Hotspot Coburg OB lehnt schärfere Regeln vorerst ab

In der Kernstadt ist die Lage kritischer als in den Stadtteilen. Lediglich in Rögen sowie in Neu- und Neershof gibt es überhaupt keine Infizierten. Foto:  

Coburg war zwei Tage in Folge Deutschlands Corona-Hotspot Nummer eins. Dominik Sauerteig bittet die Staatsregierung um mehr Impfstoff.

Coburg - Die Stadt Coburg hatte am Freitag und am Vatertag den höchsten Inzidenzwert Deutschlands. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lag er am Donnerstag bei 255,6, gestern sogar bei 284,9. „Das ist ein schlimmes Zeichen“ erklärt Oberbürgermeister Dominik Sauerteig in einer Pressemitteilung der Stadt.

Gleichzeitig wurde eine Grafik veröffentlich, die das aktuelle Infektionsgeschehen abbildet. Es ist diffus und nicht auf Ausbrüche in Einrichtung wie Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime zurückzuführen. Die Kernstadt ist mehr betroffen als die Stadtteile, lediglich in Rögen sowie in Neu- und Neershof gibt es überhaupt keine Infizierten. Insgesamt waren am Freitag in der Stadt 495 Personen mit Covid-19 infiziert, zwei weniger als am Vortag. Allerdings wurde am Feiertag nicht getestet.

„Ich fühle mich an die Zeit im Spätherbst erinnert, als sich die Stadt Coburg sehr lange gut gehalten hatte, dann aber doch hohe Infektionsraten hinnehmen musste, wie sie vorher schon in den umliegenden Landkreisen zu verzeichnen waren“, wird OB Sauerteig in der Mitteilung zitiert. Dennoch bittet er darum, die Lage nicht zu dramatisieren. „Fakt ist aber: Bundesweit gehen die Inzidenzzahlen nach unten, während unsere leider steigen. Ich führe dies nicht zuletzt darauf zurück, dass Stadt und Landkreis Coburg bei der Zuteilung der Impfdosen durch den Freistaat seit Jahresanfang benachteiligt waren.“ Coburg habe seine Hausaufgaben sehr früh gemacht, das Impfzentrum in Witzmannsberg sei schon im Dezember bereit für seine Aufgaben, betont der OB. „Wir haben sogar eine große Außenstelle in Coburg, könnten also sehr viel Impfungen täglich vornehmen. Leider wurde unserem Impfzentrum deutlich weniger Impfstoff zugeteilt, als anderen in der näheren und weiteren Umgebung.“

Das habe er mit Kollegen und Mitstreitern aus der Region gegenüber dem Freistaat auch deutlich bemängelt. Erst daraufhin habe man diese Woche ein Zusatzkontingent von 3200 Impfdosen Johnson & Johnson erhalten. „Wenn wir genug Impfstoff für unsere personellen und technischen Kapazitäten erhalten hätten, hätten wir heute in Coburg sicher schon weit über 50 Prozent geimpfte Bürgerinnen und Bürgern. Und die Inzidenzwerte wären niedriger“, zeigt er sich sicher.

Die Ungeduld der Coburgerinnen und Coburger könne er gut verstehen. „Auch ich habe keine Lust mehr, immer weiter Durchhalteparolen zu verkünden“, so Sauerteig. Es bleibe aber nichts anderes übrig, als nun noch ein klein wenig die Zähne zusammenbeißen und sich zurückhalten. „Denn wir wollen ja alle, dass bald die Biergärten, die Cafés und die Läden wieder öffnen können. Das dürfen sie nur, wenn der Inzidenzwert deutlich runtergeht. Überall zeigt der Trend deutlich nach unten. Wenn wir uns alle gemeinsam disziplinieren, wird auch uns dieser Trend bald erfassen“, so der Bürgermeister weiter.

Er hoffe nun, dass das Impfzentrum weiter zusätzlichen Impfstoff erhalte, so wie es etwa für Hof oder Tirschenreuth galt, als deren Inzidenzwerte sehr hoch gewesen waren. „Ich appelliere daher an die Bayerische Staatsregierung: Bitte schicken Sie uns mehr Impfdosen! Auch Coburg möchte alsbald öffnen können.“

Bei dieser Gelegenheit wolle er sich bei allen Mitarbeitern im Impfzentrum ausdrücklich bedanken: „Sie tun einen tollen Job! Er wird nur geschmälert dadurch, dass nicht genügend Impfstoff ankommt“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Eine Verschärfung der Corona-Regeln, wie von der Regierung von Oberfranken erst kürzlich gefordert, lehne er vorerst ab, weil zielgerichtete Maßnahmen angesichts der fehlenden Nachvollziehbarkeit der Infektionswege nicht identifiziert werden könnten. Zudem trügen weitere Regeln nicht zu einer Akzeptanz in der Bevölkerung bei. Aber genau auf die Akzeptanz der sei man dringend angewiesen. „Trotz der hohen Werte ist die Situation übrigens eine ganz andere als zur Jahreswende“, betont Sauerteig. Glücklicherweise seien immerhin sehr viele Menschen über 70 Jahre und weite Teile der Risikogruppen geimpft.

„Wir müssen dennoch alle verantwortlich handeln, damit wir endlich wieder weitgehend normal leben können. Bitte, halten Sie sich an die Abstandsregeln, an die Maskenpflicht, wo immer sie angesagt ist, an das Kontaktverbot und an die Ausgangssperre“, appellierte er an die Bevölkerung. Bei der hochinfektiösen britischen Variante des Virus könne schon ein Gespräch über den Gartenzaun oder in der Spit ohne Maske anstecken.

Die Stadt beobachte die Lage ununterbrochen, der Krisenstab der Stadt tage mehrmals täglich. Für mehr Akzeptanz der Regeln habe man zudem eine Kampagne im Radio und auf Social Media veranlasst. Sollten die Zahlen weiter hochgehen, werde diese Kampagne ausgeweitet. „Und notfalls werden wir sogar die Regeln verschärfen müssen. Dies aber nur als letzte Möglichkeit. Wir werden es auch diesmal schaffen – gemeinsam!“, so der OB.

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