IG Metall in Coburg Warnstreik bei Waldrich

Die Gewerkschaft fordert acht Prozent mehr Lohn. Weil die Arbeitgeber sich kaum bewegen, gibt es nun einen letzten Warnschuss vor der nächsten Eskalationsstufe.

 
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Seit Wochen verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern um mehr Geld, doch auch nach bundesweit 20 Runden liegt nach Ansicht der Gewerkschaft kein echtes Angebot auf dem Tisch. Bevor am Dienstagnachmittag in München die dritte und vorerst letzte Verhandlungsrunde für Bayern startet, waren am Vormittag rund 300 Mitarbeiter der Coburger Firma Waldrich zum Warnstreik aufgerufen.

„Wir fordern acht Prozent, damit wir uns auch in Zukunft noch eine gute Coburger Bratwurst schmecken lassen können“, so das Motto – und passend dazu gab es eine Gratiswurst für jeden Mitarbeiter, der für die Kundgebung vor die Betriebstore trat. „Die Arbeitgeber haben die vom Staat ausgelobten 3000 Euro geboten und eine Lohnerhöhung in den kommenden 30 Monaten in Aussicht gestellt, das ist in meinen Augen kein Angebot“, unterstreicht die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Coburg, Nicole Ehrsam. Schließlich liege die Inflation bei über zehn Prozent und wenn die Sonderzahlung aufgebraucht sei, stünden die Mitarbeiter genau am gleichen Punkt wie derzeit.

Seit 2018 gab es keine Anpassung der Lohntabellen, „das kann so nicht weiter gehen“, sagt auch Hardy Müller, Betriebsratsvorsitzender der Firma Waldrich. Von allein gebe es nicht mehr Geld, dafür müssten die Belegschaften sich einsetzen. Die Mitarbeiter hätten keine andere Möglichkeit, als mehr Geld vom Chef zu fordern. Der Chef wiederum habe die Möglichkeit, höhere Kosten bei den Kunden durchzusetzen.

Ehrsam weist darauf hin, dass es nach Ansicht der Arbeitgeber keinen guten Zeitpunkt für eine Lohnerhöhung gebe. „Herrscht Aufschwung, werde dieser gebremst, ist eine Krise, werde diese verschlimmert. Doch wir stehen vor einem robusten, stabilen Arbeitsmarkt“, betont Nicole Ehrsam. Eine Umfrage bei den Betriebsräten der Mitgliedsunternehmen habe ergeben, dass die Auftragsbücher bis ins Jahr 2024 gut gefüllt seien und zusätzliche Arbeitnehmer gesucht würden. „Wir wollen für euch Beschäftigte einen gerechten Anteil haben“, so Ehrsam kämpferisch. Sie betont die Signalwirkung, die von einem Tarifabschluss auch für nicht tarifgebundene Unternehmen ausgeht, die dann in der Regel ihre Löhne ebenfalls anpassen.

Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer, bezeichnet die Kundgebung als letzten Warnschuss, bevor die Gewerkschaft in einen richtigen Streik gehe. „Acht Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern bewegen sich am unteren Rand dessen, was möglich ist“, sagt er mit Verweis auf Rekordgewinne etwa bei Mercedes-Benz. Die IG Metall gehe voran, auch für die anderen Gewerkschaften, im Januar stünden dann etwa für den öffentlichen Dienst Tarifrunden an. Dabei gehe es bei der Lohnerhöhung nicht nur darum, etwas von dem zurückzubekommen, was die Inflation den Menschen aus der Tasche ziehe. Ziel sei es auch, die Binnenkonjunktur nicht erlahmen zu lassen, weil beim Wirtshausbesuch oder Weihnachtsgeschenken gespart wird. „Es kann nicht sein, dass wir frierend zu Hause sitzen und das Leben an uns vorbeigeht“, betont Eckardt.

Im Raum Coburg sind zwölf Betriebe mit rund 6500 Beschäftigten Mitglied bei der IG Metall. Bei großen Unternehmen wie etwa Lear, Valeo und Kapp sind weitere Warnstreiks in den kommenden Tagen geplant. Bewegt die Gegenseite sich nicht, soll am 17. November eine große Kundgebung stattfinden, bevor über länger andauernde Streiks abgestimmt werden würde.

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