IHK zu Coburg Fachkräftemangel trotz wachsender Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaft in Deutschland befindet sich in Schieflage. Entsprechend hat die Arbeitslosenquote zuletzt spürbar zugenommen. Das IHK-Arbeitsmarktradar zeigt dennoch: Der Fachkräftemangel verschärft sich in Oberfranken in den nächsten Jahren weiter.

Der Fachkräftemangel bleibt trotz Wirtschaftskrise eine große Herausforderung. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Aktuell fehlen in Oberfranken etwa 21.000 Arbeitskräfte. Das zeigt der aktuelle IHK-Arbeitsmarktradar, veröffentlicht von den bayerischen Industrie- und Handelskammern. Laut Prognosen soll der Engpass bis 2028 um ganze 10.000 auf rund 31.000 Personen ansteigen.

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„Ob die Prognosen tatsächlich so eintreffen, muss sich noch zeigen. Die Verabschiedung von Einfuhrzöllen durch den amerikanischen Präsidenten wird nicht ohne Auswirkungen auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und damit auf die künftige Arbeitskräftelücke bleiben“, macht Sandler deutlich. „Aber niemand weiß aktuell, wie groß die Auswirkungen letztendlich tatsächlich sein werden.“

Gravierende Einschnitte im Produkt- und Dienstleistungsangebot

„Prognosen sind aufgrund der aktuellen Entwicklungen tatsächlich schwierig, aber ein Punkt ist klar: Der Fachkräftemangel bleibt trotz Wirtschaftskrise eine große Herausforderung. Diese kann für unsere Betriebe in den besonders betroffenen Branchen letztlich sogar zu einer Existenzfrage werden. Zumindest aber wird der Personalmangel dazu führen, dass es teilweise gravierende Einschnitte im Produkt- und Dienstleistungsangebot geben wird“, erklärt Alexander Arnold, Leiter des Kompetenzzentrums 4.0 für Maschinen- Anlagenbau und Automotive der IHK zu Coburg.

Dabei ist der Mangel bei den einzelnen Qualifikationsniveaus unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders groß ist die Lücke in Oberfranken bei den Fachkräften. Hier wird bis 2028 ein Engpass von 18.000 Arbeitskräften prognostiziert. Aktuell fehlen rund 12.000. Der Mangel an Spezialisten, also an Meistern, Fachkräften mit Weiterbildung oder Personen mit Bachelorabschluss, wird auf 6.000 prognostiziert. Genauso viele sind es bei den Experten, vor allem Personen mit Master-Abschluss. Deutlich geringer ist der Mangel bei den Helfern. So wird 2028 mit einem Fehlen von 2.000 Helfern gerechnet.

Fachkräfte im Verkauf stehen ganz oben auf der Liste

Die Liste der größten Engpassberufe im Jahr 2028 führen mit etwa 1.000 fehlenden Arbeitskräften Fachkräfte im Verkauf (ohne Produktspezialisierung) an. Diese werden gefolgt von Fachkräften in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Spezialisten in der Kinderbetreuung und -erziehung. Ein beträchtlicher Mangel wird zudem bei Fachkräften in der Lagerwirtschaft, Experten in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Fachkräften in der Kraftfahrzeugtechnik sowie bei Spezialisten in der Physiotherapie vorausberechnet.

Arnold betont: „Dass die Personallücke bei den Fachkräften mit einer dualen Berufsausbildung am größten ist, bestätigt unseren Ansatz, schon früh in die Berufsorientierung einzusteigen. Dazu hat die IHK zu Coburg eine breite Palette an Angeboten, wie beispielsweise unsere Berufsbildungsmesse, die am 23. und 24. Mai wieder im Kongresshaus stattfindet, unsere ‚Zeig dich’-Tour – und ganz neu: unser digitaler Ausbildungsberater. Unser KI-gestützter Chatbot hilft Schülerinnen und Schülern schnell und einfach, den passenden IHK-Ausbildungsberuf im Coburger Land zu finden.“

Ziel: Steigerung der Arbeitgeberattraktivität

Der Arbeitskräftemangel bleibt nicht ohne Folgen für die Wirtschaft. Jedes Jahr führt er zu einem Verlust der Bruttowertschöpfung. Ganze 7,3 Prozent der Bruttowertschöpfung Oberfrankens sollen gemäß der Prognose im Jahr 2028 durch fehlende Arbeitskräfte verloren gehen.

„Die oberfränkischen Unternehmen fahren unterschiedliche Strategien, um zukünftig bessere Chancen bei der Stellenbesetzung zu haben“, so Sandler. „Dabei steht die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität ganz oben auf der Agenda. Zudem wird insbesondere auf die Beschäftigung und Einstellung älterer Mitarbeitenden und die eigene Ausbildung von Nachwuchs gesetzt.“ Als weitere Lösungsstrategien werden außerdem eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Investitionen in technische Lösungen als Ersatz für fehlende Arbeitskräfte angesehen.