HSC 2000 Coburg Ein Nachmittag zum Vergessen

Am Boden: Coburgs Tobias Varvne und seine Teamkollegen vom HSC 2000 Coburg fanden beim Auswärtsspiel in Minden zu keiner Zeit ins Spiel. Foto: /Iris Bilek

Nach schwacher Leistung verliert der HSC gegen Minden mit 21:30. Coburgs Führungsspieler Florian Billek findet nach Spielende klare Worte.

Minden/Coburg - Es war ein äußerst bitterer Nachmittag für den HSC 2000 Coburg. Am Sonntag verlor der Handball-Bundesligist sein Auswärtsspiel bei GWD Minden mit 21:30 und zeigte dabei eine erschreckend schwache Leistung. Die Gästen fanden zu keinem Zeitpunkt der Partie ins Spiel und mussten die Heimreise mit leeren Händen antreten, dabei hatten sich die Coburger nach dem starken Auftritt gegen Kiel so viel vorgenommen. Doch Minden war hellwach, hatte das Spiel jederzeit im Griff, Coburg lief nur der Musik hinterher. Die technischen Fehler häuften sich, vor allem in Hälfte eins. Das nutzen die Gastgeber gnadenlos aus.

„Bodenlose Frechheit“

Als „blutleer“ bezeichnete nach dem Spiel Florian Billek bei Sky die Vorstellung seiner Mannschaft und legte gleich noch noch: „Unser Auftritt heute war eine bodenlose Frechheit. Mit so einer Leistung haben wir in der Bundesliga nichts zu suchen. Das muss man so ehrlich sagen.“

Der Druck auf die Coburger war vor der Partie bereits groß. Am Samstagabend spielte die Konkurrenz im Tabellenkeller nicht für den HSC. Nordhorn holte einen Punkt beim Bergischen HC, Essen besiegte Stuttgart deutlich mit sieben Toren.

GWD Minden – HSC 2000 Coburg 30:21 (15:9). Milos Grozdanic kehrte nach Knieproblemen beim HSC in die Startformation zurück, mit ihm gingen zu Beginn Florian Billek, Stepan Zeman, Andreas Schröder, Tobias Varvne und Pontus Zetterman aufs Feld. Jan Kulhanek hütete das Tor. Pouya Norouzi Nezhad stand überraschenderweise wieder im Kader, obwohl der HSC noch Anfang Februar verkündet hatte, dass der Iraner aufgrund einer schweren Schulterverletzung wohl für zirka sechs Monate ausfallen wird.

In den Anfangsminuten unterliefen beiden Teams einige technische Fehler. Nach fünf Minuten lagen die Gastgeber dennoch mit 3:1 in Führung, Christoffer Rambo traf gleich zweimal. Coburg fand kaum Lücken in der gut sortierten Abwehr der Mindener. Ein Überzahlspiel konnte der HSC nicht nutzen, GWD traf im Gegenzug zum 4:2 (8.) und legte gleich den zweiten Treffer in Unterzahl nach (5:2, 9.).

Sichere GWD-Abwehr

Coburgs Trainer Alois Mraz nahm sofort die Auszeit und redete seine Schützlinge wieder stark: „Wir machen jetzt ein Tor“, sagte er während der Unterbrechung zu seinem Team. Doch die Gäste waren in der Offensive nicht zwingend genug, die Defensive der Mindener stand sehr sicher, ließ kaum etwas zu. GWD hätte nach 15 Minuten deutlicher führen können, ja müssen. 8:5 stand es da, Minden brachte aber gleich drei Tempogegenstöße nicht im Tor von Jan Kulhanek unter.

Coburg war danach wieder in doppelter Überzahl, Norouzi Nezhad traf aber nur die Latte. Auch im weiteren Verlauf machte sich der HSC das Leben unnötig schwer. In zahllosen Überzahlsituationen schaffte es der Aufsteiger nicht, Kapital daraus zu schlagen. Minden bestrafte die Fehler eiskalt und zog mehr und mehr davon. Der HSC hatte sich nach dem guten Kiel-Spiel so viel vorgenommen, wollte auf die Leistung vom Mittwochabend aufbauen. Doch nach 30 schwachen Minuten lag der Aufsteiger verdient mit 9:15 zurück.

