IHK-Gremium bei Woco Kronacher Wirtschaft fordert Tempo statt Stillstand

Redakrion

Die Lage der heimischen Unternehmen ist angespannt. Das IHK-Gremium diskutierte nun darüber, was man für die eigene Wettbewerbsfähigkeit braucht.

Die Mitglieder des IHK-Gremiums Kronach informieren sich vor Ort über Produkte und Prozesse beim Woco Kronacher Kunststoffwerk. Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth

Wie bleiben Unternehmen im internationalen Wettbewerb erfolgreich und welche Rahmenbedingungen braucht der Wirtschaftsstandort Kronach? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung des IHK-Gremiums Kronach bei Woco Kronacher Kunststoffwerk.

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„Der Hochschulstandort Kronach entwickelt sich weiter“, so der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kronach, Hans Rebhan. Im Herbst 2026 werde die Marke von 500 Studierenden erreicht. Als sehr erfreulich bezeichnet er die Bestrebung der beiden oberfränkischen Hochschulen Coburg und Hof, am Lucas-Cranach-Campus in Kronach einen gemeinsamen Studiengang im Bereich Gesundheit und Pflege zu etablieren. Zudem konkretisieren sich die Planungen für die Hochschule im öffentlichen Dienst, so Hans Rebhan. Wichtig sei ihm, dass in der Umsetzung eine möglichst hohe Wertschöpfung in der Region verbleibe.

Hochschule ein Mega-Gewinn

„Der Hochschulstandort ist eine große Chance für Kronach. Jetzt gilt es, die Studierenden stärker mit unseren Unternehmen und dem gesellschaftlichen Leben zu vernetzen. Werkstudierendenstellen und Praktika bieten beiden Seiten Vorteile: Die Unternehmen gewinnen neue Impulse und die Studierenden knüpfen frühzeitig Kontakte zur regionalen Wirtschaft“, so Rebhan.

Rebhan begrüßte zudem das 34-Punkte-Programm der Bundesregierung als Signal für mehr Reformbereitschaft. Die Lage in der Kronacher Wirtschaft bleibe aber angespannt: Laut jüngster IHK-Konjunkturumfrage ist der Konjunkturklimaindex im Landkreis Kronach erneut gesunken, die Auftragslage bleibe schwach. Dazu kämen geopolitische Belastungen. Einschränkungen im Suezkanal und Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus treiben Energie- und Rohstoffpreise nach oben. Neue Handelsabkommen mit Indien, Indonesien und Australien sowie das seit Mai geltende Mercosur-Abkommen eröffneten zwar Chancen, ändere aber nichts an der aktuellen Belastung.

Hinzu komme die Bürokratie: Nach einer KI-gestützten Untersuchung der IHK Stuttgart enthalten rund 60 Prozent der geprüften EU-Regelungen nationale Zusatzvorgaben, sogenanntes „Gold Plating“. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte man sich solche zusätzlichen Belastungen nicht leisten, so Rebhan.

Mehr Freiraum für Unternehmen

„Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt von der Diskussion ins Doing kommen. Hohe Energie- und Rohstoffkosten nehmen unseren Unternehmen die Luft zum Atmen“, macht Rebhan deutlich. Deshalb müssten andere Belastungen konsequent reduziert werden, vor allem weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und mutige Reformen. „Unsere Unternehmen brauchen endlich wieder mehr Freiraum für Investitionen und Innovationen.“ Das Woco Kronacher Kunststoffwerk beschäftigt rund 300 Mitarbeitende und zählt zu den größten Arbeitgebern im Landkreis. Es entwickelt Duroplast- und Thermoplastbauteile für die internationale Automobilindustrie. Als Teil der familiengeführten WOCO-Gruppe mit weltweit rund 4000 Beschäftigten beliefert das Unternehmen unter anderem Mercedes, VW, BMW, Ford und Volvo und zunehmend auch amerikanische Hersteller wie Tesla.

Frank Endres, Director Operations bei Woco, macht deutlich, wie sehr sich die Anforderungen internationaler Märkte verändert haben: Heute entscheide Geschwindigkeit immer häufiger über den Erfolg. „Während Entscheidungsprozesse in Deutschland nicht selten mehrere Monate dauern, erwarten unsere amerikanischen Kunden innerhalb von 48 Stunden ein belastbares Angebot. Wer international bestehen will, muss schnell, flexibel und entscheidungsfähig sein.“

Gerade in einem dynamischen Markt sei die Identität eines Familienunternehmens ein Stabilitätsfaktor: „Als familiengeführte Unternehmensgruppe denken wir langfristig und investieren nachhaltig – in unsere Mitarbeitenden, unsere Technologien und unsere Standorte. Dieses generationenübergreifende Denken schafft Vertrauen bei unseren Kunden, gibt unseren Beschäftigten Sicherheit und bildet die Grundlage für unseren nachhaltigen Unternehmenserfolg.“