweite von 12,60 Meter. Der Überbau wurde mittels sechs zu den Widerlagern hin gevouteten Spannbetonfertigteilträgern mit Ortbetonergänzung hergestellt.

 

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