Den besseren Start in Hälfte zwei erwischten die Hausherren. Nur wenige Minuten nach Wiederbeginn war Minden bereits mit neun Toren in Führung. Coburg hatte kaum Zugriff auf die Partie, tat sich enorm schwer. Alois Mraz sah sich erneut zu einer Auszeit gezwungen. „Das geht viel zu schnell. Wir müssen hellwach sein“, gab er seinen Schützlingen mit. Diese konnten seine Anweisungen aber nicht wirklich umsetzen. Kurz danach scheiterte Christoph Neuhold am starken Mindener Keeper Malte Semisch, im Gegenzug erhöhte Doruk Pehlivan auf 22:12 (41.). Es deutete sich eine deftige Abreibung für den HSC an. Zu diesem Zeitpunkt des Spiels konnte es für die Coburger nur noch darum gehen, nicht komplett unter die Räder zu geraten. Pehlivan stellte derweil auf 23:12 (42.).

Pehlivan erneut stark

Florian Billek hatte vor dem Spiel noch am Sky-Mikrofon gesagt: „Im Hinspiel hatten wir Schwierigkeiten mit Pehlivan.“ Dieses Mal sollte es besser werden. Beim 28:24 für Minden in der HUK-Arena traf der Türke achtmal für GWD. Nach gut 40 Minuten im Rückspiel stand Doruk Pehlivan bereits wieder bei sechs Treffern. Auch Nationalspieler Juri Knorr lief heiß, erzielte beim 28:16 in der 51. Minute sein neuntes Tor des Nachmittags. Minden zeigte eine konzentrierte Leistung, hatte die Partie jederzeit im Griff. Coburg machte auch in Hälfte zwei leichte Fehler, konnte in keinster Weise an die starke Vorstellung gegen Rekordmeister Kiel anknüpfen und hatte einen gebrauchten Nachmittag, an dem so gut wie nichts klappte. Am Ende stand eine hochverdiente 21:30-Niederlage, die auch in dieser Höhe völlig in Ordnung geht.

Minden verabschiedet sich nach diesem Sieg aus der Abstiegszone, für Coburg wird nach den Ergebnissen der Konkurrenz die Luft im Abstiegskampf immer dünner. Alois Mraz wird viel zu tun bekommen, um diese Niederlage aufzuarbeiten. Viel Zeit dazu bleibt ihm allerdings nicht. Bereits am Donnerstag geht es weiter für den HSC. Gegner in der HUK-Arena ist dann die HSG Wetzlar.

Die Statistik

GWD Minden – HSC Coburg 30:21 (15:9)

GWD Minden: Carsten Lichtlein, Malte Semisch – Joscha Ritterbach (4), Justus Richtzenhain (2), Christian Zeitz, Christoffer Rambo (3), Mats Korte, Joshua Thiele (2), Maximilian Janke, Miro Schluroff, Simon Strakeljahn (1), Juri Knorr (9/2), Doruk Pehlivan (6), Max Staar (2), Kevin Maageroe Gulliksen (1). – Trainer: Frank Carstens.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Konstantin Poltrum – Pouya Norouzi Nezhad (2), Felix Sproß, Dominic Kelm, Jakob Kassing, Drasko Nenadic (4), Florian Billek (6), Dino Mustafic, Pontus Zetterman (2), Tobias Varvne, Justin Kurch, Stepan Zeman (2), Milos Grozdanic (1/1), Andreas Schröder (3), Christoph Neuhold (1). – Trainer: Alois Mraz.

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah/Suresh Thiyagarajah.

Zeitstrafen: 7 (Zeitz, Rambo, Thiele, zweimal Janke, Pehlivan, Staar) – 2 (Norouzi Nezhad, Zeman).

Siebenmeter: 2/2 – 1/1.

Spielfilm: 0:1 (2.), 1:1 (3.), 2:1 (4.), 3:1 (5.), 4:2 (8.), 5:2 (9.), Auszeit HSC (9.), 6:3 (10.), 6:5 (14.), 7:5 (15.), 9:5 (17.), 10:6 (19.), 11:7 (20.), 11:8 (24.), Auszeit GWD (24.), 13:8 (26.), 15:8 (28.), 15:9 (Halbzeit), 16:9 (32.), 18:10 (34.), 19:11 (36.), 20:12 (38.), 21:12 (39.), Auszeit HSC (39.), 23:12 (42.), 24:12 (44.), 24:14 (46.), 25:15 (48.), 26:15 (49.), Auszeit HSC (49.), 27:15 (50.), 28:16 (51.), 29:18 (55.), 29:20 (59.), 30:21 (Endstand).

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