Peta fordert Hundeführerschein Hund beißt Postbotin in Neustadt bei Coburg

Eine Paketzustellerin ist in Neustadt von einem Hund in die Wade gebissen worden. Solche Vorfälle könnten verhindert werden, meint die bekannte Tierrechtsorganisation.

Meist liege das Problem nicht bei den Hunden selbst, sondern bei ihren Halterinnen und Haltern, erklärt Peta. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild (Symbolbild)

Ein Hund hat am Freitag einer Paketzustellerin in Neustadt bei Coburg in die Wade gebissen. Laut Polizeimeldung vom Samstag war der Frau bereits bekannt, dass dort ein Kleinhund gehalten wird, der aggressives Verhalten zeigt.

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Aus diesem Grund wartete sie demzufolge vor dem Einfamilienhaus. In diesem Augenblick kamen jedoch die Bewohner mit dem Tier von einem Spaziergang zurück. Durch den Biss wurde die Postbotin leicht verletzt.

Dritter Beißvorfall in Bayern innerhalb einer Woche

In einer Pressemitteilung vom Montag schreibt Peta: „Es ist bereits der dritte Beißvorfall in Bayern innerhalb einer Woche.“ In Ansbach sei ein Radfahrer von einem Hund ins Bein gebissen worden, in Gundelfingen habe ein Hund einen Elfjährigen, der auf dem Weg zum Schulbus war, in den Arm gebissen. Angesichts der Vorfälle fordert die Tierrechtsorganisation nun die Landesregierung in Bayern erneut auf, den sogenannten Hundeführerschein einzuführen.

„Meist liegt das Problem nicht bei den Hunden selbst, sondern bei ihren Halterinnen und Haltern. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Vierbeiner richtig zu interpretieren und zu verstehen. Die eigentliche Ursache von Beißvorfällen ist somit in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Tier“, so Björn Thun, Fachreferent bei Peta. „Unabhängig davon, ob ein Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden.“

Peta-Befragte sprechen sich für Hundeführerschein aus

Nach einer von Peta in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sehe vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben.

Anschließend folge für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. „Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten“, ist die Tierrechtsorganisation überzeugt.

Führerschein soll vor Impulskäufen abhalten

Als erstes deutsches Bundesland hat demzufolge Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. Zum 1. Juli 2026 werde auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. Österreich geht laut Schreiben noch einen Schritt weiter: Dort werde ab dem 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. In Berlin sind Halterinnen und Halter laut Pressemitteilung seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gebe es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat demzufolge einen weiteren Vorteil: Er könne Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. „Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt ‚angeschafft’ wurden“, heißt es in dem Schreiben weiter.